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Kein Budenzauber auf dem Dorfanger Altkötzschenbroda

Die Stadt Radebeul hat ihren Weihnachtsmarkt abgesagt. Auf Adventsstimmung will sie aber nicht verzichten.

Von Silvio Kuhnert
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Ein Foto aus besseren und coronafreien Zeiten. Die gegenwärtige pandemische Lage lässt einen unbeschwerten Weihnachtsmarkt auf dem Dorfanger ohne aufwendige Kontrollen und für jedermann nicht zu.
Ein Foto aus besseren und coronafreien Zeiten. Die gegenwärtige pandemische Lage lässt einen unbeschwerten Weihnachtsmarkt auf dem Dorfanger ohne aufwendige Kontrollen und für jedermann nicht zu. © Arvid Müller

Radebeul. Vor einem reichlichen Monat waren Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) und seine Kulturamtsleiterin Gabriele Lorenz noch guter Dinge, an drei Adventswochenenden den Weihnachtsmarkt "Lichterglanz und Budenzauber" veranstalten zu können. Sie hofften, dass Markttreiben in möglichst traditioneller Form mit Winzerglühwein für Erwachsene sowie Puppenspiel und Märchen für Kinder auf dem Dorfanger Altkötzschenbroda auf die Beine stellen zu können. Doch die Corona-Zahlen schnellten wieder nach oben. Und aufgrund der derzeit angespannten epidemischen Lage und der hohen Inzidenzwerte ist im Rathaus nun eine Entscheidung gefallen. "Wir werden die Familienweihnacht in der von der Stadt organisierten Form nicht durchführen", sagte das Stadtoberhaupt am Donnerstag.

Diese Entscheidung habe sich OB Wendsche nicht leicht gemacht: "Wir haben eine Woche lang intensiv im Kulturamt beraten." Bereits im vorigen Jahr musste der Adventsmarkt pandemiebedingt ausfallen. Dieses Mal hat der Freistaat grundsätzlich Weihnachtsmärkte ermöglicht.

Am 4. Oktober dieses Jahres nahm Kulturamtschefin Lorenz mit rund 30 weiteren Vertretern von kommunalen und privaten Veranstaltern an einer Videoschalte mit Sachsens Tourismus- und Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) teil. Danach war sie frohen Mutes, den Budenzauber auf dem Anger möglichst praktikabel und ohne aufwendige Kontrollen von 3G-Nachweisen oder Kontaktnachverfolgung organisieren zu können. Mit dieser Aussicht hatte Lorenz die Runde verlassen.

Absperrungen wie zum Weinfest nicht wiederholen

Doch seitdem sind die Infektionszahlen nach oben geschossen. Und seit Montag gilt eine neue Coronaschutzverordnung im Freistaat. Laut dieser hätten wie bereits zum Herbst- und Weinfest Flanier- und Verweilzonen geschaffen werden müssen. Halten sich dort weniger als 1.000 Personen auf, gilt nun allerdings die 3G-Regel. Bei mehr als 1.000 Besucher muss die 2G-Regelung eingehalten werden, Zutritt nur für Geimpfte und Genesene. "Die Enge des Angers gibt das Einhalten der Abstände nicht her", sagte Wendsche. Und Lorenz ergänzte: "Wir wollen nicht noch einmal Bereiche abtrennen." In der Vorcoronazeit genossen in Altkötzschenbroda an allen drei Adventssonntagen zusammen rund 60.000 Menschen die Vorfreude auf das Weihnachtsfest.

Wie im vorigen Jahr wird auf einen Lichterpfad nicht verzichtet.
Wie im vorigen Jahr wird auf einen Lichterpfad nicht verzichtet. © Norbert Millauer

Zudem soll im Freistaat kurz vor dem 1. Advent eine neue Coronaschutzverordnung in Kraft treten. "Wir wissen nicht, was drin steht", sagte Lorenz angesichts der aktuellen Entwicklung der Pandemie. Es wäre katastrophal, wenn alles bereits aufgebaut ist, den Weihnachtsmarkt dann abblasen zu müssen. Daher hat man jetzt diese Entscheidung getroffen. So bleiben noch reichlich zwei Wochen bis zum 1. Advent, um auch ohne Markttreiben eine weihnachtliche Stimmung auf dem Dorfanger zu schaffen.

Lichtkunst auf Anger und an Hausfassaden

Wenn Händler und Winzer schon keine Buden aufbauen können, möchte die Lößnitzstadt nicht auf Weihnachtsschmuck verzichten. So werden Weihnachtsbäume, der Figurenbaum und die Krippe den Dorfanger schmücken. Auch einen Lichterpfad gibt es wieder. "Den gestaltet dieses Mal die Künstlerin Claudia Reh", informierte Lorenz. Reh wird nicht nur für adventlichen Lichterzauber entlang der Kastanienallee sorgen. Die Illuminationskünstlerin hatte bereits im Sommer 2020 bei der Radebeuler Lebensart, Hausfassaden am Dorfanger in ein besonderes Licht gesetzt. Das wird sie im kommenden Advent wieder tun. Zudem ist ein Chorkonzert in der Friedenskirche geplant.

Den Lichterpfad gestaltet die Illuminationskünstlerin Claudia Reh. Wie im Sommer 2020 setzt sie auch die Häuserfassaden in Szene.
Den Lichterpfad gestaltet die Illuminationskünstlerin Claudia Reh. Wie im Sommer 2020 setzt sie auch die Häuserfassaden in Szene. © Norbert Millauer

Auch wenn das Kulturamt nun allen auswärtigen Händlern absagen musste, mit den ansässigen Gewerbetreibenden und Gastronomen bleiben die Rathausmitarbeiter weiter im Gespräch. Denn diese sollen und können im Freien vor ihren Geschäften und in den Höfen kleine selbst organisierte Adventsinseln schaffen, wo sie ihren Gästen für die Weihnachtszeit typische Angebote machen. An den Wochenenden des 1., 2. und 3. Advents wird zudem der Anger verkehrsberuhigt. Autos dürfen nur mit zehn Kilometern pro Stunde fahren.

Stadt will Gewerbetreibende unterstützen

Strafzahlungen oder Geldforderungen kommen auf die Lößnitzstadt durch die Absage des Weihnachtsmarktes nicht zu. Verträge waren bis jetzt noch keine mit Händlern von Kunsthandwerk, Geschenkartikeln und Textilien sowie Glühwein- und Bratwurstverkäufern unterschrieben, wie Lorenz berichtete. Allerdings gehen dem Kulturamt und der Stadt auch ein fünfstelliger Betrag durch den Wegfall der Standgebühren verloren. Trotz dieser Einnahmen war der Weihnachtsmarkt auch in der Vergangenheit ein Zuschussgeschäft, musste die Verwaltung Geld aus dem Stadtsäckel beisteuern, damit unter anderem das Kulturprogramm stattfinden kann.

Die hiesigen Händler, Gastronomen und Gewerbetreibenden sollen nun selbst Adventsstimmung auf den Anger bringen. Hierbei möchte das Kulturamt sie nicht nur mit Schmuck und Lichterpfad unterstützen. Beispielsweise beim Beseitigen von Müll will die Stadt Hilfe anbieten. Im vorigen Jahr quollen die Mülleimer auf dem Dorfanger am Ende der Adventswochenenden regelmäßig über, weil sich in ihnen Pappbecher türmten. Auch wenn die Gaststätten wegen des damals herrschenden Lockdowns geschlossen waren, durften die Wirte aus dem Fenster heraus Imbiss und Heißgetränke zum Mitnehmen verkaufen.