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Drei Viertel der Radler fühlen sich gefährdet

Der ADFC hat das Fahrradklima in Radebeul erneut abgefragt. Von den 214 Teilnehmern gibt es wie 2018 eine schlechte Gesamtnote.

Der Radebeuler ADFC-Sprecher Thomas Weist dreht mit einem Lastenrad eine Runde auf dem Hörningplatz. Das Gefährt kann man ausleihen.
Der Radebeuler ADFC-Sprecher Thomas Weist dreht mit einem Lastenrad eine Runde auf dem Hörningplatz. Das Gefährt kann man ausleihen. © Norbert Millauer

Radebeul. Radwege, die plötzlich vor einer Straßenbahnhaltestelle enden, wie auf der Meißner Straße, macht Thomas Weist als ein großes Problem in Radebeul aus. „Es ist keine Durchgängigkeit bei der Wegeführung zu erkennen“, beklagt der Sprecher der Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Daher steht nicht nur bei den rund 80 Mitgliedern ein sinn- und wirkungsvolles Radwegekonzept, was durch die Stadt erstellt und zeitnah umgesetzt wird, auf der Wunschliste ganz oben.

Das Sicherheitsgefühl bewerten Radfahrer in der Lößnitzstadt als kritisch. 74 Prozent sehen sich im Straßenverkehr auf dem Rad gefährdet. Und über die Hälfte fühlt sich gestresst, wenn sie mit dem Drahtesel auf den Straßen unterwegs ist. Das ist ein Ergebnis des Fahrradklima-Tests 2020. Aller zwei Jahre fragt der ADFC seit 2012 ab, wie fahrradfreundlich Kommunen in Deutschland sind. Bei der nach eigenen Angaben größten Umfrage zum Fahrradklima weltweit haben sich zwischen September und November vorigen Jahres 214 Radebeuler beteiligt, in Sachsen waren es über 11.000 und deutschlandweit sogar fast 230.000, wie Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen, informiert. Nun liegt das Ergebnis der Umfrage vor.

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Schulnoten von 1 bis 6

Auf 27 Fragen konnten die Teilnehmer Schulnoten von 1 für fahrradfreundlich bis 6 für nicht fahrradfreundlich vergeben. Radebeul kommt auf eine Gesamtbewertung der Fahrradsituation von 4,0. Das ist die gleiche Note wie 2018. Mit diesem Wert liegt Radebeul bei der neuen Umfrage etwas schlechter als der bundesweite Durchschnitt und nimmt Rang 9 von 19 der sächsischen Städte vergleichbarer Größe mit 20.000 bis 50.000 Einwohner ein.

Hat sich in Sachen Radverkehr nichts verbessert? Sowohl Krause als auch Weist können nach Auswertung der Umfrage von zwei positiven Entwicklungen berichten. So finden 70 Prozent der Befragten, dass in Radebeul Menschen aller Altersklassen gut mit dem Rad unterwegs sein können, eine Verbesserung im Vergleich zum Fahrradklima-Test vor zwei Jahren. „Das Stadtzentrum ist gut erreichbar und Fahrräder können in Bus und Bahn mitgenommen werden“, lobt Weist.

Des Weiteren haben die Umfrageteilnehmer als positiv bewertet, dass es in der Lößnitzstadt wenig Fahrraddiebstähle gibt. Nur 36 Prozent kreuzten an, dass häufig gestohlene Fahrräder ein Problem seien. Sachsenweit liegt dieser Wert bei 65 Prozent. Im sachsenweiten Ranking belegt Radebeul bei diesem Bewertungskriterium Platz 3 von 19.

Auf Höhe der Haltestellen gibt es auf der Meißner Straße für Radfahrer keinen Schutzstreifen. Eigentlich müssten die Autos dahinter bleiben, doch an den Mindestabstand halten sich die wenigsten.
Auf Höhe der Haltestellen gibt es auf der Meißner Straße für Radfahrer keinen Schutzstreifen. Eigentlich müssten die Autos dahinter bleiben, doch an den Mindestabstand halten sich die wenigsten. © Arvid Müller

Kraftfahrer nehmen Pedalrittern die Vorfahrt

Schlusslicht ist die Lößnitzstadt dagegen bei Autos, die Radwege blockieren. „Als sehr negativ wurde bewertet, dass parkende Fahrzeuge von der Stadt auf Radstreifen geduldet werden“, berichtet Weist. Er fordert mehr Kontrollen und Engagement durch den Gemeindevollzugsdienst, der Ortspolizeibehörde. „Dieser Punkt wurde bereits beim Fahrradklima-Test 2018 angemahnt“, sagt Weist. Doch bislang hat sich nichts verbessert. Ein von Falschparkern zugestellter Radstreifen gefährdet die Pedalritter.

