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Die musikalische Seele der Lutherkirche

Das Gotteshaus hat Gottfried Trepte zu einem angesehenen Konzertraum gemacht. Dafür gibt es den Kunstpreis der Stadt.

Gottfried Trepte steht an seinem Instrument. Die Pfeifen der Orgel der Lutherkirche bringt der Kantor und Kirchenmusikdirektor bei Gottesdiensten sowie bei Konzerten als Solist oder mit seinen Chören zum Klingen.
Gottfried Trepte steht an seinem Instrument. Die Pfeifen der Orgel der Lutherkirche bringt der Kantor und Kirchenmusikdirektor bei Gottesdiensten sowie bei Konzerten als Solist oder mit seinen Chören zum Klingen. © Arvid Müller

Radebeul. Oratorien nicht nur in der Weihnachtszeit, Kantaten und Sinfonien, Orgel- und Chormusik zu Gottesdiensten und bei Konzerten - das Spektrum an Musik, das regelmäßig in der Radebeuler Lutherkirche erklingt, ist sehr breit. Dass das Gotteshaus immer wieder als Spielstätte dient, ist seit fast drei Jahrzehnten mit ein besonderes Verdienst von Kantor und Kirchenmusikdirektor Gottfried Trepte. „In Radebeul gibt es eine sehr schöne Zusammenarbeit der Kulturszene. Die Kirchen machen nicht nur ihrs, sondern stehen offen für alle, bieten Musik an und geben Musikern die Möglichkeit zum Auftritt“, sagt der 64-Jährige. Dieser Aspekt ist ihm bei seiner Arbeit sehr wichtig.

Die Lutherkirche ist als Konzertraum über die Gemeinde- und Stadtgrenze hinaus bekannt, was Trepte zu verdanken ist. Für seine weit über die gottesdienstliche Arbeit hinausreichende musikalische Wirksamkeit in Radebeul würdigt und ehrt ihn die Stadt. Am Sonnabend bekam Trepte den Radebeuler Kunstpreis verliehen.

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Seit 27 Jahren in Radebeul als Kantor tätig

In zwei Wochen jährt sich am 1. November zum 27. Mal, dass der 1956 in Radeberg Geborene die Stelle des Kantors bei der Lutherkirchgemeinde antrat. Er nennt es eine Fügung des Schicksals und verweist auf die lange Tradition von Kirchenmusik in der Lößnitzstadt. Sie habe in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts begonnen und spiele eine gewichtige Rolle sowohl in der Lutherkirche in Radebeul-Ost als auch in der Friedenskirche in Radebeul-West. Chöre wurden gegründet, die nicht nur während des Gottesdienstes sangen, sondern auch Oratorien und Konzerte boten. „Meine Vorgänger haben schon viel geleistet. Ich habe diese Tradition fortgeführt“, gibt sich Trepte bescheiden.

Aufgewachsen ist der frischgebackene Kunstpreisträger im Radeberger Land, konkret in Seifersdorf, als zweites von sechs Kindern. Mit Musik kam er schon früh in Berührung, zum einen durch das Erlernen des Klavierspielens und zum anderen durch die regelmäßigen Besuche des sonntäglichen Gottesdienstes. Seine musikalische Begabung erkannten sein Vater und Musiklehrer an der Grundschule und förderten diese. 

Nach der dritten Klasse ist er nicht zuletzt durch ihre Vermittlung zum Dresdner Kreuzchor gewechselt. Neun Jahre lang war er ab 1966 Kruzianer. Viereinhalb Jahre hat er unter dem langjährigen Kreuzkantor Rudolf Mauersberger gesungen, zu dessen Eleven unter anderem die internationalbekannten Sänger Theo Adam und Peter Schreier zählen.

Neun Jahre im Kreuzchor gesungen und musiziert

Die Zeit am Kreuzchor hat Trepte für sein Leben geprägt. Das betrifft nicht nur den Unterricht in Gesang und Instrumenten. So kann er neben allen Tasteninstrumenten wie Klavier, Cembalo und Orgel auch Posaune spielen. Das sonntägliche Singen im Gottesdienst und die Erfahrung mit den liturgischen Abläufen ließen in Trepte bereits in der Oberstufenzeit den Entschluss reifen, Kirchenmusiker zu werden.

Mit dem Abitur in der Tasche begann er 1975 ein Studium an der Hochschule für Kirchenmusik in Dresden, musste dieses aber nach kurzer Zeit wieder unterbrechen. „Ich wurde zu den bewaffneten Organen der DDR eingezogen“, erinnert sich Trepte. 

