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Radeburg lässt Corona-Tester schulen

Erzieher in Kitas können jede Woche kostenfrei getestet werden. Doch wer nimmt die Tests vor? Die Kommunen gehen dabei unterschiedliche Wege.

Die Volkersdorfer Kita-Leiterin Anja Wolf nimmt in der Schulung bei ihrer Kollegin Kathrin Pörsel aus Großdittmanndorf den für den Corona-Test erforderlichen Nasenabstrich vor.
Die Volkersdorfer Kita-Leiterin Anja Wolf nimmt in der Schulung bei ihrer Kollegin Kathrin Pörsel aus Großdittmanndorf den für den Corona-Test erforderlichen Nasenabstrich vor. © Arvid Müller

Radeburg. Wer am Montagnachmittag zufällig durch die Scheiben einen Blick in den Radeburger Ratssaal wirft, wird sofort an die in vergangenen Wochen häufig in Presse und Fernsehen zu sehenden Bilder erinnert. Mitten im Raum steht ein Mann in weißem Kapuzen-Overall, mit blauen Überschuhen an den Füßen. Handschuhe, FFP2-Schutzmaske und ein stabiles Gesichtsvisier schotten die Person zusätzlich von der Außenwelt ab.

Was auf den ersten Blick wirkt, als wäre hier ein Corona-Test-Zentrum eingerichtet worden, weckt angesichts der zehn im Raum sitzenden Frauen und Männer indes Zweifel. Und tatsächlich werden hier zwar an diesem Tag noch Antigen-Schnelltests durchgeführt, allerdings im Rahmen einer Schulung. Mit dieser hat die Stadtverwaltung Radeburg das DRK Dresden-Land beauftragt. Teilnehmer der rund zweistündigen Veranstaltung sind Erzieherinnen aus Kitas in Radeburg, Ersthelfer aus der Stadtverwaltung und dem Bauhof, und auch der Abwasserzweckverband Promnitztal ist vertreten.

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Als der Freistaat vor gut einer Woche verkündet hat, dass er den Kitas kostenlose Schnelltests für die wöchentliche Testung der Mitarbeiter zur Verfügung stellen will, wurde auch in Radeburg überlegt, wie das bewerkstelligt werden kann. Denn durchgeführt werden müssen diese per Nasenabstrich von geschultem Personal. Das DRK und andere Verbände können das sachsenweit kaum absichern. „Wir hatten auch überlegt, jemanden auf 450-Euro-Basis einzustellen und schulen zu lassen“, sagt Bürgermeisterin Michaela Ritter (parteilos).

Sven Werner, vom DRK-Kreisverband Dresden-Land, der die Schulung durchführt, hilft Anja Wolf beim Festkleben ihrer Handschuhe.
Sven Werner, vom DRK-Kreisverband Dresden-Land, der die Schulung durchführt, hilft Anja Wolf beim Festkleben ihrer Handschuhe. © Arvid Müller

Am Ende wurde dann aber entschieden, die Leiterinnen der beiden städtischen Kitas sowie das genannte städtische Personal unterweisen zu lassen, falls die Teststrategie künftig ausgeweitet wird oder eine der Testerinnen in den Kitas nicht da ist. „Auch den beiden freien Trägern in der Stadt, dem Kinderschutzbund und der Awo haben wir die Teilnahme angeboten“, ergänzt die Rathauschefin. Letztere hat dies allerdings nicht angenommen, sondern wählt einen eigenen Weg.

Die Person in der Raummitte ist mit ihren Erklärungen zur Anzugsordnung bei den Testungen fertig und schält sich inzwischen wieder aus der Schutzkleidung. Auch dabei muss, wie beim Anziehen, genau auf die Reihenfolge geachtet werden. Diesmal, um sich an möglicherweise mit Viren kontaminierter Ausrüstung nicht zu infizieren. Bis auf das Visier muss alles entsorgt werden. Die Handschuhe müssen sogar nach jeder getesteten Person gewechselt werden. Zumindest die äußeren. Denn darunter, direkt auf der Haut, ist zur Sicherheit noch ein zweites Paar zu tragen. Damit diese Handschuhe nicht zufällig mit abgezogen werden, ist es sinnvoll, diese am Handgelenk mit Klebeband zu fixieren. Auch das wird von den Teilnehmern nun gleich geübt werden.

