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Kein Wohnhaus in zweiter Reihe erwünscht

Die Stadt Radebeul will Gärten zwischen Makarenko- und Zillerstraße vor Überbauung schützen. Sie stellt deshalb einen neuen B-Plan auf.

Wie eine ländliche Idylle zu Füßen der Weinberge muten die Wohnhäuser mit ihren großzügigen Gärten entlang der Schweizerstraße im Stadtteil Niederlößnitz an. Das viele Grün möchte die Lößnitzstadt bewahren.
Wie eine ländliche Idylle zu Füßen der Weinberge muten die Wohnhäuser mit ihren großzügigen Gärten entlang der Schweizerstraße im Stadtteil Niederlößnitz an. Das viele Grün möchte die Lößnitzstadt bewahren. © Arvid Müller

Radebeul. Reichlich Grün prägt die Schweizerstraße in Radebeul. Die Grundstücke links und rechts des Straßenzugs im Villengebiet Niederlößnitz haben nicht nur Vorgärten zu bieten. Auch dahinter gibt es reichlich Platz für Wiesen, Bäume, Sträucher und Beete. „Es ist ein Gebiet, was noch relativ unberührt ist“, sagt Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos). 

Er meint damit, dass dort, im Gegensatz zu anderen Quartieren in der Lößnitzstadt, noch keine Wohnhäuser in der sogenannten zweiten Reihe, quasi in den Gärten, stehen. Verwaltung und Stadtrat wollen diesen Zustand erhalten.

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Auf der jüngsten Sitzung fassten die Räte mehrheitlich einen Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan (kurz: B-Plan) mit der Nummer 101. Er umfasst das rund fünf Hektar große Areal zwischen Zillerstraße im Westen, Makarenkostraße im Osten, Winzerstraße im Norden und Borstraße im Süden. Mitten hindurch führt die Schweizerstraße. Ziel sei es, das „Hinterland“ vor einer Überbauung zu schützen, informierte Müller.

„Wir wollen in dem Quartier eine geordnete Entwicklung“, führt der Vizestadtchef weiter aus. Das heißt, Wohnen entlang der Straße, aber nicht im hinteren Bereich. Das überlieferte Stadtbild Radebeuls als Garten- und Villenstadt soll in dem Bereich erhalten bleiben.

Nebengebäude soll für neues Wohnhaus weichen.

Anlass für den B-Plan ist ein konkretes Bauansinnen. Ein Anrainer wollte anfangs ein Hinterhaus zu einem Wohnhaus umbauen. Die Rechtmäßigkeit seines Wunsches hat ihm ein Gericht bestätigt. Doch nun liegt der Stadtverwaltung ein Antrag auf Abriss des Nebengebäudes vor. An dessen Stelle will der Eigentümer ein neues Eigenheim errichten. Dieses Baugesuch habe mit dem Gerichtsurteil nichts mehr zu tun, erklärt Müller. Das Recht auf Nutzungsänderung bestehe, auf Neubau jedoch nicht. 

Der Bau eines neuen Hauses würde für einen Präzedenzfall sorgen. Ließe die Stadt das Ansinnen zu, müsste sie künftig jeden Bauantrag auf den jetzt noch grünen Flächen in dem Gebiet genehmigen. Das will sie aber nicht. Denn, wie bereits erwähnt, soll die lockere villenartige Bebauung mit den großzügigen Gartenbereichen bewahrt bleiben.

Nach dem Aufstellungsbeschluss muss die Verwaltung den B-Plan nun erarbeiten. Damit während des Verfahrens keine umkehrbaren Fakten geschaffen werden, hat der Stadtrat über das Gebiet eine sogenannte Veränderungssperre verhängt. Solang diese gilt, darf in dem Areal weder etwas abgerissen noch gebaut werden.

Erhaltungssatzung bietet in diesem Fall keinen Schutz.

Das Wohnquartier liegt im Geltungsbereich der Erhaltungssatzung. Vor rund einem Jahr hat sich der Stadtrat auf den Weg gemacht, für die Villengebiete Ober- und Niederlößnitz Gestaltungsrichtlinien festzulegen, um den Charakter Radebeuls als Garten- und Villenstadt zu schützen. Mitte 2022 sollen erste Ergebnisse und Entwürfe für Bau- und Gestaltungsvorgaben vorliegen. 

Mit Hilfe der Erhaltungssatzung lässt sich das Baugesuch nicht unterbinden - nicht, weil diese noch auf sich warten lässt. Sondern sie hat den Schutz des Stadtbildes entlang von Straßenzügen zum Inhalt. Die zu unterbindende Bebauung in der zweiten Reihe liegt aber von der Straße weg und ist von dieser aus nicht sichtbar. Deshalb stellt die Stadt den gesonderten B-Plan auf.

Großteil der Stadträte steht auf der Seite der Verwaltung.

„Das ist der richtige Weg“, pflichtete kurz und knapp CDU-Stadtrat Wolfgang Jacobi in der Debatte den Plänen der Verwaltung bei. „Wir unterstützen das Anliegen. Wir wollen Quartiere vor weiterer Verdichtung bewahren“, sagte auch Eva Oehmichen, Fraktionschefin von Bürgerforum/Grüne/SPD. 29 Räte stimmten dem Aufstellungsbeschluss für B-Plan Nummer 101 zu.

Die drei Räte der FDP-Fraktion enthielten sich der Stimme. Für sie stellt die jetzige Vorlage nur ein Verbot dar. „Wir hätten uns gewünscht, dass mit dem B-Plan Entwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt werden“, begründete Johannes Domasch das Abstimmungsverhalten. Sprich, die Liberalen wollen eine generelle Diskussion darüber führen, was an Bebauung in dem Quartier möglich sein soll und was nicht.

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