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Die Fami macht trotz Finanzproblemen weiter

Durch die Corona-Pandemie plagen das Familienzentrum Geldsorgen. Es muss gespart werden, aber nicht überall.

Anja Schenkel und Mathias Abraham von der Familieninitiative Radebeul schauen optimistisch aus den Fenstern des Familienzentrums. Der lange Lockdown hat ein großes Loch in den Finanzen des Vereins gerissen.
Anja Schenkel und Mathias Abraham von der Familieninitiative Radebeul schauen optimistisch aus den Fenstern des Familienzentrums. Der lange Lockdown hat ein großes Loch in den Finanzen des Vereins gerissen. © Arvid Müller

Radebeul. Das aktuelle Programmheft des Familienzentrums Radebeul zählt 108 Seiten. „Es ist voll mit Angeboten“, sagt Mathias Abraham, Geschäftsführer der Familieninitiative, kurz Fami, Trägerverein des beliebten Treffpunkts für Jung und Alt am Dorfanger Altkötzschenbroda. Das dicke Heft ist ein untrügliches Zeichen, dass die Fami nicht schließen muss.

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Der Spendenaufruf unter dem Slogan, dass bei der Fami das Licht auszugehen droht, hat bei etlichen Leuten diese Sorge aufkommen lassen. Rund acht Monate war das Familienzentrum wegen des langen Lockdowns ab November vorigen Jahres geschlossen, konnten keine Kurse und Veranstaltungen für die ganze Familie, vom Knirps über Eltern bis hin zum betagten Senior, angeboten werden. Einnahmen durch Teilnahmegebühren und Kursbeiträge fielen aus. Es hat sich ein Fehlbetrag von rund 10.000 Euro angehäuft. Die Summe entspricht den jährlichen Stromkosten des Vereins.

Kein Geldpolster vorhanden

„Die Situation ist knifflig“, berichtet Abraham. Denn die Fami kann auf kein Finanzpolster zurückgreifen, hatte weder in der Vergangenheit die Möglichkeiten, Geld auf dem Konto zurückzulegen, noch bestehen diese in der Zukunft. Für ihre Projekte bekommt die Fami Fördermittel. Diese werden Jahr für Jahr abgerechnet. „Haben wir gut gewirtschaftet, dann geben wir die übrig gebliebenen Mittel an unsere Förderer zurück. Defizite muss der Verein ausgleichen“, berichtet Abraham. Zudem hat die Fami für jede Projektförderung einen finanziellen Eigenanteil zu leisten. „40 Prozent der Kosten müssen wir selber erwirtschaften. Das ist enorm“, so Abraham. Wenn es nicht gelingt, das Finanzloch zu schließen, geht es ans Eingemachte. Eine Einnahmequelle für Eigenmittel sind neben Teilnahmegebühren, die Beiträge der rund 100 Vereinsmitglieder sowie Freunde und Unterstützer.

Wegen des durch die Pandemie aufgerissenen Finanzloches muss die Fami einen Sparkurs fahren. Bei den Sachkosten wird jede Ausgabe genau unter die Lupe genommen und hinterfragt, ob sie momentan notwendig ist. So wird mit Arbeitsmaterialien gehaushaltet, Reparaturen im und am Haus aufgeschoben, wenn es geht. Auch die technische Ausstattung kann nicht erneuert werden. „Die Wartezeit vor dem Computer müssen wir noch länger ertragen“, sagt Abraham.

Am Personal wird nicht gesparrt

Ein Tabupunkt gibt es trotz Geldsorgen für Abraham: „Am Personal will ich nicht sparen.“ Selbst während der beiden Lockdowns blieben sie weiter beschäftigt. „Ein schönes Signal, dass wir weitermachen und für jeden da sind“, so Abraham. 25 Angestellte arbeiten für die Fami. Sie leisten unter anderem Familien-, Schuldner- und Demenzberatung, organisieren das Kurs- und Bildungsprogramm oder kochen für das Familiencafé. Auch Kindertagespflege und Ersatzpflegekräfte gehören zum Leistungsspektrum. Hinzukommen viele ehrenamtlichen Helfer, die beispielsweise als Gastgeber im Familiencafé helfen oder Einkaufsservice und Fahrdienste für Senioren leisten. Der Verein ist nicht nur in Altkötzschenbroda tätig.

Der ein oder andere Kursbeitrag hat sich leicht erhöht. Den Kostenbeitrag für das Mittagessen will Abraham aber nicht anheben. Er rechnet vor: „Eine Erhöhung um einen Euro bedeuten rund 20 Euro pro Monat oder sind 240 Euro im Jahr.“ Für eine Familie mit geringem Einkommen oder einem Ruheständler mit niedriger Rente sei dies viel Geld. Das Familienzentrum steht jedoch für jeden offen, unabhängig von der Brieftasche. Daher bittet die Fami weiterhin um Spenden, auch die Möglichkeit für eine Fördermitgliedschaft besteht.

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Das Kursprogramm deckt alle Lebensphasen einer Familie ab. Es fängt bei der Geburtsvorbereitung an. Gefragt ist laut Anja Schenkel, Sprecherin der Fami, seit Jahren das Prager-Eltern-Kind-Programm, bei dem junge Mütter und Väter im ersten Jahr mit ihrem Baby begleitet werden. Auch während der Pubertät ihrer Teenager können sich Eltern Tipps im Familienzentrum holen und Kinder Rat, wenn Papa und Mama im Alter körperlich und geistig abbauen und ein Pflegefall werden.

Spendenkonto: Familieninitiative Radebeul e.V.; IBAN: DE15 8502 0500 0000 0014 45; SWIFT-BIC: BFSWDE33DRE

www.familienzentrum-radebeul.de

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