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Kein neuer Name fürs Mohrenhaus

Radebeuls Stadtrat will sich gegen eine Umbenennung der Villa aussprechen. Die jetzige Bezeichnung ist weder offiziell noch amtlich.

Die schlossartige Villa wird im Volksmund Mohrenhaus genannt. Seit 1946 dient das Gebäude der Kinder- und Jugendarbeit, wo der Geist der Völkerverständigung und Toleranz aktiv gelebt wird, meint die Stadt.
Die schlossartige Villa wird im Volksmund Mohrenhaus genannt. Seit 1946 dient das Gebäude der Kinder- und Jugendarbeit, wo der Geist der Völkerverständigung und Toleranz aktiv gelebt wird, meint die Stadt. © Arvid Müller

Radebeul. In der Debatte um eine Namensänderung des Mohrenhauses in Radebeul ist es ruhig geworden. Noch zu Beginn dieses Jahres hatte das Ansinnen einer Gruppe von Jugendlichen, die sich „Rassismus ist keine Alternative“, kurz Rika, nennt, noch für hitzige Diskussionen in der Lößnitzstadt sowie in den sozialen Netzwerken gesorgt. Als Reaktion auf die Forderung einer Namensänderung von Mohrenhaus und Mohrenstraße wurden zwei Petitionen gestartet. Wie der Stadtrat mit diesen umgehen soll, ist Thema auf der nächsten Sitzung des Bildungs-, Kultur- und Sozialausschusses (BKSA).

Zur Initiative der Jugendlichen für eine Namensänderung der Mohrenstraße hat der BKSA bereits eine Entscheidung getroffen. Die in dem Gremium vertretenen Stadträte sehen das Thema derzeit nicht als Gegenstand eines Beschlusses an. Sondern, ob der Straßenname rassistisch sei, wie die Rika-Gruppe meint, solle in der Zivilgesellschaft diskutiert werden. Mit den Jugendlichen will sich der BKSA zu einer Diskussionsrunde treffen.

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Über 1.200 Petenten aus Radebeul gegen Umbennung

Als das Ansinnen des Umbenennens des Straßenzugs sowie der schlossartigen Villa, in der der Radebeuler Ortsverband des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB) seinen Sitz hat und eine Kita betreibt, im Januar 2021 publik wurde, hat eine Elterninitiative auf der Online-Plattform Openpetition die Petition „Mohrenhaus soll Mohrenhaus bleiben!“ gestartet. Diese fand 2.040 Unterstützer, davon 1.133 in Radebeul. Gleichzeitig war die Petition „Wir sind gegen die Namensänderung des Mohrenhauses und der Mohrenstraße“ im Umlauf. Diese wurde von über 100 Petenten unterschrieben.

Das Ostportal wird von einer Wappenkartusche mit zwei Mohrenfiguren gekrönt.
Das Ostportal wird von einer Wappenkartusche mit zwei Mohrenfiguren gekrönt. © Arvid Müller

Nach einer nicht öffentlichen Vorberatung möchten die zwölf stimmberechtigten Mitglieder des BKSA folgenden Beschluss treffen: „Dem Anliegen, keine Umbenennung des Mohrenhauses vorzunehmen, wird gefolgt, da hier kein Handlungsbedarf gesehen wird.“ Das weitere Teilanliegen der zweiten Petition, keine Umbenennung der Mohrenstraße selbst, sei derzeit kein Beschlussgegenstand der Stadtratsgremien. „Etwaige Ergebnisse der verabredeten weiteren Befassung auf zivilgesellschaftlicher Basis bleiben abzuwarten“, heißt es im Beschlusstext. In der nicht öffentlichen Vorberatung fand dieser Beschlussvorschlag mit neun Für-Stimmen bei drei Enthaltungen eine Mehrheit. Gegenstimmen gab es nicht, wie der nun veröffentlichten Beschlussvorlage zu entnehmen ist.

Name ist eine überlieferte Bezeichnung

Das Gebäude Moritzburger Straße 51 befindet sich im Eigentum der Lößnitzstadt. Dieses ist samt dem weitläufigen Parkgelände am Westhang des Leimgrundes an den DKSB verpachtet. „Eine offizielle, sprich amtliche Benennung, von Gebäuden gibt es nicht. Die Benennung ist eine überlieferte Bezeichnung, die sich unter anderem im Figurenschmuck des Eingangsportales widerspiegelt“, erläutert die Stadtverwaltung in der Vorlage und verweist auf das Stadtlexikon. Dort heißt es: „Das umgebende Grundstück, ursprünglich Buschland, war schon im 17. Jahrhundert unter der Bezeichnung ‚die Mohrenköpfe‘ bekannt, die sich auf die Gestalt zweier Hügel bezog, die vom Tal aus gesehen an Mohrenköpfe erinnerten.“ Das Ostportal wird von einer Wappenkartusche mit zwei Mohrenfiguren gekrönt.

Die Lößnitzstadt möchte auf eine Namensänderung verzichten, da zum einen „eine formale Umbenennung des Gebäudes, die Bezeichnung des Gebäudes im Volksmund sicher nicht ändern würde“, heißt es in der Begründung der Beschlussvorlage. Zum anderen waren Versuche von Namensänderungen in der Vergangenheit nicht erfolgreich. So wurde beispielsweise der Bismarckturm zu DDR-Zeiten in Turm der Jugend umbenannt. Der Name setzte sich aber nicht durch.

Im Gebäude war zeitweise ein Kinderheim untergebracht

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Einst als Wohnhaus gebaut, wurde die Villa 1944 als Jugendherberge genutzt. 1946 richtete die Stadt eine Kindertagesstätte darin ein. Daneben diente das Haus laut Stadtlexikon zeitweise als Heim für koreanische Kinder. Seit 1991 betreibt der DKSB die Kita. Der Ortsverband hat später zudem einen Freizeittreff für Kinder und Jugendliche dort eröffnet und den integrativen Kinderzirkus Sanro ins Leben gerufen. „Gerade die Art und Weise der Nutzung für Zwecke der Kinder und Jugendarbeit in Vergangenheit und Gegenwart zeigen, dass hier der Geist der Völkerverständigung und Toleranz aktiv gelebt wird“, lautet der Schlusssatz in der Beschlussvorlage.

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