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Die Anzahl der Radebeuler schrumpft

Die demografische Entwicklung in Radebeul stellt Betriebe und Stadt für enorme Probleme, prophezeit das Stadtoberhaupt.

©  SZ-Grafik: Gernot Grunwald

Radebeul. Derzeit zählt die Stadt Radebeul 34.150 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2020) laut Einwohnermeldeamt. Lange Zeit wuchs die Anzahl der Radebeuler stetig an, sodass die Landesstatistiker für das Jahr 2025 sogar über 36.000 Bürger der Lößnitzstadt vorhergesagt haben. Doch diese Zahl wird laut Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) wohl nicht erreicht.

Welche Tendenz zeichnet sich bei der Bevölkerungsentwicklung ab?

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Bis ins Jahr 2018 stieg die Zahl derer an, die ihren Hauptwohnsitz im Radebeuler Stadtgebiet haben. 34.304 Menschen waren es damals. Seither schrumpft die Einwohnerzahl. Erst um 130 im Jahr 2019 und um weitere 24 im vorigen Jahr. „Der Bevölkerungszuwachs kommt zum Erliegen“, sagte OB Wendsche bei der Präsentation seines Bevölkerungsberichts im jüngsten Bildungs-, Kultur- und Sozialausschuss.

Warum schrumpft die Zahl der Einwohner?

In der Lößnitzstadt sind „tendenziell sinkende Geburtenzahlen“ zu verzeichnen, wie das Stadtoberhaupt informierte. Pro Jahr schwanken sie. Bis 2018 erblickten immer um die 300 bis sogar 320 kleine Radebeuler das Licht der Welt. 2019 gab es „nur“ noch 261 und im vorigen Jahr 263 Geburten.

Diese rückläufige Tendenz lässt sich auch an der Summe der Kinder der Altersgruppe bis zum sechsten Lebensjahr veranschaulichen. Mit 1.985 in den Jahren 2014 und 2016 beziehungsweise 1.984 im Jahr 2015 war der Zenit erreicht. Seither ist die Anzahl rückläufig und betrug im vorigen Jahr 1.826 - ein Rückgang um 159 Kinder innerhalb von vier Jahren.

Warum gibt es weniger Babys in der Lößnitzstadt?

„Aufgrund der fehlenden Mütter gehen die Kinderzahlen zurück“, berichtete der Rathauschef. Wie der Alterspyramide zu entnehmen ist, wirkt sich nun der Nachwendeknick in der demografischen Entwicklung aus. Anfang der 1990er-Jahre wurden deutlich weniger Kinder geboren als in den Nachkriegsjahren nach 1945. Der niedrigste Geburtenstand war in den vergangenen 100 Jahren 1993 mit 154 Neugeborenen (62 Mädchen/92 Jungen) zu verzeichnen. Zum Vergleich: Im geburtenschwachsten Jahr nach dem Zweiten Weltkrieg gab es 1946 in Radebeul 234 Entbindungen (127 Mädchen/107 Jungen).

Die 1990er Jahrgänge haben nun das Alter erreicht, in welchem sie selber Familien gründen. OB Wendsche hat einmal die Anzahl potenzieller Mütter in Radebeul ermittelt. Infrage kommen alle Frauen im Alter zwischen 18 und 40 Jahren. Im Jahr 2009 waren das 4.162 Radebeulerinnen. 2020 gab es nur noch 3.454 Frauen. Und in sieben Jahren verkleinert sich ihre Anzahl auf 3.074. Das ist eine Reduzierung um mehr als 25 Prozent. „Damit gehen auch die Geburten um mehr als ein Viertel zurück“, schlussfolgert Wendsche.

Bei welchen Jahrgängen schrumpft die Einwohnerzahl noch?

Einen Aderlass erlebt die Lößnitzstadt regelmäßig in der Altersgruppe 18 bis 25 Jahre. „Wir haben eine Abiturquote von rund 60 Prozent in der Stadt“, so Wendsche. Daher sei die Anzahl derer groß, die die Lößnitzstadt wegen eines Studiums oder der Berufsausbildung verlassen. Die Zahl junger Erwachsener ging 2020 um 13,6 Prozent zurück, 2019 waren es 18,4 und 2016 sogar 22 Prozent.

Wie entwickelt sich die Anzahl der Rentner?

Derzeit gehen im Schnitt um die 500 Personen im Jahr in den wohlverdienten Ruhestand. Dem Rentenalter kommt jedoch die Generation der Babyboomer, die 1960er Jahrgänge, immer näher. Diese sind wegen damals hoher Geburtenzahlen besonders stark. So steigt in diesem Jahrzehnt die Zahl neuer Rentner zwischen 600 und 700 pro Jahr.

Welche Folgen hat die demografische Entwicklung für die Wirtschaft?

Mehr Radebeuler, die jedes Jahr die Arbeitswelt aufgrund ihres Alters verlassen, aber deutlich weniger junge Einwohner, die in die Berufswelt nachrücken, - das ist wirtschaftlich gesehen kein gesundes Verhältnis. OB Wendsche hat einmal die Folgen für die Unternehmen in der Stadt ausgerechnet. „In Summe fehlen im Status quo in den nächsten 31 Jahren 5.191 potenzielle Arbeitskräfte.“ Erst dann tritt wieder Stabilität ein, was die Zahl der Berufsaus- und -einsteiger betrifft. Bei 13.964 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten am Standort Radebeul sind damit nahezu 37,2 Prozent der derzeit besetzten Arbeitsplätze vakant, und das bei fast Vollbeschäftigung. 2020 gab es im Jahresdurschnitt 608 Arbeitssuchende, eine Quote von 4,2 Prozent.

Welche Folgen hat der Mangel an Arbeitskräften für den Stadtetat?

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Mehr als ein Drittel weniger Arbeitskräfte bedeutet laut Wendsche über ein Drittel weniger Einnahmen aus der Einkommenssteuer. Über 15 Millionen Euro flossen 2019 über diese Steuer in den städtischen Haushalt. Künftig fehlen der Lößnitzstadt fünf Millionen Euro, rechnete Wendsche aus.

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