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Gymnasium soll Leben ankurbeln

Die Schule an der Köhlerstraße soll nicht nur 420 Schülern offen stehen, sondern der ganzen Gemeinde Weinböhla.

Ehe die Visualisierung des Freien Gymnasiums Weinböhla Wirklichkeit wird, werden noch einige Jahre ins Land gehen - ein Interim startet am 1. August 2021.
Ehe die Visualisierung des Freien Gymnasiums Weinböhla Wirklichkeit wird, werden noch einige Jahre ins Land gehen - ein Interim startet am 1. August 2021. © Rahn Education

Seit gut 30 Jahren arbeitet Gotthard Dittrich für den Aufbau nichtstaatlicher Schulen in Deutschland. Der Geschäftsführer der in Leipzig ansässigen Rahn Education spricht über deren Projekt in Weinböhla - das Freie Gymnasium.

Herr Dittrich, Sie haben bei sächsischen Ministerien Förderanträge für den Bau des Schulhauses und der Turnhalle des geplanten Gymnasiums in Weinböhla gestellt. Wie ist da der Stand?

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Ein turbulentes Jahr neigt sich dem Ende zu und wir freuen uns nichtsdestotrotz auf die Festtage!

Die Anträge sind eingereicht, und wir hätten auch einen Termin im Kultusministerium gehabt. Aber der ist ausgefallen, weil es im Ministerium ein Corona-Problem gab. Noch ist nicht klar, wann der Termin nachgeholt wird. Wenn das Freie Gymnasium am 1. August kommenden Jahres öffnet, dann ist es erst einmal in der Wartezeit. In Sachsen ist das so geregelt, dass man zunächst 40 Prozent der möglichen Finanzhilfe bekommt und wenn man die dreijährige Wartezeit überstanden hat, weitere 40 Prozent erhält.

Wenn Sie nicht bauen können, wie soll der Unterricht dann stattfinden?

Wir werden auf dem Grundstück an der Köhlerstraße vorübergehend eine Container-Anlage errichten. Sobald unser Antrag auf finanzielle Unterstützung positiv beschieden ist, beginnen wir mit dem Bau des Schulgebäudes.

Verteuert sich durch die Zwischenlösung nicht das Projekt und wie ist der Investitionsrahmen insgesamt abgesteckt?

Natürlich muss die Container-Lösung bezahlt werden, aber damit leben wir ja schon immer, in jedem Bundesland fließen finanzielle Hilfen nicht sofort. Besser wäre es natürlich, man könnte sofort in das neue Schulhaus einziehen. Was den Finanzrahmen betrifft, so rechnen wir, dass der Bau der Schule und der Sporthalle insgesamt 13 Millionen Euro kosten wird.

Ist es nicht so, dass nach wie vor in Sachsen nichtstaatliche Schulträger beargwöhnt werden? Wie sehen Sie die Situation?

Ich arbeite jetzt 31 Jahre für nichtstaatliche Schulträger. Wenn ich diese Zeitspanne überblicke und dann noch auf Sachsen schaue, dann muss ich sagen, dass die Bedingungen hier im Freistaat nicht schlecht sind. Das wäre gleichsam die Sicht von außen. Blicken wir von innen auf das Ganze, dann stellt sich die Frage, wie es sein kann, dass ein Schulträger, der seit 1929 in Deutschland arbeitet und seit vielen Jahren mit dem gleichen Schulkonzept für ein Gymnasium in Leipzig, wie es auch hier in Weinböhla umgesetzt werden soll, überzeugt – wie kann es sein, dass dieser Schulträger noch einmal beweisen muss, dass er es kann?

Was wäre die Alternative?

Ginge es nach meinen Vorstellungen, dann würden die Eltern vom Staat einen Bildungsgutschein bekommen und selbst entscheiden, wo sie diesen einlösen – in einer staatlichen oder einer freien Schule. Bei beiden Formen gibt es ja ausgezeichnete Beispiele. Dann würde unter allen Schulen eine wirkliche Mitbewerberschaft entstehen, ein gesunder Wettbewerb um die Schüler. Von daher ist das jetzige System in Deutschland natürlich ungerecht. Aber ich wiederhole mich: Am Ende 80 Prozent Förderung zu erhalten wie in Sachsen, ist ungleich günstiger als in vielen anderen Bundesländern.

Für das neue Gymnasium in Weinböhla ist auch ein sportliches Profil geplant. Glauben Sie, dass das Eltern überzeugt und Schüler anzieht?

Dass es ein sportliches Profil geben soll, ist Ergebnis von vielen Gesprächen, die wir vor Ort geführt haben. Insofern glaube ich, dass wir damit einem echten Bedürfnis entsprechen. Daneben wird das Gymnasium zwei weitere Schwerpunkte haben. Der eine ist die Orientierung auf sprachliche Fächer. Der andere ist das Angebot des Astronomieunterrichts, der ja in Sachsen vor einigen Jahren abgeschafft worden ist. Wir werden eine eigene Sternwarte bauen und ein starkes Angebot in Form einer Arbeitsgemeinschaft schaffen.

Wie sieht aus Ihrer Sicht die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Weinböhla aus?

Außergewöhnlich gut. Deutlich ist die Freude in der Verwaltung darüber spürbar, dass die Schule eine große Ausstrahlung haben und auch Zuzug nach sich ziehen wird. Bürgermeister Zenker und die Gemeinderäte haben uns großartig bei allem unterstützt, was man von einer Kommune braucht, um solch ein Projekt auf den Weg zu bringen. Wir werden alles dafür tun, um das uns entgegengebrachte Vertrauen nicht zu enttäuschen.

Wird das neue Gymnasium in irgendeiner Form Bezug auf Weinböhla nehmen?

Ja, wir werden die Weinbautradition aufgreifen und 99 Reben auf dem Schulcampus anpflanzen – das ist das, was man genehmigungsfrei tun kann. Ich wünsche mir, dass wir an der Köhlerstraße eine Schullandschaft entwickeln können, wo urbanes Leben stattfindet. Nicht nur auf den Schulbetrieb im engeren Sinne bezogen. Es sollen dort auch Veranstaltungen für die Bürger stattfinden, die neue Turnhalle wird ebenso von örtlichen Vereinen genutzt werden. Und vielleicht gelingt es uns ja, Verbindungen zu Dresden als interessantem Wissensstandort zu knüpfen.

Die Fragen stellte Udo Lemke

Für interessierte Eltern findet am 17. 11. im Zentralgasthof Weinböhla, 17 Uhr ein Informationsabend statt.

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