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Radeburger Narren geben Vollgas für 65. Saison

Corona bremste auch die faschingsverrückten Zille-Städter aus. Doch gerade deshalb gab es zwei Premieren. Und auch Unterstützung für den Verein.

So fantasievoll und farbenfroh wie beim vorerst letzten Karnevalsumzug Ende Februar 2020 soll es auch im nächsten Jahr wieder in Radeburg zugehen. Das Motto steht nun fest. Doch Corona sorgt weiter für Unsicherheit.
So fantasievoll und farbenfroh wie beim vorerst letzten Karnevalsumzug Ende Februar 2020 soll es auch im nächsten Jahr wieder in Radeburg zugehen. Das Motto steht nun fest. Doch Corona sorgt weiter für Unsicherheit. © SZ/Sven Görner

Radeburg. Im vergangenen Jahr hatten die Närrinen und Narren des Radeburger Carnevals Clubs versucht, mit dem Motto für ihre 64. Saison Corona die Stirn zu bieten. Das ging schief. Denn offenbar nahm das Virus „Rabufiziert – eine Stadt im Faschingsfieber“ allzu wörtlich, ohne freilich zu wissen, was Fasching ist.

Und so geht dieser Jahrgang des närrischen Treibens als einer ohne die gewohnten Veranstaltungen im Hirsch und auf dem überdachten Marktplatz in die Analen des Vereins ein. Und natürlich war auch das Markenzeichen der Faschingshochburg - der große Umzug durch die Zille-Stadt - im Februar 2021 nicht möglich.

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Bleibt nun zu hoffen, dass die Verantwortlichen des RCC mit dem Motto für die 65. Saison ein glücklicheres Händchen haben und das ähnlich konsequent Wirklichkeit wird. Seit dem Wochenende steht fest, dass der RCC mit dem Anspruch „Rabu gibt Vollgas“ in seiner 65. Saison wieder durchstarten will. „Wenn es eine schwierige Situation gibt, bei der es darauf ankommt, Vollgas zu geben, dann doch wohl jetzt nach Corona“, sagt RCC-Präsident Olaf Häßlich.

Vereinsmitglieder verschieben angekündigten Abschied

Wobei er natürlich Realist genug ist, um das „nach Corona“ mit aller Vorsicht zu betrachten. „Aber was bleibt uns denn anders übrig, als nach vorn zu schauen. Wie wollen wir den sonst 2.000 Leute begeistern, wieder tolle Umzugswagen zu bauen.“ Der Vereinschef räumt allerdings auch ein, dass es derzeit immer noch eine sehr seltsame Situation ist. „Denn eigentlich kann sich keiner vorstellen, dass in der im November startenden Saison wieder alles ist wie vor Corona, doch genauso kann sich niemand vorstellen, dass erneut alles ausfällt.“

Dabei laufe die Arbeit im Verein derzeit wieder normal. Die Garde kann wieder proben, Narrenpolizei, Elferat und auch alle anderen Vereinsmitglieder können sich wieder treffen und an neuen Ideen arbeiten. Gleiches gilt für die vielen Umzugsgruppen, erst recht, nachdem nun auch das neue Motto feststeht. Doch diese Normalität trügt. Denn obwohl aktuell sogar wieder Veranstaltungen mit mehreren Tausend Besuchern möglich sind, gebe es doch eine entscheidende Einschränkung, so Olaf Häßlich. „Ich darf Veranstaltungsräume wie den Hirsch nur mit der Hälfte der eigentlich möglichen Kapazität auslasten. Mit der Anzahl von Leuten ist eine Veranstaltung dann aber wirtschaftlich nicht machbar.“

Was für die Bedeutung des Karnevals in Radeburg spricht, ist die Tatsache, dass die Närrinen und Narren dem RCC trotz der coronabedingten Durststrecke die Treue halten. Mehr noch: „Zwei, drei Leute aus dem Verein, die angekündigt hatten, nach der 64. Saison aufzuhören, machen nun weiter, weil das kein richtiger Abschluss für sie wäre“, sagt der RCC-Präsident.

Laufende Vereinskosten durch Spenden gesichert

Unter Umzugsteilnehmern wurden zudem 1.650 Euro für den Verein gesammelt. Durch die Haftbefehlsaktion der närrischen Justiz und Überweisungen nach der digitalen Prunksitzung kamen weitere 4.400 Euro zusammen. Und schließlich erbrachte noch das erstmals in einer limitierten Auflage verkaufte Umzugsheft einen Reinerlös von 1.850 Euro. Unterm Strich also 7.900 Euro, mit denen die jährlichen Fixkosten des Vereins in Höhe von rund 7.000 Euro gedeckt werden konnten. „Vor der neuen Saison stehen wir finanziell damit also genauso da, wie vor der letzten“, ergänzt Olaf Häßlich.

Sowohl die virtuelle Prunksitzung - coronakonform mit aufgezeichneten Programmnummern der Vorjahre gestaltet, als auch der Heftverkauf - dieses wird normalerweise in großer Stückzahl kostenlos verteilt - waren der Pandemie geschuldete Premieren. Und einmal mehr Beweis dafür, dass der Karneval in Radeburg einen besonderen Stellenwert hat.

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Eines bereitet ihm dennoch Sorgen: „Ich habe Bammel, dass sich einige der Umzugsgruppen nicht mehr zusammenfinden, wenn gar zu lange nichts passiert.“ Denn schließlich mache gerade diese mitunter schon in dritter Generation gepflegte Tradition das Besondere des Radeburger Volkskarnevals aus. „Andere haben versucht, diese Phänomen zu kopieren, was aber nicht gelungen ist. Denn so etwas muss wachsen und in den Familien weitergegeben werden.“

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