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Moritzburg: Oskar wartet auf Elli

Seit gut einer Woche hat das Wildgehege wieder einen Elch. Dass derzeit Besucher fehlen, stört den jungen Bullen sicher nicht. Möglicherweise aber etwas anderes.

Der junge Elch-Bulle hat sich schon ein bisschen in seinem neuen Zuhause im Wildgehege Moritzburg eingelebt. Nur Gesellschaft hat Oskar noch keine.
Der junge Elch-Bulle hat sich schon ein bisschen in seinem neuen Zuhause im Wildgehege Moritzburg eingelebt. Nur Gesellschaft hat Oskar noch keine. © Arvid Müller

Moritzburg. Oskar liegt in der tief stehenden Spätherbst-Sonne und wärmt sich sein dunkelbraunes glänzendes Fell. Ab und an dreht der dreijährige Elch-Bulle seinen Kopf etwas beiseite, gerade so, als wollte er schauen, was um ihn herum los ist. Viel passiert derzeit nicht. Denn auch das zum Sachsenforst gehörende Wildgehege musste wieder coronabedingt schließen.

Doch nicht nur die Besucher fehlen. Auch in der fünf Hektar großen Elchanlage ist es ziemlich einsam. Darum waren sich der Leiter des Wildgeheges Ronald Ennersch und Tierhalter Thomas Golz auch einig gewesen, dass Oskar nicht allein aus der Uckermark nach Sachsen kommen sollte. Geplant war, dass den in Lappland geborenen Elch-Mann Elli begleitet. Eine etwas ältere Elch-Kuh. Beide hatten bei Thomas Golz schon für Nachwuchs gesorgt. Und mit ein bisschen Glück hätte die Elch-Dame dem Wildgehege im Frühsommer nächsten Jahres sogar noch ein oder zwei Mini-Elche beschert. So der Plan.

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Doch es kam anderes. Nachdem Oskar bereits im Transportanhänger war, sollte auch Elli verladen werden. Dazu bekam sie eine Narkose. Plötzlich habe die Kuh jedoch angefangen zu husten. „Da habe ich ihr schnell ein Gegenmittel gespritzt, um sie aus der Narkose zurückzuholen“, erzählt Thomas Golz. Das habe funktioniert.

Allerdings geht es der Elch-Dame auch jetzt noch nicht wieder richtig gut, wie der Züchter auf Nachfrage der SZ sagte. „Sie ist noch nicht wieder die Alte.“ Das zeige sich an ihrem gesamten Verhalten. „Elli ist sehr ruhig, ja geradezu teilnahmslos.“

In diesem Zustand traue er sich nicht, sie noch einmal in Narkose zu legen, was immer ein Risiko darstelle. Und auch eine andere Möglichkeit komme für ihn derzeit nicht in Betracht: Elli in ein Fanggatter zu locken, aus dem sie dann allein in den Hänger laufen könnte. „Das wäre gegenwärtig zu viel Stress. Bevor ich nicht hundertprozentig das Gefühl habe, dass ihr ein Transport nicht schadet, bleibt Elli erst einmal hier“, ergänzt Thomas Golz. „Das Tierwohl ist mir auf jeden Fall wichtiger.“

Oskar lässt sich Blätter schmecken.
Oskar lässt sich Blätter schmecken. © Arvid Müller

Das sieht auch Ronald Ennersch nicht anderes. Musste das Wildgehege in den vergangenen Jahren doch einige herbe Rückschläge bei den imposanten Hirschen hinnehmen. Diese wirken durch ihre Größe zwar sehr robust, sind aber in ihrer Haltung sehr anspruchsvoll, unter anderem beim Futter.

„Die entstandene Situation ärgert mich sehr“, sagt Tierhalter Thomas Golz. „Elli hat sich so schön entwickelt, seit sie bei uns ist. Sie ist groß, kräftig und zutraulich geworden.“ Zudem würden Oskar und die Elch-Kuh sehr gut zusammenpassen. „Es wäre schade, wenn es nicht klappen würde, die beiden wieder zusammenzubringen.“

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Alleine bleiben soll der Elch-Bulle aber auf keinen Fall. „Da finden wir eine Lösung“, ergänzt der Züchter. „Gegebenenfalls eine vorübergehende oder auch dauerhaft eine andere.“

Als Ronald Ennersch mit dem kleinen Traktor an der Elchanlage entlang fährt, steht Oskar auf und folgt ihm auf der anderen Seite des Zaunes. Möglicherweise fühlt er sich ein bisschen einsam.

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