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Die Radebeuler Meierei als Lied und Video

Musiker Christian Herzog steht seit 1968 auf der Bühne, war Mitbegründer der Band „INDEX“ und verarbeitet heute noch seine Heimat-Historie musikalisch.

In seinem Musikzimmer in Radebeul schreibt und übt Christian Herzog seine Lieder. Auch im Alter von 70 Jahren ist der Musiker noch technikbegeistert und immer noch auf der Suche nach neuer Inspiration.
In seinem Musikzimmer in Radebeul schreibt und übt Christian Herzog seine Lieder. Auch im Alter von 70 Jahren ist der Musiker noch technikbegeistert und immer noch auf der Suche nach neuer Inspiration. © Norbert Millauer

Von Julian Wolf

Radebeul. Im Frühjahr dieses Jahres veröffentlichte der Radebeuler Sänger und Gitarrist Christian Herzog ein Lied mit dem Titel „Die Meierei“ auf der Internet-Plattform Youtube. Drei Minuten und zehn Sekunden lang, geht es um die schon seit circa 1900 bekannte Tanz- und Ausflugsgaststätte Meierei - heute ein Wohnhaus.

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Das Haus in der Lößnitzgrundstraße erfreute sich in den 1960er Jahren dank ihres sogenannten Tanztees besonderer Beliebtheit. Wie es damals war, erzählt Christian Herzog im Lied. Dabei ist es nicht der einzige Song, den der inzwischen 70-Jährige, der unter seinem Spitznamen „Spencer“ auftritt, über seine Heimatstadt geschrieben hat. Auch „Der Radebeuler Mühlensong“, ein Stück über Karl May, über Kötzschenbroda sowie der „Oberlößnitz Blues“ gehören zu seinem Repertoire.

Erzählen, wie es früher einmal war

Sein neustes Stück sticht dabei heraus. Ganz bildlich beschreibt er in seinem Lied die Meierei und seine Erfahrungen beim Tanztee. Schließt man einmal die Augen, kann man sich gut in die damalige Zeit zurückversetzen und meinen, förmlich dabei gewesen zu sein. Eine herausragende Leistung, ist es sehr schwer, ein Bild im Kopf des Zuhörers durch seinen Text zu erzeugen. Sicherlich hilft es, dass Christian Herzog das Lokal schon seit seiner Kindheit kennt, sein Schulball von der ehemaligen erweiterten Oberschule Luisenstift dort stattfand, wo er auch einmal einen kurzen Auftritt als Schülerband hatte. Er besuchte auch ab und zu am Sonntag den Tanztee und ließ sich dabei das ein oder andere Bier gut schmecken. Ein eher trauriger Gedankengang führte dazu, über die Meierei letztendlich zu schreiben.

„Ich bin ein leidenschaftlicher Spaziergänger und lief an der Meierei vorbei“, sagt Christian Herzog. „Ich bedauere es sehr, dass so eine schöne und attraktive Lokalität nicht mehr als Veranstaltungsort dient. Wie es früher einmal war, wollte ich meinem Publikum erzählen.“ Der Lockdown war der richtige Zeitpunkt, um etwas mehr von der Heimat-Historie musikalisch aufzuarbeiten. Alte Lieder hat „Spencer“ überarbeitet und auch neue kamen hinzu. Dabei spielte der Radebeuler Musiker alle Instrumente selber in seinem Heimstudio ein.

Melodie selbst arrangiert

Neben sämtlichen Gesangsstimmen, Schlagzeug und Bass-Gitarre, hört man auch eine Orgel und Streicher im Song „Die Meierei“. Diese Arrangements wurden jedoch weder von einem Orchester oder einem Organisten, sondern auf der Gitarre gespielt. „Mit Effektgeräten schaffe ich es, meine akustische Gitarre zum Beispiel wie eine Hammond-Orgel oder Streicher klingen zu lassen“, erklärt Christian Herzog. „Auch in meinem Alter interessiert mich Technik und Innovation. Nostalgie im Text ist schön, aber der Klang muss modern sein. Die Hörgewohnheiten haben sich über die Jahre hin sowieso ziemlich stark verändert.“

Produziert wurden die Aufnahmen von seinem Freund Karsten Streck aus Solingen, den er in seiner Tätigkeit als Medizintechniker kennengelernt hat. Ganz gemütlich und ohne kommerziellen Druck arbeitet Christian Herzog nun an seinen Liedern. Mit seinem Solo-Programm „Spencer Unplugged“ tritt der Radebeuler unter anderem in Weingütern und Besenwirtschaften wie Haus Steinbach, Jägerhof oder Neufriedstein auf. Solange es körperlich geht, will der 70-Jährige weiter live auftreten und auch „Die Meierei“ in diesem Jahr seinen Zuhörern vorstellen. Auch im Duo „Spencer & Co.“ spielt Christian Herzog mit seinem Freund und ehemaligem INDEX-Mitglied Dietmar Reichelt (Gitarre, Gesang, Violine) zusammen. Im Vergleich zu früher lässt Christian Herzog es ruhig angehen.

Hervorragendes Amateur-Tanzorchester der DDR

Von 1970 bis 1989 war der Radebeuler als Gründungsmitglied der Band „INDEX“ überregional bekannt. Zehn Titel wurden für den DDR-Rundfunk produziert, sechs weitere in Privatstudios. Im Rocklexikon der DDR findet Christian Herzog seinen Namen wieder und die erweiterte Ausgabe des „Beatlexikons Rock“ bezeichnete seine ehemalige Band als ein „hervorragendes Amateur-Tanzorchester der DDR“. Viel hat sich seitdem geändert, doch der Rock- und Folk-Musik sowie ihrer Instrumentierung ist Christian Herzog treu geblieben. Seine Verwendung volkstümlicher Instrumente wie Violine, Mundharmonika, Akkordeon und Akustikgitarre wurde bereits 1983 bei INDEX gelobt und kommt heute immer noch gut bei den Leuten an.

Das Historische mit dem Modernen zu verbinden, ist eine große Herausforderung, die der Radebeuler seit inzwischen 53 Jahren wunderbar meistert.

Link zum Lied: https://www.youtube.com/watch?v=KQvqRf7qgS8

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