Nach dem Wehrdienst bei der Nationalen Volksarmee nahm er sein Kirchenmusikstudium in der sächsischen Landeshauptstadt 1977 wieder auf, welches er mit einem einjährigen Zwischenaufenthalt in Halle an der Saale 1981 erfolgreich beendet hat. In dieser Zeit lernte er seine Frau kennen, die er im Jahr seines Hochschulabschlusses geheiratete. Drei Söhne sind aus der glücklichen Ehe hervorgegangen.

Lebt seit 2000 mit Familie in Radebeul

Mit anderen gemeinsam zu singen und zu musizieren, ist für Trepte eine Leidenschaft. „Mein Beruf ist geprägt von der Arbeit mit Menschen allen Alters. Das fesselt mich“, sagt der Sport- und Dynamofan sowie passionierte Skatspieler. Der Wunsch, einen Chor zu leiten, hat ihn 1993 als Kantor nach Radebeul geführt, wo er seit dem Jahr 2000 nicht nur arbeitet, sondern mit seiner Familie auch lebt.

Bei einem Vokalensemble ist es nicht geblieben. Der gemeinsame Gesang bei Proben und Auftritten fängt in der Lutherkirchgemeinde mit der musikalischen Früherziehung an, geht über Lutherspatzen und Kurrende weiter, hört bei der Luther-Kantorei, die ihr 130-jähriges Bestehen feiert, nicht auf. Es gehören noch ein Kammerchor und Posaunenchor dazu. Diese leitet Trepte alle selbst. 

Ein Chor für Popularmusik sowie Projekte bei Instrumentalensembles runden das musikalische Gemeindeleben ab - zumindest in normalen Zeiten. Durch die Corona-Pandemie „ist der Gesang leider ausgebremst. Das raubt uns etwas Lebenselixier“, meint Trepte. Aber er ist zuversichtlich und hoffnungsvoll, dass wieder bessere Zeiten kommen.

Für Bau des Gemeindezentrums eingesetzt

Bis September 2018 war es mit den Proben nicht immer einfach, erinnert sich Trepte. Denn der Kirchgemeinde in Ost fehlte bis dato ein Gemeindezentrum wie das Lutherhaus in West. So mussten immer wieder Räumlichkeiten gesucht werden. Das hat sich mit der Eröffnung des modernen Gemeindehauses direkt neben der Kirche vor zwei Jahren zum Positiven gewandelt. Für dessen Bau hat sich Trepte mit starkgemacht. Dort gibt es ausreichend Platz für das Gemeinde- und Musikleben.

Den Grundstock für die Musikvermittlung hat Trepte während seiner ersten Kantorstelle in der Dresdner Innenstadt von 1981 bis 1986 gelegt. Während dieser Jahre absolvierte er ein Fernstudium in Gesangspädagogik, was er mit einem Diplom abschloss. Danach zog es ihn erst einmal in die Freiberuflichkeit. Trepte war ab 1986 für sieben Jahre Ensemblemitglied der Dresdner Vocalisten.

Zwischen 100 und 120 Auftritte hatten wir im Jahr“, erinnert er sich. Diese führten ihn auch in andere Länder sowie hinter den Eisernen Vorhang nach Westdeutschland. „So konnte ich über den Tellerrand sehen“, womit er nicht nur den musikalischen Bereich meint. „Die Kirchenmusik hatte ich auch in dieser Zeit immer im Blick gehabt“, betont er.

Kirchenmusikdirektor seit 2004

Der Kirchenmusik widmet sich Trepte wieder voll und ganz seit seinem Dienstantritt als Kantor in Radebeul. Seit 2004 ist er zudem noch Kirchenmusikdirektor für den Kirchenbezirk Dresden-Nord. Hier ist er Ansprechpartner und Berater von 15 festangestellten und über 100 ehrenamtlichen Kantorkollegen.

Seine Kirchgemeinde steht vor einer neuen Schwelle. Ab kommendem Jahr bildet sie mit den Gemeinden Radebeul-Frieden, Reichenberg und Moritzburg ein Kirchspiel, eine organisatorische Struktureinheit. „Das bietet uns die Chance, die Kirchenmusik mit einfließen zu lassen“, meint Trepte. Die musikalische Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen soll ihren gebührenden Platz behalten und mit den anderen Gemeinden neue Verbindungen eingehen.

Trepte hat noch einen weiteren Wunsch. In der zweiten Hälfte des Jahres 2022 geht er in den Ruhestand: „Auch danach soll die Kirchenmusik in Radebeul lebendig bleiben, sowohl in der Stadt als auch darüber hinaus wahrgenommen werden“ - so wie bisher dank seines unermüdlichen Einsatzes.

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