Wogegen die Stadt nichts weiter unternehmen kann, aber jeder Kraftfahrer aufgerufen ist, seinen eigenen Fahrstil zu hinterfragen, ist das Verhalten gegenüber Radlern. Laut Weist wird das Konfliktpotenzial zwischen beiden Verkehrsteilnehmern schlechter bewertet als vor zwei Jahren. Seiner Erfahrung nach gibt es viele kleine, enge und bergige Straßen im Stadtgebiet, bei denen rechts vor links gilt. Und diese Vorfahrtsregel werde von vielen Autofahrern missachtet, wenn ein Radfahrer von rechts kommt. Zudem werden sie von Fahrzeugen überholt, ohne dass der Mindestabstand von 1,50 Metern eingehalten wird.

Um Kraftfahrer für dieses Thema zu sensibilisieren, hat die ADFC-Ortsgruppe gemeinsam mit der Stadtverwaltung reichlich ein Dutzend Schilder zur Aufklärung am Straßenrand angebracht. Sie sind unter anderem entlang der Kötzschenbrodaer, Moritzburger und Pestalozzistraße zu finden.

Radstreifen sind zu schmal

Als schlecht wurde erneut der Zustand von Radwegen und Radstreifen bewertet. „Sie sind zu schmal“, sagt Weist. Im Vergleich mit anderen sächsischen Kommunen ähnlicher Größe nimmt Radebeul bei dieser Frage den 15. von 19 Plätzen ein. Leicht verbessert hat sich dagegen die Beurteilung des Winterdienstes auf den Radwegen. Aber auch hier besteht laut Weist Aufholbedarf.

Mit fünf zusätzlichen Fragen wurde beim Fahrradklima-Test 2020 ein besonderer Fokus auf dem Zusammenhang zwischen der Pandemie-Situation und dem Radverkehr gelegt. Danach hat das Fahrrad mit der Corona-Pandemie als Verkehrsmittel an Bedeutung gewonnen. 68 Prozent der Umfrageteilnehmer aus Radebeul bestätigten diese Tendenz. 49 Prozent der Befragten gaben an, während der Corona-Pandemie mit dem Rad neue Ziele in der Umgebung entdeckt zu haben.

„Beim Fahrradboom der letzten Jahre handelt es sich um einen anhaltenden Trend, den die Pandemie im vergangenen Jahr zusätzlich verstärkt hat. Kommunalpolitiker und Stadtverwaltung müssen jetzt aktiv werden und bei der Förderung des Radverkehrs einen Gang hochschalten“, meint Sachsens ADFC-Geschäftsführer Krause. Die Menschen wollen mehr Wege mit dem Rad zurücklegen. „Doch das tun sie nur, wenn sichere Wege und durchgehende Radnetze ihnen das ermöglichen“, so Krause weiter.

Freistaat will beim Radwegebau sparen

Mit Sorge blickt er auf die Pläne des sächsischen Verkehrsministers Martin Dulig (SPD). „Dieser will jetzt den Städten und Gemeinden den Geldhahn zudrehen“, sagt Krause. Der Haushaltsentwurf der sächsischen Staatsregierung sieht eine Reduzierung von Mitteln zum Ausbau kommunaler Radwegenetze von 11,7 Millionen Euro im Jahr 2020 auf rund 2,4 Millionen Euro ab 2021 vor. Der ADFC setzt große Hoffnungen darauf, dass die Landtagsabgeordneten der Regierungsparteien von CDU, Grünen und SPD dies in letzter Sekunde noch korrigieren.

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Die ADFC-Ortsgruppe Radebeul bietet ein Lastenfahrrad kostenlos zur Ausleihe an. Jedoch fehlt derzeit eine Abholstation. Ein Geschäftsinhaber, wie zum Beispiel Bäcker oder Blumenladen, der diese Funktion übernehmen möchte, soll sich per E-Mail an
[email protected] melden.

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