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Karl-May-Festtage sollen stattfinden

Der Kulturbetrieb in Radebeul ruht. Dennoch ist das Kulturamt nicht arbeitslos. Welche Veranstaltungen es 2021 geben wird, verrät Amtsleiterin Gabriele Lorenz.

Kulturamtsleiterin Gabriele Lorenz konnte im Herbst dieses Jahres die Stadtbibliothek Radebeul-Ost im Kultur-Bahnhof nach Umbau in Betrieb nehmen.
Kulturamtsleiterin Gabriele Lorenz konnte im Herbst dieses Jahres die Stadtbibliothek Radebeul-Ost im Kultur-Bahnhof nach Umbau in Betrieb nehmen. © Arvid Müller

Frau Lorenz, der kulturelle Betrieb in Deutschland ruht. Ist das Kulturamt der Stadt Radebeul nun arbeitslos?

Der zweite Lockdown in der Kultur trifft uns natürlich hart. Viele geplante Veranstaltungen mussten abgesagt beziehungsweise auf Eis gelegt werden. Dabei denke ich an unseren Weihnachtsmarkt Lichterglanz und Budenzauber, aber zum Beispiel auch an die Ausstellung des Radebeuler Künstlers Stefan Voigt, die seit dem 6. November in der Stadtgalerie auf die Eröffnung wartet. Um dennoch unser Publikum zu erreichen, haben wir kreative virtuelle Angebote erstellt, mit denen wir auch die Künstler und die Händler in dieser schwierigen Situation unterstützen wollen. Gleichzeitig richten wir den Blick nach vorn und planen einen starken kulturellen Neustart für 2021. Wir nutzen die Zeit für intensive Auswertungen der Erfahrungen in diesem Jahr und arbeiten daran, konzeptionell und strategisch die Weichen zu stellen.

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Die Corona-Schutzimpfung ist gestartet. Zunächst allerdings nur für Menschen, die zur Gruppe der höchsten Priorität gehören.

Wie lassen sich momentan Veranstaltungen für das nächste Jahr überhaupt planen?

Das ist sicherlich die große Herausforderung, Veranstaltungen zu planen und dabei nicht zu wissen, wann und unter welchen Voraussetzungen kulturelles Leben wieder möglich sein kann. Viele spannende und originelle Veranstaltungen stehen für 2021 bereits im Kalender. Hier müssen wir sehr flexibel sein, um ständig auf Veränderungen der Situation zu reagieren. Doch das können wir in der Kultur ja besonders gut. Momentan hoffen wir, dass wir nach Ostern wieder starten können.

Welche Erfahrungen haben Sie in diesem Jahr sammeln können, die Sie in das nächste Jahr mitnehmen?

Zu den wichtigsten Erfahrungen dieses Jahres zählt sicherlich das sehr erfolgreiche Konzept der Radebeuler Lebensart, das wie ein buntes Kaleidoskop aus Musik, Theater und Kunst mit kleineren Veranstaltungen an verschiedenen Orten im Stadtgebiet Kultur im Sommer erlebbar machte. Eine zweite Erfahrung machten wir in Radebeul-Ost, wo sich zwischen Hauptstraße und Kultur-Bahnhof für das Publikum ein interessantes Potenzial eröffnete.

Müssen Sie bei der Planung von Veranstaltungen mehrgleisig fahren, sprich mehrere Konzepte erstellen, je nach möglichem Ort und je am Veranstaltungstag erlaubter Besucherzahl?

Diese Erfahrung haben die Kollegen ja beim Weinherbst 2020 gemacht. Insgesamt sieben verschiedene Konzepte wurden in kürzester Zeit in Abhängigkeit von den jeweils wechselnden Rahmenbedingungen erstellt. Bei den neuen Planungen denken wir immer auch eine Alternative mit, sowohl bei der Zeitschiene im Kalenderjahr als auch bei der Wahl der Orte, die dann entsprechend Auswirkung auf die Besucherzahl haben.

Sind im nächsten Jahr nur Freiluftveranstaltungen wie bei der Radebeuler Lebensart oder dem Weinherbst möglich?

