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Drei Radebeuler testen in der Freizeit auf dem Anger

Damit es täglich in Altkötzschenbroda die Möglichkeit für Coronatests gibt, gründeten Anwohner ein Testzentrum. Nach einem Einbruch schmieden sie neue Pläne.

Von Silvio Kuhnert
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Lucas Garte (l.) und Michael Becker haben das Testzentrum Human Safe auf dem Dorfanger Altkötzschenbroda aufgebaut und betreiben es neben Job und Familie in den frühen Morgen- und in den Abendstunden.
Lucas Garte (l.) und Michael Becker haben das Testzentrum Human Safe auf dem Dorfanger Altkötzschenbroda aufgebaut und betreiben es neben Job und Familie in den frühen Morgen- und in den Abendstunden. © Norbert Millauer

Radebeul. Unter die Frühaufsteher sind die Radebeuler Michael Becker und Lucas Garte gegangen. Wochentags um 5.30 Uhr hängen sie das blau leuchtende Schild an das weiße Zelt auf dem Dorfanger Altkötzschenbroda. "Geöffnet" steht darauf. An manchen Tagen stehen Menschen draußen bereits Schlange. Denn sie benötigen einen Coronatest.

Schnell- oder PCR-Labortests - all das bieten die beiden Männer, unterstützt von Beckers Ehefrau, in den Morgenstunden bis 7.15 Uhr an. Dann schließen sie ihr Testzentrum, gehen ihren eigentlichen Jobs nach - so ist Michael Becker im IT-Bereich tätig -, um nach Feierabend erneut in ihrem Testzentrum zu stehen. Denn auch in den Abendstunden bietet das Trio Coronatests an. Und das nicht nur von Montag bis Freitag, sondern auch an den Wochenenden. Seit Mitte November arbeiten die drei Radebeuler in ihrer Freizeit als Tester.

Bis November kein Testzentrum in der Nähe

Die Idee zu dem Testzentrum mitten auf dem Anger ist ihnen im Spätsommer vorigen Jahres gekommen. "Wir waren im Urlaub und dort wurde 2G, teilweise sogar 2Gplus verlangt", berichtet Becker. Als sie aus Italien zurück wieder zu Hause im sächsischen Nizza waren, nahmen die Bereiche, in denen die 3G-Regelung galt, immer mehr zu. So müssen beispielsweise Nutzer von Bus und Bahn den Nachweis erbringen, dass sie geimpft, genesen oder getestet sind. Seit einiger Zeit ist zudem ein tagesaktueller negativer Corona-Test am Arbeitsplatz erforderlich, wenn man sich nicht hat Piksen lassen oder eine Infektion überstanden hat.

Im Herbst vorigen Jahres gab es die Testzentren in Schloss Wackerbarth, im Krokofit und den Landesbühnen nur. Auch einige Apotheken boten Schnelltests an. "Aber für uns Anwohner am Dorfanger gab es nichts in der Nähe", sagt Becker, was in den Morgenstunden vor Arbeitsbeginn schnell und fußläufig erreichbar war. Wer nicht mobil sei, also über ein Auto verfüge, habe quasi auf dem Trockenen gesessen. "Daher fragten wir bei der Stadtverwaltung nach, ob ein Testcenter am Anger geplant sei", berichtet Becker. Die Antwort aus dem Rathaus lautete nein.

Material war schwer zu besorgen

Daraufhin beschlossen Familie Becker und Lucas Garte, selbst ein Testzentrum aufzubauen. "Ich habe mich bereits im Jahr 2020 zum Tester ausbilden lassen", erzählt Michael Becker. Dadurch brachte er gewisse Kenntnisse mit. Dennoch war einerseits ein Behördenritt erforderlich. Für das Betreiben eines Centers sind etliche Genehmigungen erforderlich, unter anderem vom Gesundheits- und Katastrophenschutzamt oder der Kassenärztlichen Vereinigung. Andererseits benötigten sie Material. Es fängt bei FFP2-Masken, Schutzkleidung und Desinfektionsmittel an, geht über ausschließlich in Deutschland und der EU zugelassene Testkits weiter, bis hin zur EDV-Technik, um das Testergebnis als europaweit gültiges und anerkanntes Zertifikat ausdrucken zu lassen, oder es den getesteten Personen in digitaler Form zu senden. "An das Material war sehr schwer heranzukommen", sagt Lucas Garte.

Als Problem stellte sich auch heraus, einen Raum für die Teststrecke zu finden. Weil es keine Räumlichkeiten gab, entschied sich das Freizeit-Testteam für das Zelt. Mitte November waren alle Genehmigungen eingeholt. Die Drei konnten mit ihrem Testzentrum starten. Einen fünfstelligen Betrag nahmen sie für den Aufbau in die Hand.

Diebe kamen in der Silvesternacht

Familie Becker und Lucas Garte mussten auch mit einigen Widrigkeiten kämpfen. Ihr erstes Zelt wurde beim Herbststurm zerstört. Das THW half ihnen und sorgte für Ersatz. In der Silvesternacht suchten Langfinger ihr Testzelt auf, schnitten eine Wand auf und stahlen daraus PC-Lautsprecher und eine Leuchtreklame. Seither bauen sie ihr gesamtes Equipment ab, wenn sie ihr Testzentrum schließen. Das Zelt ist dann leer. Entsprechend müssen sie vor ihrem Testdienst jeden Morgen und jeden Nachmittag, alles wieder aufbauen. So stehen sie in der Frühe schon um 5 Uhr im Zelt.

Damit Diebe nicht wieder auf den Gedanken kommen, erneut in das Zelt einzubrechen, schauen sich Becker und Garte nach einer festen und sicheren Behausung um. Die Planen wollen sie durch Container ersetzen. Dafür wird erneut eine Investition im fünfstelligen Bereich erforderlich. Um auch etwas Freizeit wieder zurückzubekommen, suchen sie Verstärkung. In der kommenden Woche beginnt der erste Angestellte mit seiner Schicht.

Keine zwei Wochen war ihr Testzelt in Betrieb, da eröffnete die Stadtbäder und Freizeitanlagen GmbH in der Elbsporthalle ein Testzentrum - ein 100-prozentiges Unternehmen der Stadt. Aus dem Rathaus hieß es zuvor, dass keine Testcenter in der Nähe des Angers in Planung seien. "Schade, wie mit dem Engagement von Bürgern umgegangen wird", sagt Michael Becker und hebt einen Vorteil ihres Centers hervor: "Wir sind barrierefrei."

Testzentrum Human Safe, Altkötzschenbroda Höhe Hausnummer 45, Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 5.30 bis 7.15 Uhr sowie von 17 bis 19 Uhr; Samstag 11 Uhr bis 13 Uhr und 17 bis 19 Uhr; Sonntag 17 bis 19 Uhr.

www.human-safe.de