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Flächentausch für den Lößnitzbach

In der Elbaue soll das Gewässer einen neuen Verlauf bekommen. Die Grundstücke für die neue Trasse sind jedoch nicht im Besitz der Stadt. Das will sie ändern.

Am Stand der Bäume ist der alte Verlauf des Lößnitzbaches neben der Panzerstraße in Richtung Elberadweg und Fluss noch gut zu erkennen. Dort soll das Gewässer in Zukunft wieder lang fließen.
Am Stand der Bäume ist der alte Verlauf des Lößnitzbaches neben der Panzerstraße in Richtung Elberadweg und Fluss noch gut zu erkennen. Dort soll das Gewässer in Zukunft wieder lang fließen. © Arvid Müller

Um dem Lößnitzbach im Radebeuler Stadtteil Serkowitz ab dem Bahndamm bis zur Elbmündung wieder einen oberirdischen Verlauf zu geben, kommt die Stadt nicht um ein langwieriges Planfeststellungsverfahren herum. Diesen Prozess machen vor allem Fragen des Umweltrechts erforderlich, um eine Baugenehmigung zu erhalten. Damit das Verfahren nicht noch durch Eigentumsfragen überlastet und in die Länge gezogen wird, ist die Stadtverwaltung dabei, diese parallel und außerhalb der Planfeststellung zu klären.

„Nördlich der Kötzschenbrodaer Straße sind wir schon gut vorangekommen“, informierte Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) auf der jüngsten Stadtratssitzung. Südlich des Straßenzugs ist für die Fläche in der Elbaue ein sogenanntes Vereinfachtes Flurbereinigungsverfahren geplant. Unter Federführung des Landratsamtes in Meißen als Flurbereinigungsbehörde strebt die Lößnitzstadt einen Flächentausch mit den Eigentümern der Elbwiesen an.

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Derzeit fließt der Lößnitzbach eingezwängt zwischen hohen Mauern unterhalb von Serkowitz in die Elbe. Dieser Kanal entspricht nicht einem naturnahen Bachlauf. Zudem hat er beim Junihochwasser 2013 Schaden genommen. Teilweise ist das Mauerwerk eingestürzt, große Steine liegen im Grabenbett. In weiteren Abschnitten drohen weitere Einstürze, da die Standfestigkeit der Uferbefestigung nicht mehr gegeben ist. Einen Wiederaufbau hat der Freistaat untersagt, da der Lößnitzbach vom Abwasserkanal getrennt werden muss, mit dem das Gewässer unterirdisch verrohrt durch Serkowitz fließt.

Anfang 2020 hat der Stadtrat sich für folgenden neuen Verlauf entschieden: Ab der Eisenbahnbrücke liegt sein neues Bett weiter westlich von der Straße des Friedens hinter den Wohnhäusern nicht mehr zwischen Fahrbahn und Gründstückeinfahrten, sondern mehr zu den Gewächshäusern des einstigen Frühgemüsezentrums hin. Er fließt am Weißen Haus vorbei, wo er in Höhe der jetzigen Einfahrt zum Jugendtreff die Kötzschenbrodaer Straße passiert. Danach macht er einen Schwenk nach Westen und fließt parallel zur Straße, biegt vor der Panzerstraße ab und mündet schließlich in die Elbe. In der Elbaue bekommt der Lößnitzbach sein altes Bett zurück. Dieses kann man noch daran erkennen, wie die Weidenbäume stehen.

Auf der Elbwiese durchschneidet die neue Trasse zahlreiche Flurstücke. Man kann von einem Flickenteppich sprechen, da es zahlreiche Eigentümer gibt. Einige sind bekannt. Bei anderen stehen in den Grundbüchern noch Namen aus längst vergangenen Zeiten. Hier müssen die Erben erst recherchiert werden.

Das Gebiet für das Flurbereinigungsverfahren ist rund zwölf Hektar groß. Es erstreckt sich von der Panzerstraße im Westen, der Stadtgrenze im Osten, dem Elberadweg mit Uferrandstreifen im Süden sowie der Kötzschenbrodaer Straße im Norden. Im Eigentum der Stadt ist rund die Hälfte des Areals. Allerdings besitzt sie nicht die Flurstücke, über die der Lößnitzbach geführt werden soll. Sondern im städtischen Besitz befindet sich Land links und rechts des Seegrabens sowie unmittelbar an Altserkowitz angrenzend. Und diese will die Verwaltung nun zum Tausch anbieten.

„Wir wollen die vielen Einzelflächen zu sinnvoll bewirtschaftbaren Einheiten mit jeweils gesicherter Zuwegung zusammenführen“, sagte das Stadtoberhaupt und hob damit den Vorteil für die privaten Grundstücksbesitzer in dem Gebiet hervor. Die Stadt sichert sich den künftigen Bachverlauf. Außerdem ist der Bund daran interessiert, in den Besitz des Uferstreifens der Elbe zu kommen.

Die Kosten für das Verfahren, die erforderliche Vermessung, den Berichtigungen im Liegenschaftskataster und Grundbuch trägt der Landkreis Meißen. Das ist kein unwesentlicher Fakt. Denn die geschätzten Kosten für das Umverlegen des Lößnitzbaches liegen bei rund 7,4 Millionen Euro. Die Stadt kann aber mit großzügigen Fördermitteln rechnen und muss von der Gesamtsumme nur etwa 550.000 Euro selbst bezahlen.

Das Baurecht durch den Planfeststellungsbeschluss erwartet die Stadtverwaltung im Jahr 2023. Sobald die Genehmigung vorliegt, will sie mit den Bauarbeiten loslegen. In der mittelfristigen Finanzplanung der Stadtkämmerei sind die Jahre 2023 und 2024 als Realisierungszeitraum derzeit vorgesehen.

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