Zwar kann man zum jetzigen Zeitpunkt schwerlich sagen, wie sich die Infektionslage entwickeln wird, aber einen weiteren Verzicht auf Theater und Konzerte in den Spielstätten, auf Besuche in Museen und bei Lesungen für das gesamte Jahr 2021 kann und will ich mir nicht vorstellen. In den Veranstaltungshäusern wurden mit viel Aufwand sehr gute Hygienekonzepte entwickelt und umgesetzt. Von daher bin ich zuversichtlich. Es müssen klare Strategien entwickelt werden, wie stufenweise wieder der Zugang zu allen Kulturangeboten ermöglicht werden kann.

Der Tag der Sachsen im Jahr 2021 wurde beispielsweise bereits abgesagt. Können Sie bereits sagen, was mit den Karl-May-Festtagen wird? In diesem Jahr mussten sie ausfallen.

Diese Veranstaltungen sollen 2021 auf jeden Fall stattfinden. Momentan arbeitet das Team an der Vorbereitung der Karl-May-Festtage und am Konzept für den nächsten Weinherbst. Aber wir müssen uns flexibel auf die jeweilige Situation einstellen und unsere Formate entsprechend anpassen, um die Feste für die Besucher zu ermöglichen.

Können Sie schon eine Prognose für das Herbst- und Weinfest sowie Budenzauber und Lichterglanz wagen; werden Sie in traditioneller Form stattfinden?

Da bitte ich noch um etwas Geduld. Wir sind bei der Auswertung und Neukonzeption. Wichtige Entscheidungen stehen an. Gleichzeitig bin ich erst reichlich 100 Tage im Amt und möchte mir unter Abwägung aller Aspekte, die insbesondere Finanzen, Personal und Logistik betreffen, eine Meinung bilden.

Der Jacobstein ist einer der Lieblingsorte von Kulturamtsleiterin Gabriele Lorenz in Radebeul.
Der Jacobstein ist einer der Lieblingsorte von Kulturamtsleiterin Gabriele Lorenz in Radebeul. © Zoonar.com/Gunter Kirsch

An welchen neuen Kulturformaten für Radebeul arbeiten Sie; auf was können sich die Radebeuler und ihre Gäste im nächsten Jahr freuen?

Wir arbeiten neben den bekannten Formaten an dem bereits erwähnten kulturellen Neustart im Frühjahr und füllen unseren Veranstaltungskalender. Vorbereitet wird auch das Projekt der Landesbühnen „Der Lößnitzgrund ruft“, das eigentlich in diesem Jahr Premiere feiern sollte. Neben Schauspiel soll es hier auch Filmvorführungen geben.

Unsere Gäste können sich auf ein facettenreiches Programm freuen, das im Zeichen der Radebeuler Lebensart steht und Kulturgenuss mit Naturerlebnis verbindet.

Sie sind seit über 100 Tagen im Amt. Haben Sie sich in Radebeul schon eingelebt?

Ich fühle mich sehr wohl in Radebeul und vieles ist mir nun schon vertraut. Von den Kollegen und Partnern in der Kultur wurde ich sehr herzlich und offen aufgenommen. Die Arbeit ist genauso vielfältig, wie ich es mir vorgestellt habe und bietet viel Gestaltungsraum. Wichtig ist auch, dass ich eine Wohnung in Radebeul habe und so die Stadt und die Menschen schnell kennenlernen kann.

Haben Sie einen Lieblingsort in der Stadt?

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In Radebeul gibt es für mich viele Plätze, an denen ich gerne bin. Ich liebe Orte, an denen Geschichte fühlbar ist, erfreue mich an alten Weinbergsmauern und Winzerhäusern oder kleinen Gartenlauben, die ich entdecke. Mein aktueller Lieblingsort ist oben an der Sternwarte mit dem herrlichen Blick ins Elbtal hinunter auf die Stadt, die Weinberge und den Jacobstein. Hier vereint Radebeul ganz wunderbar Landschaft, Wein und Geschichte.

Das Gespräch führte Silvio Kuhnert.

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