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Keine Indianertänze mehr im Lößnitzgrund?

Der Zugang zu dem Steinbruch im Lößnitzgrund ist versperrt. Ist damit das Powwow in Radebeul zu den Karl-May-Festtagen bedroht?

Im Jahr 2019 tanzten noch echte Apachen am Fuße des Kleinen Steins:
Im Jahr 2019 tanzten noch echte Apachen am Fuße des Kleinen Steins: © Arvid Müller

Radebeul. In rund zwei Wochen hätte der Lößnitzgrund zu den Karl-May-Festtagen 2021 gerufen. Denn traditionell steht am Wochenende nach Himmelfahrt immer das Cowboy- und Indianerfest in Radebeul an. Im vorigen Jahr musste es jedoch wegen der Corona-Pandemie ausfallen. Und in diesem hat das städtische Kulturamt als Organisator vorsorglich die dreitägige Sause in den Sommer verlegt.

Zu den Karl-May-Festtagen begrüßt die Lößnitzstadt jedes Mal echte Indianer Nordamerikas. Vertreter indigener Völker zeigen beim Powwow traditionelle Tänze und singen Lieder. Früher war der ehemalige Steinbruch Hoher Stein Schauplatz der Indianertänze. Doch seltene Vogelarten machen den Aufbau ihrer Tipis seit 2017 nicht möglich. Denn dort brüten Tiere der streng geschützten Arten Wanderfalke (Falco peregrinus). Später kam noch der Uhu (Bubo bubo) hinzu. „Die Nutzung der Steinbruchsohle für das Karl-May-Fest scheiterte seither am Beeinträchtigungsverbot vorgenannter Bruten“, teilt die Untere Naturschutzbehörde (UNB) des Landkreises Meißen mit.

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Bauzäune versperren derzeit den Zugang zu dem ehemaligen Steinbruch Kleiner Stein an der Ecke Lößnitzgrundstraße, Dorfgrund.
Bauzäune versperren derzeit den Zugang zu dem ehemaligen Steinbruch Kleiner Stein an der Ecke Lößnitzgrundstraße, Dorfgrund. © Arvid Müller

Am Hohen Stein brüten Wanderfalke und Uhu

Als Ausweichquartier dient seither der Kleine Stein. Aber auch in diesem Steinbruch machten schon seltene Vogelarten von sich reden. So haben Kolkraben (Corvus corax) im Jahr 2018 in den Felswänden gebrütet. Kurze Zeit war fraglich, ob die Indianer an der Felssohle tanzen und singen dürfen. Es gab aber grünes Licht von den Umwelt- und Naturschützern.

Den Eingang zum Kleinen Stein an der Ecke Lößnitzgrundstraße, Dorfgrund versperren Bauzäune. An Bäumen sind Schilder angebracht. Auf denen ist eine Eule abgebildet, wie auf einem Naturschutzschild. Darunter steht: „Betreten verboten“.

Auf Schildern an Bäumen steht: Betreten verboten.
Auf Schildern an Bäumen steht: Betreten verboten. © Arvid Müller

Haben seltene Tier- und Vogelarten die zwei Jahre Zwangspause für die Karl-May-Festtage im Frühling genutzt, um den Lößnitzgrund weiter zu erobern? Breiten sich Wanderfalke, Uhu und Co. auch auf den Kleinen Stein aus? Oder was ist der Grund für die Sperrung?

Keine Kletterer erwünscht

Aus dem Radebeuler Rathaus heißt es nur kurz: Absperrung aus Sicherheitsgründen und Naturschutz, auf SZ-Anfrage. Das Landratsamt in Meißen war da auskunftsfreudiger. „Die bisherige Sperrung (Kennzeichnung durch ein Schild) des Kleinen Steins im Lößnitzgrund erfolgte auf Hinwirken der Naturschutzbehörde. Die Sperre dient der Durchsetzung des Betretungsverbots in Zusammenhang mit dem Biotop- und Artenschutz und der Gewährleistung der FFH-Erhaltungsziele“, teilt Anja Schmiedgen-Pietsch, Sprecherin des Landratsamts, mit.

Brühten am Kleinen Stein wieder Kolkraben oder andere seltene und geschützte Vogelarten?
Brühten am Kleinen Stein wieder Kolkraben oder andere seltene und geschützte Vogelarten? © Patrick Pleul/dpa

Mit dem Verbotsschild sollen vor allem Kletterer von dem einstigen Steinbruch ferngehalten werden. „Ein Betretungsverbot für den Kleinen Stein besteht behördlicherseits derzeit für die Steinbruchwand“, berichtet Schmiedgen-Pietsch. Die Felswände liegen im Natura-2000-Schutzgebiet SAC 159 „Lößnitzgrund und Lößnitzhänge“. Dort befinden sich sogenannte Silikatfelsen mit Pioniervegetation, die in einem sehr guten Zustand sind. Dieser muss erhalten werden.

Seltene Pflanzen wachsen an der Felswand

Die Felswände sind von den zu schützenden Biotoptypen offene Felsbildung und Silikattrockenrasen geprägt. Dort gedeihen vom Aussterben bedrohte oder stark gefährdete sowie besonders geschützte Gefäßpflanzen, wie zum Beispiel der Berg-Lauch.

Die Steinbruchsohle hat das Landratsamt sowohl 2018 und 2019 für den Indianerspielplatz im Rahmen der Karl-May-Festtage freigegeben. „Seitens der Naturschutzbehörde bestehen derzeit gegen eine Wiederholung dieser Nutzung an dieser Stelle in diesem Jahr keine Vorbehalte“, informiert Schmiedgen-Pietsch. Damit können zu den Karl-May-Festtagen dort wie in den vergangenen Jahren Tanz- und Gesangsaufführungen der Indianer steigen.

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Das Radebeuler Cowboy- und Indianerfest ist für das Wochenende vom 9. bis 11. Juli 2021 im Lößnitzgrund geplant. Es soll stattfinden, wenn nicht Auflagen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie das dreitägige Fest untersagen.

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