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Frauenpower für die Stadtteilzentren

Um das Beleben von Haupt- und Bahnhofstraße kümmern sich in Radebeul zwei Managerinnen. Sie haben neue Ideen für Einkaufevents.

Sabine Luft (l.) ist die Stadtteilmanagerin für Radebeul-Ost, Christiane Weikert engagiert sich für das Zentrum von Kötzschenbroda. Sie werben dafür, dass Kunden lokal vor Ort in den Geschäften einkaufen kommen.
Sabine Luft (l.) ist die Stadtteilmanagerin für Radebeul-Ost, Christiane Weikert engagiert sich für das Zentrum von Kötzschenbroda. Sie werben dafür, dass Kunden lokal vor Ort in den Geschäften einkaufen kommen. © Norbert Millauer

Radebeul. Zwei neue Stadtteilmanagerinnen sind in Radebeul am Start. In Ost ist Sabine Luft und in West Christiane Weikert seit Anfang des Monats Ansprechpartner und Kümmerer für die dort ansässigen Händler. Mit diesen zusammen werden sie Aktionen auf die Beine stellen, um die Zentren rund um Hauptstraße und Bahnhofstraße mit Leben zu füllen.

Luft, Jahrgang 1965, ist bei den Gewerbetreibenden in der Lößnitzstadt keine Unbekannte. „Seit 34 Jahren bin ich selbstständig und war immer in Radebeul tätig“, sagt die Friseurmeisterin, die von 1988 bis 1998 einen Salon in Radebeul-West betrieb und nun bereits seit Jahren mit ihrem Studio in der Paul-Grosse-Passage an der Hauptstraße ansässig ist. Dort stellte sie 2019 mit weiteren Partnern ein Stadtteilfest und einen kleinen Weihnachtsmarkt auf die Beine. „Das ist mein Kiez und er liegt mir am Herzen“, sagt Luft.

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Einkaufsnacht in Kötzschenbroda geplant

Christiane Weikert kommt aus Weinböhla, war über 20 Jahre als Eventmanagerin in Meißen tätig und engagierte sich ein Jahrzehnt lang im Gewerbeverein der Porzellanstadt, organisierte unter anderem die Kneipennacht und die Meißner Fashion Night, Modenacht. „Mir ist die Arbeit mit Gastronomen und Händler nicht fremd“, sagt die 47-Jährige, die sich wie Luft als Ansprechpartner und Bindeglied unter den Gewerbetreibenden selbst und mit der Stadtverwaltung versteht. Weikert bringt den Blick von außen mit. Als sie vor einer Woche zum Kinderfest mit der S-Bahn anreiste, sprang ihr sofort ins Auge, dass es keinerlei Hinweise gibt, welche Geschäfte den Besucher erwarten, wenn er den Haltepunkt Kötzschenbroda verlässt.

Derzeit ist der nördliche Teil der Bahnhofstraße zudem eine Baustelle. Die Lößnitzstadt lässt die Gehwege auf Vordermann bringen. Baufahrzeuge, Baumaterial, ein Container sowie ein Dixiklo stehen - von Bauzäunen umringt - mitten auf dem Bahnhofsvorplatz. Als eine erste wichtige Aktion möchte Weikert „Sauberkeit schaffen“, wie sie meint. Und zwar sollen ansehnliche Transparente mit Motiven der Händler die Gitterzäune zieren, somit für die Geschäfte werben und den Baustellenlagerplatz dahinter verdecken. Zudem will sie eine Einkaufsnacht mit Musik initiieren und einen Fokus auf die Weihnachtszeit mit neuen Deko- und Beleuchtungsideen sowie Aktionen, die die Händler mit einbeziehen, legen.

Weihnachtsmarkt in Radebeul-Ost gewünscht

Einen Weihnachtsmarkt in Radebeul-Ost wünscht sich Luft und hofft, diesen mit der Abteilung Feste und Märkte im städtischen Kulturamt bereits in diesem Jahr organisieren zu können. Zuvor steht im September die Kasperiade an. „Was unternehme ich zur Aufwertung des Stadtteils? Was veranstalte ich kulturell? Und was ist mit Spielplätzen und Spielelementen?“, zählt Luft wesentliche Fragen auf, die sich Stadtteilmanager zusammen mit Händlern und Gewerbetreibenden stellen. Beide Stadtteilkümmerer wollen regelmäßige Treffen bei Händlerstammtischen etablieren.

Das Ziel des Stadtteilmanagements erklärt Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos): „Wir machen es für die Kunden. Sie sollen in die Geschäftsstraßen kommen und spüren: Hier passiert was, hier macht es Spaß zu bummeln.“ Die Besucher sollen einen Service erleben, der sich vom Online-Handel unterscheidet. Bestellen im Internet und sich Waren per Paketboten nach Hause liefern zu lassen - dieses Kaufverhalten ist durch die Coronakrise gewachsen. Um Kunden wieder für das Einkaufen in Geschäften zu begeistern und um neue Kundschaft zu gewinnen, hat der Stadtrat beschlossen, in den nächsten drei Jahren jeweils 50.000 Euro pro Jahr zur Verfügung zu stellen. 24.000 Euro sind jährlich als Honorar für die Stadtteilmanager gedacht und 26.000 Euro für Aktionen. Acht Bewerbungen trafen auf die Ausschreibung hin im Rathaus ein.

Mehrere Anläufe in Radebeul-West

Seit Beginn des Sanierungsgebiets im Zentrum von Kötzschenbroda gibt es den Versuch, dort einen Stadtteilmanager zu etablieren. Zunächst versuchte es ein junger Mann für ein halbes Jahr. „Er hat nicht den Kontakt zu den Händlern gefunden“, sagt Müller. Dann ging Nadine Wollrad die Aufgabe mit viel Elan an, musste im November 2019 jedoch aus persönlichen Gründen aufgeben. Zuletzt war Astrid Hadan als Stadtteilmanagerin in Radebeul-West unterwegs, hat im vorigen Jahr den Frischemarkt auf der Bahnhofstraße ins Leben gerufen, der dort immer am dritten Sonnabend eines Monats stattfindet.

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Die Stadt Radebeul will einen Stadtteilmanager für ihre beiden Zentren beschäftigen. Zudem bekommt dieser ein Budget für Feste und andere Aktivitäten.

Auf die Ausschreibung hin wurden zunächst zwei andere Bewerber als neue Stadtteilkümmerer ausgewählt. In ihr Aufgabenspektrum fiel weiterhin die Organisation des Frischemarkts. „Das hat das Zeit- und Budgetmanagement belastet“, meint Müller. Für andere Aktivitäten blieben kaum noch Mittel übrig. Deshalb ist nun die Organisation des Frischemarkts in West in die Obhut des Sachgebiets Feste und Märkte übergangen. Die beiden Bewerber, die nach kurzer Zeit das Handtuch geworfen haben und nicht namentlich genannt werden möchten, fühlten sich dagegen bei der Ausübung der Honorarstelle durch eine Rathausmitarbeiterin eingeschränkt und bevormundet.

„Es wurde die Resettaste gedrückt“, wie es Bürgermeister Müller formulierte. Mit Luft und Weikert geht die Lößnitzstadt mit neuem Schwung die Belebung der Stadtteilzentren an.

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