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Kita-Anbau bleibt in der Schublade

Erst haben Eltern und Stadträte mit der Stadtspitze in Radebeul hitzig über das Bauvorhaben an der Kita Thomas Müntzer gestritten. Nun liegt das Projekt auf Eis.

Die Pläne für den Anbau sehen einen Zweigeschosser vor. Ob dieser Entwurf nun auch gebaut wird, steht derzeit in den Sternen. Im Haushalt sind keine Finanzmittel eingeplant.
Die Pläne für den Anbau sehen einen Zweigeschosser vor. Ob dieser Entwurf nun auch gebaut wird, steht derzeit in den Sternen. Im Haushalt sind keine Finanzmittel eingeplant. © Rau Architekten

Radebeul. Erst diskutierte der Stadtrat über Stunden, dann beriet eine Arbeitsgruppe fast ein Jahr lang, bis im März 2020 schließlich der Baubeschluss zu einer Erweiterung der Kita Thomas Müntzer in Radebeul fiel. Die Lößnitzstadt möchte die Einrichtung in einer Villa an der Meißner Straße in Mitte durch einen Anbau erweitern. Nun muss gesagt werden: Sie wollte. Denn im aktuellen Investitionsplan des Stadtbauamtes ist für das Bauprojekt in diesem sowie in den nächsten Jahren bis einschließlich 2024 kein Cent eingestellt. Im Haushaltsentwurf 2021 ist sogar der Satz zu lesen: „Maßnahme entfällt vorläufig.“

Als der Stadtrat vor fast einem Jahr den Baubeschluss einstimmig fasste, sollten laut Terminplan im November 2020 die Bauarbeiten beginnen und im Oktober 2021 die Inbetriebnahme erfolgen. Der Anbau an der Ostseite des Villengebäudes war als neue Heimstatt für die Kinder aus der Kita Harmoniestraße gedacht. Sie müssen ihr Haus im Stadtteil Kötzschenbroda räumen, weil das Gebäude für den Neubau der dortigen Oberschule weichen muss.

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Planung bis Phase 6 vorbereitet

Doch bislang sind keine Bauarbeiten auf dem großzügigen und fast schon wie ein kleiner Wald anmutenden Grundstück der Thomas-Müntzer-Kita gestartet. Daher bohrte Stadtrat Oliver von Gregory (Bürgerforum/Grüne) nun bei Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) mit einer schriftlichen Anfrage nach, was zur Verzögerung geführt habe und wie denn der neue Zeitplan aussehe.

Über einen Glasbau sollte der Anbau mit der Villa verbunden werden.
Über einen Glasbau sollte der Anbau mit der Villa verbunden werden. © Rau Architekten

Laut Stadtoberhaupt ist nach dem Baubeschluss die Planung weiter vorangeschritten. „Derzeit befinden sich die Leistungsverzeichnisse für das Gebäude in der abschließenden Erarbeitung (Leistungsphase 6)“, antwortet der OB. Bei diesem Planungsschritt in dem neunstufigen Verfahren werden die einzelnen Baulose für Ausschreibung und Vergabe vorbereitet. Ein Bauantrag liegt der Verwaltung seit August 2020 vor. Die Genehmigung wird laut Wendsche im zweiten Quartal dieses Jahres erwartet. Durch die Corona-Pandemie haben an dem Projekt beteiligte Planungsbüros Verzögerungen angezeigt. Der OB gibt den Verzug mit sechs Monaten an.

Seine Antwort auf von Gregorys Anfrage liest sich zunächst, als ob es in diesem Jahr zu einem verspäteten Baubeginn kommt. Doch im letzten Absatz fällt der Paukenschlag. Für die hauptamtliche Verwaltung wurde im November und Dezember 2020 erkennbar, „dass die Umsetzung des Projektes nicht wie ursprünglich geplant erfolgen kann“, so Wendsche.

Weniger Geburten in Radebeul erwartet

Was war passiert? In jener Zeit bereitete die Verwaltung den Finanz- und Investitionsplan für dieses Jahr vor. Beim Einordnen von Bauprojekten in den Haushalt werden diese auch im Hinblick auf die weitere Entwicklung der Einwohnerzahl neu bewertet.

Seit Beginn des Planprozesses geht die Stadtverwaltung von einem Rückgang der Geburtenzahl aus. Vom Kita-Standort in Kötzschenbroda sollten 56 Plätze an den Standort in Radebeul-Mitte verlagert werden, 13 weniger als jetzt vorhanden. Jedoch die Bevölkerungsentwicklung der vergangenen zwei Jahre und die daraus resultierende Prognose zeigen, dass der Geburtenrückgang früher eingesetzt hat und größer ausfällt als erwartet. „Einen Zeitplan zur weiteren Umsetzung kann es erst nach Klärung der daraus resultierenden Belange geben“, so Wendsche. Das heißt, die Verwaltung prüft, in welchem Umfang oder ob überhaupt in den nächsten Jahren noch der Bedarf nach zusätzlichen Plätzen am Standort der Kita Thomas Müntzer besteht.

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Im Frühsommer vor beinah zwei Jahren hatte der Stadtrat auf einer Sitzung zweieinhalb Stunden über den Anbau gestritten. Eltern hatten sich beschwert, dass durch diesen Freiflächen auf dem Grundstück wegfallen und zahlreiche Bäume gefällt werden müssen. Sie machten alternative Vorschläge für einen Standplatz. Die damalige Diskussion fiel mitten in den Kommunalwahlkampf 2019. Der Stadtrat berief eine Arbeitsgruppe ein. Diese hatte an der ursprünglich heftig kritisierten Planung später nur Nuancen verändert.

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