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Familien- und Sozialquote für Wasapark gefordert

Der Verein Bürgerforum/Grüne steht dem Großprojekt weiter kritisch gegenüber. Er bemängelt nicht nur eine hohe Baudichte und zu wenig Grünfläche.

Wo jetzt noch der Speisesaal des Wasaparks steht, soll sich künftig der Quartiersplatz befinden. An die Stelle des roten Hauses kommen an der Südseite des Platzes Mehrfamilienhäuser hin.
Wo jetzt noch der Speisesaal des Wasaparks steht, soll sich künftig der Quartiersplatz befinden. An die Stelle des roten Hauses kommen an der Südseite des Platzes Mehrfamilienhäuser hin. © © IPROconsult / A.Lutter

Radebeul. Auf dem Wasapark-Areal soll ein Wohnquartier entstehen. Die Pläne für mehrere Wohnhäuser lagen jüngst öffentlich aus. Vom Recht, Hinweise und Anregungen zu geben, machte der Verein Bürgerforum/Grüne Gebrauch. Die Wählervereinigung ist auch im Stadtrat vertreten und steht dem Vorhaben kritisch gegenüber. Die SZ fasst einige ihrer Anmerkungen zum Wasapark-Projekt zusammen.

„Uns fällt auf, dass in den letzten Jahren in Radebeul ein Kurs der Bebauung eingeschlagen worden ist, der verständlicher Weise ökonomische Ziele verfolgt, weniger aber dem Konzept ‚Radebeul - Gartenstadt im Grünen’ gerecht wird und damit den steigenden Anforderungen an die Ökologie im städtebaulichen Kontext“, schreibt Christian Mendt, der die Arbeitsgruppe Wohnungsbau beim Bürgerforum leitet, gleich zu Beginn des Positionspapiers.

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Als Beispiele führt er das fertige Dichterviertel, die aktuelle Baustelle auf dem Glasinvest-Gelände sowie das künftige Wohnviertel auf dem Wasapark an, bei denen Entscheidungen zugunsten größerer Kubatur der Gebäude und geringer werdenden Grün- und Gartenflächen getroffen worden seien. „Wir halten das für kritisch, mit Blick auf den Klimawandel. Mehr Betondichte sorgt für mehr Hotspots. Mehr überbaute Fläche schmälert das Versickern von Wasser und gefährdet die Grundwasserbestände“, so Mendt. Daher schlägt er vor zu prüfen, ob ein Wohnhaus oder ein anderes Gebäude wegfallen könnte.

Von den bisherigen Bürohausklötzern des Wasaparks bleibt nur der blaue Riegel an der Meißner Straße stehen. Er wird zwar um Stockwerke reduziert, aber nicht wie die anderen Häuser aus DDR-Zeiten abgerissen. Für das Bürgerforum stellt selbst das gestutzte blaue Haus eine architektonische Zumutung dar.

Als problematisch sieht Bürgerforum/Grüne auch die Entwicklung der Mieten an. „Den Interessenten für die Wohnungen im Bereich Glasinvest wurde vor zwei Jahren ein Quadratmeterpreis von zehn Euro angeboten. Jetzt, bei Abschluss der Mietverträge liegt der Durchschnitt bereits bei zwölf Euro“, so Mendt. Er befürchtet, dass die Preisentwicklung im Wasapark steiler verlaufen werde, sodass Wohnraum für Familien, Rentner und Bürger in sozial prekären Verhältnissen ohne Subventionen nicht erschwinglich sei.

Im Hinblick auf soziale Belange macht Bürgerforum/Grüne einige Vorschläge. So regen sie an, dass die Stadt eine Quote festlegen sollte, wie viele Wohnungen für Familien und Singles geschaffen werden. Zudem soll Wohnraum für Menschen mit Rollstuhl, für Empfänger von Hartz IV, Sozialhilfe beziehungsweise Altersgrundsicherung vorgesehen werden.

In den Plänen können die Mitglieder von Bürgerforum/Grüne auch nicht erkennen, ob es Abstellräume für Kinderwagen und Fahrräder sowie Kellerräume gibt. So fragen sie, wo es ausreichend Fahrradplätze auf dem Areal geben soll. Als positiv haben sie registriert, dass in der Tiefgarage E-Steckdosen für Elektrofahrzeuge vorhanden sein werden.

Nach Abriss aller Bürogebäude, bis auf den blauen Block, ist im ersten Bauabschnitt das Errichten von acht, im zweiten von weiteren fünf Wohnhäusern geplant. 140 Wohnungen entstehen in dem neuen Viertel. Die Gebäude verfügen über drei Geschosse, plus ein ausgebautes Dachgeschoss beziehungsweise Staffelgeschoss. Gegenüber den im Herbst 2019 vorgestellten Plänen wurde der Grünanteil auf 8.000 Quadratmeter erhöht, die Anzahl der Wohnhäuser auf dem jetzigen Parkplatz an der Pestalozzistraße von vier auf drei reduziert. Beim blauen Riegel an der Meißner Straße wird die sechste Etage abgetragen und die fünfte zurückgesetzt. Er soll als Lärmschutz für das Wohnquartier dienen. Rund 44 Millionen Euro sind an Baukosten veranschlagt.

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