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Friedenskirchgemeinde saniert ihr Pfarrhaus

Zunächst entstehen neue Räume für das Pfarramt im Erdgeschoss. Für die weiteren Bauabschnitte fehlt noch Geld.

Pfarrerin Annegret Fischer (l.) und Sabine Queißer haben einen Schreibtisch für einen Moment in den Pfarrhof verlegt. Die Aktion symbolisiert, dass die Arbeiten für den Umzug des Pfarramts ins Erdgeschoss begonnen haben.
Pfarrerin Annegret Fischer (l.) und Sabine Queißer haben einen Schreibtisch für einen Moment in den Pfarrhof verlegt. Die Aktion symbolisiert, dass die Arbeiten für den Umzug des Pfarramts ins Erdgeschoss begonnen haben. © Arvid Müller

Radebeul. Ein Container gefüllt mit Schutt steht gleich rechter Hand hinter dem Tor zum Pfarrhof der Friedenskirche. Die Steinreste stammen aus dem Eingangsbereich des ältesten Teils des Gemeindehauses am Dorfanger Altkötzschenbroda. Dort haben Handwerker nicht nur den Fußboden herausgebrochen, sondern bereits auch Kabelschächte freigelegt. Bis Ende des Jahres erfährt das Erdgeschoss, wo sich bislang eine Wohnung und einst der Notschriftenverlag befanden, eine Generalsanierung.

„Wir haben lange auf das Vorhaben hingearbeitet. Im Jahr 2016 begannen wir mit der Planung“, sagt Pfarrerin Annegret Fischer. Anfang dieser Woche war der Startschuss für den Umbau erfolgt. Der Gebäudekomplex ist in drei Teile gegliedert. Direkt am Anger steht das ursprüngliche Pfarrhaus. 

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Im Jahr 1824 erbaut, reichen die Wurzeln von Fundament und Bereichen des Mauerwerks wohl bis ins 15. Jahrhundert zurück. An der Stelle stand ein Vorgängerbau, in dem am 27. August 1645 der Waffenstillstand zwischen Sachsen und Schweden geschlossen wurde, der den Dreißigjährigen Krieg auf sächsischem Boden beendete. Zuletzt diente dieser Gebäudeteil als Wohnbereich.

Im Gewölberaum des ältesten Gebäudeteils entsteht ein Zimmer für die Seelsorge.
Im Gewölberaum des ältesten Gebäudeteils entsteht ein Zimmer für die Seelsorge. © Arvid Müller

Ihm schließt sich unmittelbar ein Anbau vom Ende des 19. Jahrhunderts an. Im Erdgeschoss befinden sich eine Küche und ein Gemeinschaftsraum, die zum Beispiel die Radebeuler Tafel mittwochs zur Ausgabe von Lebensmitteln nutzen. Das Mobiliar hat schon bessere Zeiten gesehen. Schränke und Geräte im Küchenraum sind alt und verschlissen, zudem ist es dort sehr beengt. Der Fußboden im großen Raum daneben knarrt bei jedem Schritt. Ein langer Riss prangt an der Wand im Lagerraum.

 Im Obergeschoss darüber sind die kleinen Büroräume der Kirchgemeindeverwaltung links und rechts eines schmalen Ganges untergebracht. Im Flur riecht es muffig. Zu erreichen sind die Büros nur über eine rutschige Treppe, ein beschwerlicher Aufstieg für ältere Gemeindemitglieder.

Den dritten Gebäudeteil bildet das Lutherhaus mit dem Luthersaal. Diese Erweiterung erfolgte im Jahr 1929 . Ins Foyer im Erdgeschoss dringt kaum Tageslicht hinein. Fast höhlenartig, auf jeden Fall sehr düster, wirkt er. Bis auf Reparaturarbeiten in den 1990er Jahren ist baulich im Kirchgemeindezentrum nichts weiter passiert. „Eine grundlegende Sanierung fehlt dem Haus“, informiert Fischer. Diese geht die Pfarrerin mit ihrem Team nun an.

Entsprechend der Baugeschichte ist das Projekt in drei Abschnitte aufgeteilt. Den Anfang macht das historische Pfarramt. Dort bleibt nur die Wohnung im Obergeschoss vom Baugeschehen unberührt. Das Erdgeschoss erlebt dagegen eine komplette Entkernung und einen Wiederaufbau mit neuen Grundrissen der Räume. Bis Ende dieses Jahres sollen die Arbeiten weitestgehend abgeschlossen sein. In den ersten Wochen des neuen Jahres erfolgt ein Umzug.