Der Mann aus dem Schutzanzug ist übrigens in der Stadt kein Unbekannter. Doch auch über Radeburg hinaus war Sven Werner 2009 bekannt geworden, als er in seiner Heimatstadt die erste Bambini-Feuerwehr Sachsens auf die Beine stellte.

Derzeit hat er nun beim DRK viel zu tun im Kampf gegen das Coronavirus. Denn wie sein Chef Frank Sipply vom DRK-Kreisverband Dresden-Land sagt, werden die Schulungen für Tester gut angenommen. „Vor allem Firmen sind sehr interessiert.“ Denn viele Bereiche, die zur Aufrechterhaltung des öffentlichen Lebens wichtig sind, dürfen mittlerweile Antigen-Tests selbst direkt kaufen. Daher hat die Stadtverwaltung das Schulungsangebot auch mit an den Abwasserzweckverband gerichtet.

Der Tupfer kommt nach dem Nasenabstrich für eine Minute in eine spezielle Flüssigkeit.
Der Tupfer kommt nach dem Nasenabstrich für eine Minute in eine spezielle Flüssigkeit. © Arvid Müller
Von dieser werden danach vier Tropfen in das Testgerät gefüllt.
Von dieser werden danach vier Tropfen in das Testgerät gefüllt. © Arvid Müller
Ein Strich beim C bedeutet Test negativ. Zeigt das Geräte einen zweiten beim T, ist die Person positiv auf das Corona-Virus getestet.
Ein Strich beim C bedeutet Test negativ. Zeigt das Geräte einen zweiten beim T, ist die Person positiv auf das Corona-Virus getestet. © Arvid Müller

Nach gut einer Stunde Theorie geht Sven Werner nun zum praktischen Teil über. Auch hier gilt wie für die Kita-Mitarbeiter: Sich testen zu lassen, ist eine freiwillige Sache. Nach dem Anlegen der Schutzbekleidung - in diesem Fall sind es blaue Einwegkittel statt eines Overalls - wird es ernst.

Anja Wolf, die Leiterin der Volkersdorfer Kita, testet zunächst Kathrin Pörsel, ihre Amtskollegin aus Großdittmannsdorf. Das Gute an dem vom Land zur Verfügung gestellten Test: Die Tupfer müssen für den Abstrich nur zwei bis vier Zentimeter weit in die Nase eingeführt werden. Allerdings in beide Löcher. Dass dem Getesteten dabei Tränen kommen, lässt sich kaum vermeiden. Dennoch ist diese Variante in der Regel deutlich angenehmer als ein tiefer Nasenabstrich oder einer im Rachen.

Geschafft. Der Abstich ist problemlos geglückt. Sven Werner gibt noch den Tipp, aufgeregte Testpersonen möglichst durch Beschäftigung abzulenken. Etwa, indem man sie mit einem Finger ihre Wange massieren lässt.

Der Tupfer kommt für eine Minute in ein kleines Röhrchen mit einer Flüssigkeit, aus diesem dann vier Tropfen in das Testgerät geträufelt werden. Nun heißt es 15 Minuten warten. So bleibt Zeit, die eine oder andere Frage zu klären. Beispielsweise, ob sich die Geschulten auch selbst testen können: Praktisch ist das möglich, allerdings darf das Ergebnis dann nicht wie vorgegeben dokumentiert werden. Was bedeutet, dass die beiden Kita-Leiterinnen von jemand anderem getestet werden müssen.

Positiv: alle Probetests waren negativ

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Das positive Ergebnis nach rund zwei Stunden Schulung: Alle Tests waren negativ. Der Nachteil: Keiner der Teilnehmer bekommt das bescheinigt. Denn Sven Werner darf in Radeburg zwar schulen, nicht aber testen oder diese bestätigen, da er nicht zum Testkonzept der Stadt gehört, wie er erklärt. So will es die Vorschrift. Den Tests in den Einrichtungen steht indes nun nichts mehr im Wege. Denn die Kita-Leiterinnen konnten Testmaterial und -ausrüstung im Anschluss im Rathaus abholen.

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