merken
PLUS Radebeul

Drohen höhere Abwasserpreise wegen Kanalbaus?

In Radebeul müssen noch viele Rohre im Stadtgebiet erneuert werden. Wie man dies finanzieren will, dazu äußerte sich nun das Stadtoberhaupt.

So wie der im Jahr 2013 auf der Kreuzung Bahnhofstraße, Wilhelm-Eichler-Straße neu gebaute Abwasserschacht warten unter den Nebenstraßen noch ziemlich dicke Rohre in großer Tiefe auf eine Erneuerung.
So wie der im Jahr 2013 auf der Kreuzung Bahnhofstraße, Wilhelm-Eichler-Straße neu gebaute Abwasserschacht warten unter den Nebenstraßen noch ziemlich dicke Rohre in großer Tiefe auf eine Erneuerung. © Norbert Millauer

Radebeul steht eine Mammutaufgabe bevor, schrieb Sächsische.de im Februar dieses Jahres, nachdem Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) im Stadtrat über den Zustand des Kanalnetzes berichtet hatte. Vor allem beim Abwasser sind unter den Nebenstraßen in den Villengebieten viele Rohre veraltet. Rund zwei Drittel des Radebeuler Kanalnetzes wurde in der Zeit vor 1940 verlegt. Die Abwasserleitungen liegen also über 80 Jahre im Erdreich und kommen damit an das Ende ihrer Lebensdauer.

Anzeige
Banksy erobert Dresden
Banksy erobert Dresden

Die Ausstellung „The Mystery of Banksy – A Genius Mind“ gibt einen umfassenden Überblick und Einblick in das Gesamtwerk des Genies und Ausnahmekünstlers.

Daher will die Lößnitzstadt zusammen mit ihrem Tochterunternehmen, der Wasserversorgung und Stadtentwässerung Radebeul GmbH (WSR), sich auf den Weg machen, die Kanäle zusammen mit den Trinkwasserleitungen und dem Asphalt im Nebenstraßennetz nach und nach zu erneuern. Hierfür möchten sie den Zustand der Rohre untersuchen, um ein Konzept zu erstellen, damit sie wissen, wo sie anfangen müssen, um danach Straßenzug um Straßenzug nach Dringlichkeit abzuarbeiten.

Investitionen werden über Abwassergebühren gestemmt

Wenn die Kanalsanierung in 25 Jahren abgeschlossen sein soll, dann müssten jährlich Abwasserrohre auf über drei Kilometer Länge ausgetauscht werden, informierte OB Wendsche. Das ist praktisch kaum zu schaffen. Denn die Kanäle sind ziemlich groß und liegen sehr tief in der Erde.

Auch wenn nicht so viel Rohr in einem Jahr erneuert werden kann, kommt die Stadt um die Aufgabe nicht herum. Das lässt alle Gebührenzahler aufhorchen. Denn die Investitionen kosten. Und das Geld dafür kommt über den Abwasserpreis zusammen, den jeder Hauseigentümer und Mieter zahlen muss. Vor rund zehn Jahren gab es beispielsweise einen Aufschrei elbaufwärts, als die Stadtwerke Pirna einen Investitionsplan vorlegten, der einen drastischen Anstieg der Abwassergebühren zur Folge hatte. Die Pirnaer liefen Sturm und schalteten die Kartellbehörde ein – mit Erfolg. Die Stadtwerke mussten die Gebührenerhöhung zurücknehmen und die Ausbaupläne des Kanalnetzes über einen längeren Zeitraum strecken.

WSR erwirtschaftet im Schnitt fünf Millionen Euro im Jahr

Dieses Szenario wird sich in Radebeul nicht wiederholen, wie eine Anfrage von AfD-Stadtrat Johannes Albert ergab. Der Kommunalpolitiker fragte bei Oberbürgermeister Wendsche nach, welche finanzielle Belastungen auf die Radebeuler durch die bevorstehenden Investitionen in den Kanalbau zukommen.

Wie Rathauschef Wendsche antwortet, hat die WSR in den zurückliegenden vier Jahren im Schnitt jährlich rund fünf Millionen Euro für Bauvorhaben und den Abbau von Schulden erwirtschaftet. „Bei Bedarf können diese Mittel wie bisher auch mittels anteiliger Kreditfinanzierung ergänzt werden. Damit ist der notwendige Finanzmittelbedarf für die Sanierung aus dem laufenden Geschäft abgesichert“, so Wendsche. Der Oberbürgermeister stellt in seiner Antwort weiter klar: „Darüber hinausgehende Finanzbedarfe, die zu zusätzlichen Entgelterhöhungen führen würden, sind nicht absehbar.“

Kanalnetz ist 134,9 Kilometer lang

Bis zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden in Radebeul Abwasserleitungen mit einer Gesamtlänge von 108,4 Kilometer verlegt. Danach passierte 50 Jahre nicht viel. Gerade einmal um 0,6 Kilometer ist das Abwassernetz zu DDR-Zeiten gewachsen. Der Kanalbau nahm erst nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 wieder Fahrt auf. So kamen in den zurückliegenden drei Jahrzehnten rund 25,9 Kilometer neue Leitungen hinzu.

„In den 90er-Jahren wurde zuerst einmal der technische Anschluss der Stadt Radebeul an zentrale Kläranlagen realisiert, nämlich zum einen an jene in Dresden-Kaditz und zum anderen an jene in der heutigen Gemeinde Diera-Zehren“, berichtet Wendsche. Danach lag die Konzentration auf dem schrittweisen Ausbau des Hauptleitungsnetzes. Hinzu kamen nach großen Überschwemmungen 2002, 2006 und 2013 Maßnahmen des Hochwasserschutzes.

TV-Befahrung aller Nebenkanäle

Parallel musste für jedes Wohn- und Gewerbegrundstück eine Lösung für die Abwasserentsorgung gefunden werden. Der Großteil wurde ans zentrale Netz angebunden. Wo dies beispielsweise aus technischen Gründen nicht möglich war, mussten Hausbesitzer eine vollbiologische Kleinkläranlage bauen. Der Ausbau des zentralen Netzes wird in Kürze abgeschlossen. So werden derzeit im ersten Bauabschnitt erstmals Abwasserleitungen im Bereich Buchholz- und Amselweg in Radebeul-Lindenau verlegt. „Offen sind dann lediglich noch der dortige zweite Bauabschnitt sowie die Maßnahme Jägerhofstraße“, informiert Wendsche.

Nach dem Ausbau des Kanalnetzes und der Sanierung des Hauptleitungsnetzes rücken nun die Nebenleitungen in den Fokus. „Der erste Schritt wird hier die komplette Zustandserfassung mittels TV-Befahrung sein“, so Wendsche. Dies wird derzeit durch die WSR vorbereitet. Der Zustand der Rohre soll künftig turnusmäßig geprüft werden.

Weiterführende Artikel

Zwei Drittel des Abwassernetzes sind veraltet

Zwei Drittel des Abwassernetzes sind veraltet

Unter den Nebenstraßen von Radebeul liegen Abwasserrohre, die älter als 80 Jahre sind. Die Stadt will nun ein Konzept für die Sanierung erstellen.

Im Ergebnis werden die so gesammelten Daten mit denen der anderen Erhebungen, etwa zum Zustand von Trink- und Stromleitungen sowie Straßen, „übereinandergelegt“, um ein Gesamtinvestitionskonzept abzuleiten. Dieser Plan hat laut Oberbürgermeister Wendsche neben der Dringlichkeit auch die Gesamtwirtschaftlichkeit im Blick.

Mehr zum Thema Radebeul