Die Küche des Gemeindehauses ist zu klein, wenn beispielsweise zum Herbst- und Weinfest hier über zehn Personen arbeiten. Deshalb wird eine neue und größere gebaut.
Die Küche des Gemeindehauses ist zu klein, wenn beispielsweise zum Herbst- und Weinfest hier über zehn Personen arbeiten. Deshalb wird eine neue und größere gebaut. © Arvid Müller

Im Zuge des ersten Bauabschnitts zieht das Pfarramt von der ersten Etage ins Erdgeschoss und ist somit künftig barrierefrei zugänglich. Vier Büroarbeitsplätze gibt es dort. Von hier aus wird nicht nur das Gemeindeleben der Friedenskirche organisiert und verwaltet, sondern auch das der Lutherkirche in Radebeul-Ost sowie der Kirchgemeinden Reichenberg und Moritzburg. 

Mit der Strukturreform der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens haben sich die vier auf die gemeinsame Rechtsform eines Kirchspiels verständigt. Am Dorfanger Altkötzschenbroda liegt ab 2021 das Zentrum für die mehr als 6.000 Kirchspielmitglieder, weil die Friedenskirche mit circa 3.700 Mitgliedern die größte Kirchgemeinde in dem Verbund ist.

Des Weiteren entsteht ein Seelsorgeraum im Erdgeschoss, der nicht nur für Vorgespräche zu Taufen und Hochzeiten dient, sondern auch ungestörte Gespräche zwischen Pfarrer und Gläubigem ermöglicht. Im ehemaligen Pfarramt im Obergeschoss bekommt die Kirchjugend einen großen Raum, der zugleich der zweite Fluchtweg für den Luthersaal ist. Dadurch werden Brandschutzprobleme behoben.

Der zweite Bauabschnitt umfasst das Erdgeschoss im ersten Anbau. Dort ist der Bau einer neuen Küche geplant, und der Gemeinschaftsraum wird renoviert und bekommt größere Fenster sowie Türen zum Pfarrhof. Dadurch erhält nicht nur die Tafel den Platz, den sie braucht. Die Räumlichkeiten können Radebeuler für Familienfeiern mieten.

Der dritte Bauabschnitt steht quasi unter dem Motto „Luft und Licht für das Lutherhaus“. Hier bleibt nur der Luthersaal von Baulärm verschont. Die anderen Räume im Haus werden dagegen grundständig renoviert. Zwischen dem Zimmer für die Christenlehre sowie dem für die Chorproben verschwindet die starre Steinwand. Sie wird durch eine bewegliche Wand ersetzt. Bei Bedarf macht die Kirchgemeinde aus zwei Räumen einfach einen großen. Der Luthersaal wird somit entlastet. Denn Feiern und größere Veranstaltungen sowie auch das Kirchencafé können im Erdgeschoss stattfinden.

Das Haus wird nach Süden zum Garten hin geöffnet und große Fenster in die Wände zwischen den jetzigen Zimmern für Christenlehre sowie Chorprobe und Foyer eingebaut. Dadurch kommt mehr Tageslicht in den Eingangsbereich.

Den Gemeinschaftsraum nutzt beispielsweise die Tafel. Um mehr Licht hineinzubringen, werden die Fenster bis zum Fußboden vergrößert und Türen zum Pfarrhof eingebaut.
Den Gemeinschaftsraum nutzt beispielsweise die Tafel. Um mehr Licht hineinzubringen, werden die Fenster bis zum Fußboden vergrößert und Türen zum Pfarrhof eingebaut. © Arvid Müller

Beim zweiten und dritten Bauabschnitt handelt es sich jedoch noch um Zukunftsmusik. „Wir hoffen, dass die Realisierung nicht über zehn Jahre dauert“, sagt Fischer. Denn für die Sanierung eines Pfarrhauses muss die Gemeinde selbst finanziell aufkommen. Es gibt kaum öffentliche Fördertöpfe. Rund 1,5 Millionen Euro kostet das Vorhaben insgesamt.

Bis jetzt ist nur die Finanzierung des ersten Bauabschnitts gesichert. Rund 400.000 Euro sind dafür veranschlagt. Die Hälfte des Betrags kommt als Zuschuss von der Landeskirche, für den Rest sind Eigenmittel erforderlich. Aufgrund überraschend zugesicherter Denkmalmittel in Höhe von 125.000 Euro können die Bauarbeiten in diesem Abschnitt zügig vorangehen. Damit die Friedenskirchgemeinde in den nächsten Jahren auch die beiden anderen Bauabschnitte umsetzen kann, benötigt sie finanzielle Unterstützung.

Spendenkonto: Kassenverwaltung Dresden; IBAN: DE06 3506 0190 1667 2090 28; Verwendungszweck: Frieden 1019 Sanierung Gemeindehaus

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