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Kaum Platz zum Umkleiden

Die Fußballer des RBC 08 hatten in diesem Jahr auf neue Sanitär- und Umkleideräume am Weinbergstadion gehofft. Jetzt ist alles noch schlechter.

Die Präsidiumsmitglieder Felix Gärtner (l.) und Florian Militschke stehen in der verkleinerten Herrenumkleidekabine, wo die Umbauarbeiten noch im Gange sind.
Die Präsidiumsmitglieder Felix Gärtner (l.) und Florian Militschke stehen in der verkleinerten Herrenumkleidekabine, wo die Umbauarbeiten noch im Gange sind. © Arvid Müller

Radebeul. Der Kunstrasenplatz des Radebeuler Weinbergstadions sei der definitiv schönst gelegene der sächsischen Landesliga, meinte einmal der Zweite Bürgermeister der Lößnitzstadt, Winfried Lehmann (CDU). Dem ist wohl nicht zu widersprechen, spielen die Kicker des Radebeuler Ballspiel-Club 1908 (RBC 08) doch in der Kulisse der Weinberge. Der Jakobstein und die Premiumlage von Schloss Wackerbarth sind nicht weit entfernt. Doch was die Umkleiden betrifft, stellt sich ein völlig entgegengesetztes Bild dar.

„Sie sind kein Aushängeschild für die Spielklassen, in denen wir unterwegs sind“, sagt Präsidiumsmitglied Felix Gärtner. Die 1. Herren- und Frauenmannschaft sind in der Landesliga, die A-, B-, C- und D-Junioren in der Landesklasse vertreten. An Spieltagen sind mitunter zwölf Mannschaften im Kabinentrakt unterzubringen. Für sie stehen gerade einmal sechs Räume sowie zwei Duschen, eine für Männer und eine weitere für Damen, zur Verfügung. „Die Kabinensituation hat sich akut verschlechtert“, klagt Gärtner.

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Nicht nur an Spieltagen ist es in dem Gebäude aus den 1950er Jahren, wo sich die Kabinen befinden, sehr beengt. 25 Mannschaften hat der RBC 08 im Spielbetrieb. Von den rund 550 Mitgliedern kicken 500 aktiv, davon sind mehr als 350 Kinder und Jugendliche. „Wir sind in Sachen Fußball die erste Anlaufstelle in Radebeul“, sagt Gärtner. Die Vereinsmitglieder seien aber nicht zufrieden mit den Zuständen, „in denen wir hausen“, so der Vereinsprecher.

Während einer Trainingszeit teilen sich drei bis vier Mannschaften das Spielfeld. Täglich trainieren über sechs Stunden durchschnittlich zehn verschiedene Teams auf dem Platz. Sie wollen vor den Trainingseinheiten oder einem Spiel sowie danach sich umziehen und eventuell auch duschen. 

Jedoch ist der Kabinentrakt für einen Verein der Größe des RBC 08 viel zu klein. So müssen sich beispielsweise vier Kindermannschaften bei einem Turnier eine muffige Kabine teilen. In den Duschen schimmelt es. „Hier herrschen mit Abstand die schlechtesten Zustände in der Landesliga und Landesklasse“, meint Gärtner. Die benachbarte Baracke mit den Trainingsutensilien ist schon längst abrissreif.

Optimistisch waren die Fußballer in dieses Jahr gestartet. Mit der Stadtbäder und Freizeitanlagen GmbH Radebeul (sbf), die das Weinbergstadion betreibt, hatte man sich im Sommer 2019 darauf verständigt, einen Containerbau mit vier zusätzlichen Kabinen und Duschräumen aufzustellen. Für das rund 400.000 Euro teure Vorhaben habe die sbf fristgerecht einen Förderantrag beim Freistaat Sachsen gestellt, informiert Präsidiumsmitglied Florian Militschke. In diesem Sommer sollten die Container geliefert und aufgebaut werden. So war der Plan.

Der Vereinsvorstand war voller Hoffnung, dass das Projekt so auch aufgeht. Als die Coronakrise kam und der RBC 08 ab Mitte März dieses Jahres den Spielbetrieb einstellen musste, suchte er nach Einsparpotenzial. Denn es blieben nicht nur Einnahmen durch den Verkauf von Getränken und Speisen bei den Fußballspielen aus, auch der ein oder andere Sponsor kürzte oder stellte seine finanzielle Unterstützung ein, weil sie ebenfalls durch die Krise wirtschaftlich gebeutelt wurden.

In freudiger Erwartung auf den neuen Umkleidecontainer kündigte der RBC 08 den Mietvertrag für seinen Casino-Container, um so 600 Euro im Monat zu sparen. Doch dann kam im Sommer die schlechte Nachricht, dass es mit den Fördermitteln nicht geklappt hat. Es waren mehr Anträge bei der Sächsischen Aufbaubank eingegangen, als Geld in diesem Jahr zu vergeben war. Jedoch ohne einen 50-prozentigen Zuschuss kann der sbf den Erwerb und Aufbau der neuen Kabinencontainer nicht stemmen. Jetzt fehlen nicht nur Umkleideräume, sondern auch das Casino.

Dieses diente nicht nur als Imbiss, sondern auch für Besprechungen, Vorstandssitzungen, Elternabende oder zum geselligen Beisammensein. Das ist nun nicht mehr vor Ort möglich. Um wenigstes eine kleine Alternative, für Spielanalysen und Taktikbesprechungen im 50er-Jahre-Bau zu schaffen, bauten die Fußballer in Eigenleistung den Herrenumkleideraum um. Nun haben die Männermannschaften noch weniger Platz zum Umziehen. 

Denn die Kabine schrumpfte, weil die Kicker eine Wand für den improvisierten Besprechungsraum einziehen mussten. Das Trainerzimmer und den Raum für die Geschäftsstelle opferten sie komplett. „Das Büro der Geschäftsführung besteht nur noch aus einem Schrank“, schildert Gärtner die Misere. „Es wird ein Kraftakt während des Spielbetriebs“, führt er weiter aus.

Alle Hoffnungen richten sich nun auf das kommende Jahr. Die sbf reicht erneut einen aktualisierten Fördermittelantrag bei der Sächsischen Aufbaubank ein, kündigt dessen Geschäftsführer Titus Reime an. Denn in puncto Umkleide und Sanitär muss im Weinbergstadion was passieren.

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