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Lockdown trifft Händler in Radebeul hart

Mitten im Weihnachtsgeschäft müssen Läden ab kommendem Montag geschlossen bleiben. Was Gewerbetreibende darüber denken - sächsische.de hat sich umgehört.

In die Boutique Zeitlos von Gabriele Kraft waren bereits seit Anfang November nur noch wenige Kunden gekommen. Sie hat daher schon selbst die Öffnungszeiten verkürzt.
In die Boutique Zeitlos von Gabriele Kraft waren bereits seit Anfang November nur noch wenige Kunden gekommen. Sie hat daher schon selbst die Öffnungszeiten verkürzt. © Arvid Müller

Radebeul. Weil die Corona-Infektionszahlen nicht heruntergehen, kommt es ab nächsten Montag erneut zu einem harten Lockdown in Sachsen. Kitas, Schulen sowie Geschäfte, außer Lebensmittel, Apotheken und Drogerien, müssen bis vorerst 10. Januar 2021 schließen. Das hat die sächsische Landesregierung am Dienstag bekannt gegeben.

Vor Weihnachten das Geschäft schließen zu müssen, sei fatal, sagt Bernd Grundkötter. Gemeinsam mit seinem Bruder betreibt er ein Modelleisenbahnfachgeschäft an der Hauptstraße, der Einkaufsmeile in Radebeul-Ost. Und jetzt in der Adventszeit läuft die „ureigene Saison“, wie er sagt, für ihren Laden.

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Weihnachtsgeschäft brummt erst zwei Wochen vorm Fest

Es sind noch reichlich zwei Wochen bis Heiligabend. Ausgangsbeschränkungen mit Ladenschließen vor den Feiertagen sei hart. „Allen im Handel ist es jetzt wichtig, bis Weihnachten geöffnet zu haben“, meint die Inhaberin des Fachgeschäfts für Kinderkleidung, Spielwaren und Accessoires "Tante Ika" im Gebäudekomplex „Vier Jahreszeiten“ an der Ecke Meißner/Hauptstraße. Der Dezember ist jedes Jahr bekanntlich einer, wenn nicht sogar der, umsatzstärkste Monat im Einzelhandel.

Von einem „harten Schlag“ spricht auch Holm Sandner von der Weinhandlung Gottfried Andrich an der Sidonienstraße im Zentrum von Radebeul-Ost. „Ladenschließungen sind für die Besitzer dramatisch“, führt er weiter aus. Denn Fixkosten wie Miete müssen weiter gezahlt werden, während Einnahmen ausbleiben. Sandners Weine zählen als Lebensmittel. Daher hofft er, dass er bei einem Total-Lockdown so wie im Frühjahr sein Geschäft offen halten darf, so wie Supermärkte.

Holm Sandner bezeichnet die Entscheidung zum verschärften Lockdown als harten Schlag für den Einzelhandel. Seine Weinhandlung wird er wohl wie im Frühjahr weiter öffnen dürfen.
Holm Sandner bezeichnet die Entscheidung zum verschärften Lockdown als harten Schlag für den Einzelhandel. Seine Weinhandlung wird er wohl wie im Frühjahr weiter öffnen dürfen. © Arvid Müller

Von leeren Innenstädten und einem verhaltenden Weihnachtsgeschäft ist immer wieder zu hören und zu lesen. Auf Wein und Spirituosen scheint dies nicht zu zutreffen. Von einem Kundenrückgang kann Sandner nicht berichten. „Die Menschen kommen zu uns, wie in den Vorjahren auch. Der Umsatz ist nicht gesunken“, berichtet der Händler.

Von einer Flaute im Weihnachtsgeschäft spürt auch die Inhaberin von Tante Ika bislang nichts. „Kinder wachsen auch während der Corona-Pandemie“, sagt sie, weshalb Eltern neue Kleidungsstücke immer wieder benötigen und kaufen. „Und Spielzeuge werden traditionell zu Weihnachten verschenkt“, führt sie weiter aus.

