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Eine Ära am Lößnitzgymnasium endet

Schulleiterin Angela Hartmann geht in den Ruhestand. Ihre Schüler vermissen schon jetzt ihr großes Herz.

Angela Hartmann hat 15 Jahre lang das Lößnitzgymnasium geleitet. Eines ihrer „Babys“, wie sie sagt, aus dieser Zeit ist das Biotop auf der Ostseite des Schulgrundstücks, in dem sie steht.
Angela Hartmann hat 15 Jahre lang das Lößnitzgymnasium geleitet. Eines ihrer „Babys“, wie sie sagt, aus dieser Zeit ist das Biotop auf der Ostseite des Schulgrundstücks, in dem sie steht. © Arvid Müller

Radebeul. Wenn Schüler extra eine Gruppe zur Verabschiedung ihrer Schulleiterin gründen, kann dies nur bedeuten, dass sie diese schmerzlich vermissen werden. Denn wäre dies nicht der Fall, würden sie wohl einfach nur die Korken knallen lassen und sich nicht die Mühe machen, Dankesbriefe zu schreiben und diese ihr auf den Schreibtisch zu legen. Die Briefe mit den lieben Worten findet derzeit jeden Morgen Angela Hartmann in ihrem Büro vor. Und mit jedem Feierabend naht der Tag, an dem sie das Lößnitzgymnasium in Radebeul verlässt und den Ruhestand antritt.

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Mit Schuljahresende nächste Woche geht eine Ära im Steinbach- und Pestalozzihaus, den beiden Standorten der Penne, zu Ende. 15 Jahre leitete die nun 64-Jährige die Geschicke des Gymnasiums mit dem Haupthaus an der Steinbachstraße. Dort ist gerade ein Anbau mit Treppenhaus und Lift am Entstehen. Die Baustelle nimmt einen Teil des Schulhofes in Besitz. Den Hof bezeichnet Hartmann als ihr „Baby“. Denn als sie am 18. Juli 2006 ihren Dienst in Radebeul antrat, „war der Schulhof wie ein Appellplatz, er bestand nur aus Schotter und einem Fahrradstellplatz“, erinnert sie sich.

Musische Bildung ist wichtig

Heute ist reichlich Grün vorzufinden. Ein gepflasterter Weg, mit von Schülern gestalteten Keramiksteinen durchzieht das Areal. Der sogenannte Weg des Wissens führt zum Biotop an der Ostseite. Dort ist auch ein grünes Klassenzimmer vorzufinden. „Früher waren die Schüler in den Hofpausen fast nur drinnen, nun sind sie viel draußen“, sagt Hartmann, deren Ideen in die Gestaltung einflossen und die zur Neukonzeption des Biotops, das einst total verwachsen und verwildert war, beitrug.

Der Schulhof ist nicht der einzige Fußabdruck, den Hartmann am Lößnitzgymnasium hinterlässt. Sie hat die drei Profile maßgeblich mitgeformt. Neben dem naturwissenschaftlichen und dem sprachlichen Profil (Latein) liegt ihr besonders das künstlerische am Herzen. „Musik bringt viel an Lebensqualität und für die Entwicklung der Kinder“, sagt die Lehrerin für Biologie und Chemie.

Das Lößnitzgymnasium bekommt derzeit einen Anbau mit Fluchttreppe und Fahrstuhl.
Das Lößnitzgymnasium bekommt derzeit einen Anbau mit Fluchttreppe und Fahrstuhl. © Norbert Millauer

Die Konzerte zu Weihnachten und im Frühling sind aus dem Veranstaltungskalender nicht wegzudenken, so wie auch Theateraufführungen. In der neunten Klasse nehmen ihre Eleven ein soziales Praktikum in Alten-, Pflegeheimen oder inklusiven Kitas auf. Zuvor lernen sie freies Arbeiten anhand von Projektunterricht als Fünft- und Sechstklässler. „Ein Alleinstellungsmerkmal unserer Schule“, meint Hartmann, die zudem Wert auf Lesekompetenz legt und diese mit speziellen Lesestunden fördert sowie fächerverbindenden Unterricht in speziellen Projektwochen initiiert. Des Weiteren pflegt ihre Schule den Jugendaustausch mit den Radebeuler Städtepartnern, Sierra Vista im US-Bundesstaat Arizona und Obuchiv in der Ukraine, sowie mit Frankreich.

Bewusste Entscheidung für das Lößnitzgymnasium

Auf 42 Dienstjahre blickt Hartmann, die im Ottendorf-Okrillaer Ortsteil Medingen wohnt, zurück, davon fast 30 in leitender Funktion. 1979 hat die Mutter zweier Töchter den Schuldienst in Sachsen-Anhalt begonnen. Im Jahr darauf kam sie nach Dresden und unterrichtete an einer Polytechnischen Oberschule im Stadtteil Johannstadt. Durch die Geburt ihrer Kinder kam es immer wieder zu Schulwechseln, bis sie 1988 aus politischen Gründen den Schuldienst quittierte. „Ich wollte Jungs nicht mehr überzeugen müssen, zur Nationalen Volksarme zu gehen.“

Hartmann gab ab dann stundenweise Unterricht an der Volkshochschule. Nach der politischen Wende gründete sie das Abendgymnasium in Dresden und baute es auf. „Neun Jahre habe ich es geleitet“, berichtet Hartmann. 2001 wechselte sie zur Schulaufsicht, war dort Referatsleiterin für Gymnasien. Als 2006 die Schulleiterstelle am Lößnitzgymnasium zur Ausschreibung stand, hat sie sich beworben. „Es war eine ganz bewusste Entscheidung, es hat mich hierhergezogen“, so Hartmann.

„Ich mag einfach die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen“, sagte sie vor 15 Jahren der SZ über ihre Rückkehr in den aktiven Schuldienst. Mit ihrem 53-köpfigen Kollegium begleitet sie rund 630 Jugendliche pro Jahr auf dem Weg des Erwachsenwerdens. Sie hat dabei immer den Fokus auf die Schulgemeinschaft gelegt, darauf, dass Schüler und Lehrer gut miteinander auskommen, Probleme nicht wegschieben und aussitzen, sondern ansprechen und lösen. Hartmann: „Ich bin stolz auf meine Lebensleistung, habe schwer dafür gearbeitet, dass ich das sagen kann.“

Immer ein netter Blick und freundlicher Gruß

Dass dieser Stolz nicht unbegründet ist, zeigt eine Würdigung durch ihre Schüler. „Als Leiterin einer Bildungseinrichtung zählt nicht nur die Fachkompetenz, sondern vor allem das Menschliche“, schreibt Pascal Meiß im Namen der Verabschiedungsgruppe in einer Würdigung. Die Lögys haben immer gespürt, dass ihrer Direktorin viel an ihnen liegt. „Nur einige Beispiele wären, dass sie nach den Ferien oder nach Wiederaufnahme des Schulbetriebes jede Klasse besuchte, um sich nach dem Wohlergehen zu erkundigen: Ein netter Blick um die Ecke und ein freundlicher Gruß ... Man war nicht nur Schüler X, Y – jede und jeder Einzelne lag ihr am Herzen“, so Meiß im Namen der Schülerschaft.

Im Ruhestand wird Hartmann am meisten ihre Schüler vermissen. Dennoch ist sie auch in Vorfreude auf den neuen Lebensabschnitt - auf die Freiheit, ohne Verantwortung für andere leben zu können. Gleichzeitig werde es für sie eine Herausforderung sein, nur noch Verantwortung für ihren Mann und sich tragen zu müssen. Mit ihm will sie nun im Wohnmobil reisen.

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