Ines Seidel vom Dessous- und Nachtwäschegeschäft Blickfang auf der anderen Straßenseite hatte eigentlich erst noch einen Kundenansturm erwartet. Denn erfahrungsgemäß kommen sie zu ihr immer auf dem letzten Drücker, so gut 14 Tage vor der Geschenkeflut unter dem Weihnachtsbaum. Der Januar und Winter seien dagegen umsatzschwach, während der Absatz in den Vorjahren regelmäßig im Frühjahr wieder anzog. Dieses Mal blickt sie nicht so optimistisch in die Zukunft. „Vor dem Urlaub wurde immer noch was Neues geholt. Jedoch wird jetzt nicht so viel gereist“, sagt Seidel.

Dass das Weihnachtsgeschäft gefühlt jedes Jahr einen Tag später beginnt, meint auch Bernd Grundkötter. Die Glocke an seiner Ladentür hätte ebenfalls in den letzten Tagen vor dem Fest nicht stillgehalten. Doch nun muss er sein Geschäft schließen. Welche Branche wie noch öffnen darf, wird in einer neuen Corona-Schutzverordnung durch das sächsische Gesundheits- und Sozialministerium geregelt. Doch schon jetzt steht fest, bis auf wenige Ausnahmen wie Supermärkte, Großhandel, Apotheken, Friseure oder Tankstellen werden alle Geschäfte geschlossen.

Menschenschlange vor der Post

Noch zu Wochenbeginn konnten die Thalia-Buchhandlung und die Filiale von Erstings-Family über einen Mangel an Kundschaft nicht klagen. Entsprechend der noch geltenden Regelungen war zwar deren Zahl im Laden begrenzt, was durch Korbpflicht kontrolliert wurde. Die Körbe waren selbst in den Vormittagsstunden mitunter fast komplett vergriffen. Zur gleichen Zeit riss die Menschenschlange vor der Postfiliale nicht ab. Der Großteil der Anstehenden hielt Pakete in der Hand. Präsentpäckchen waren die Minderheit. Retourpakete bekannter Internetshops dominierten. Der Online-Handel kommt, nun sicher noch mehr.

Vor der Post stehen die Menschen an. Viele wollen Pakete aufgeben, darunter oft Rücksendungen von Waren aus Online-Shops.
Vor der Post stehen die Menschen an. Viele wollen Pakete aufgeben, darunter oft Rücksendungen von Waren aus Online-Shops. © Silvio Kuhnert

Die Pläne der Landesregierung zu einem weiteren Runterfahren des öffentlichen Lebens hat Gabriele Kraft von der Boutique Zeitlos eine schwere Entscheidung abgenommen. Sie sei ratlos, bekannte sie ganz ehrlich noch kurz vorher. Ihre Öffnungszeiten hatte sie bereits gekürzt. Denn seit der Teil-Lockdown Anfang November begann, beobachtete sie, „dass die Leute nur noch gesucht einkaufen gehen“, wie sie berichtet - nur dasjenige beschaffen, was sie im Alltag benötigen. Ein neues Kleid, eine schicke Bluse oder eine Handtasche, wie sie Kraft im Sortiment hat, gehörten kaum dazu. Es fehlen auch die Anlässe, wie ein Restaurantbesuch mit Familie, Freunden oder Kollegen, Dinner-Shows, Weihnachtsfeiern, Konzert und Theater oder der Silvesterball, um sie zu tragen.

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So sind seit Wochen kaum Kunden in die Modeboutique gekommen. „Ich kann hier nicht den ganzen Tag allein herumsitzen, während die Kosten weiter laufen“, ist das Dilemma, vor dem Kraft stand und sich die Frage stellte: Freiwillig schließen oder nicht? Die Antwort darauf hat ihr die Landesregierung nun abgenommen. „Es ist eine schwierige Zeit und meine Hoffnung ist, dass wieder bessere kommen“, sagt Kraft. Und sie hofft darüber hinaus, dass die Händler wie im Frühjahr vom Staat Unterstützung bekommen, um die Zeit des harten Lockdowns zu überstehen.

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