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Knatsch um Neubau an der Friedsteinstraße

Drei neue Häuser entstehen nahe Schloss Wackerbarth an der Meißner Straße. Die Baustelle stößt wegen Größe und blockierter Zufahrt auf Ablehnung.

Unter dem Schnee ist derzeit nicht zu erkennen, dass Baucontainer, Kran und Baumaterial auf der Friedsteinstraße stehen. Sie wurde für die Baustelle „Quartier Wackerbarth“ gesperrt.
Unter dem Schnee ist derzeit nicht zu erkennen, dass Baucontainer, Kran und Baumaterial auf der Friedsteinstraße stehen. Sie wurde für die Baustelle „Quartier Wackerbarth“ gesperrt. © Norbert Millauer

Radebeul. An der westlichen Ecke von Meißner und Friedsteinstraße ziehen in Radebeul Bauleute Wände für sechs Wohnungen hoch. Der Neubau bildet aber nur einen Teil des „Quartiers Wackerbarth“, wie das Projekt vom Investor, der MSD Projekt GmbH mit Sitz in Dresden, wegen der Nähe zum Staatsweingut getauft wurde. Dahinter befinden sich zwei Doppelhäuser mit insgesamt vier Wohneinheiten im Bau. Allen gemeinsam ist eine Tiefgarage.

Die Baustelle nimmt das gesamte Grundstück ein. Daher stehen Kran, Baucontainer und Baustoffe auf der Friedsteinstraße und dem Gehweg direkt vor dem Baugrundstück. Die Straße ist dafür an der Stelle voll gesperrt.

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Baustelle und Baufahrzeuge blockieren Zufahrten

Christian Lempe will das nicht schmecken. Sein Grundstück samt Haus, in dem seine Tochter wohnt, liegt direkt gegenüber an der Ostecke von Meißner und Friedsteinstraße. Somit befindet sich der gesperrte Straßenbereich unmittelbar vor dem Grundstückstor. Von der Friedsteinstraße aus sei das Wohnhaus mit dem Fahrzeug nicht mehr zu erreichen, beklagt Lempe.

Das Eckgrundstück verfügt auch über eine Ein- und Ausfahrt zur Meißner Straße hin. „Diese wird aber immer wieder durch Baufahrzeuge blockiert“, moniert Lempe. Entweder parken die Bauarbeiter ihre Transporter entlang des Straßenrands, ohne den Bereich vor dem Grundstückstor frei zu halten, oder aber Mischfahrzeuge stehen in der Warteschleife auf der Meißner Straße, um frischen Beton zu liefern. „So behindern sie nicht nur unsere Grundstückszufahrt, sondern auch den Straßenverkehr“, missbilligt Lempe.

Im November stand die Tiefgarage. Sie nimmt fast das ganze Grundstück ein.
Im November stand die Tiefgarage. Sie nimmt fast das ganze Grundstück ein. © Arvid Müller

Notfußweg nicht ausreichend beleuchtet

Der Radebeuler sorgt sich zudem um die Sicherheit von Passanten. Denn Baumaterial steht immer wieder auf dem Gehweg. Nachts sei der angelegte Notfußweg nicht ausreichend beleuchtet, so Lempe. Tagsüber hievt der Kran vom Gehweg die Baustoffe auf die Baustelle oder lädt Material von Hängern der Lieferfahrzeuge auf den Fußweg ab. Der Kran kreise so immer wieder über den Köpfen von Fußgängern. „Der Aufenthalt unter schwebenden Lasten ist zwangsläufig“, berichtet Lempe.

Als überdimensioniert und nicht mehr zeitgemäß empfindet er das Bauvorhaben. Durch die Tiefgarage und die drei Gebäude bleibe auf dem Grundstück kein Platz mehr für Bäume. Das bisschen Grün über der Tiefgarage und zwischen den drei Betonbauten biete auch kaum Lebensraum für Kleinstlebewesen. Zudem ignoriere die Architektur des Neubaus die umliegende Bebauung in Art, Höhe und Aussehen. Andere Anrainer würden bereits erwägen, ihren Grund und Boden zu verkaufen, weil die künftigen Nachbarn von ihren Balkons aus in ihr Grundstück schauen können, schildert Lempe. „Wie konnte die Stadt dieses Bauvorhaben genehmigen, das so groß ist, dass Baugerät und Baumaterial nicht mehr auf das Grundstück passen, sondern der Straßenraum in Anspruch genommen werden muss?“, fragt Lempe.

Straße darf nach StVO für Baustelle genutzt werden

„Im Rahmen von unter anderem Baumaßnahmen ist es möglich, eine öffentlich gewidmete Straße zu sperren. Rechtsgrundlage ist hier die Straßenverkehrsordnung (StVO) sowie die dazugehörigen Richtlinien und Verordnungen“, teilt die Stadtverwaltung mit. Kommen nun das Aufstellen von Baustelleeinrichtungen, Ablagern von Baumaterialien oder Ähnliches hinzu, so kann das im Rahmen einer Sondernutzungserlaubnis genehmigt werden. Grundlage ist hier das Sächsische Straßengesetz (SächsStrG). „Die Sperrung der Friedsteinstraße geschah aufgrund der unzureichenden Platzverhältnisse im eigentlichen Grundstück“, lautet die Antwort des Sachgebiets Verkehrsangelegenheit.

Die Visualisierung auf der Bautafel zeigt, wie die drei Häuser auf dem Eckgrundstück einmal aussehen sollen.
Die Visualisierung auf der Bautafel zeigt, wie die drei Häuser auf dem Eckgrundstück einmal aussehen sollen. © Arvid Müller

Die städtische Verkehrsbehörde hat auch Kontrollen bezüglich der Einhaltung der StVO und der dazugehörigen Richtlinien vorgenommen. Dabei wurden keine Mängel festgestellt. Die Kontrolle der Beleuchtung der Straße beziehungsweise, inwieweit sich Passanten möglicherweise unter schwebenden Lasten bewegen müssen, obliegt jedoch nicht der Straßenverkehrsbehörde, heißt es aus dem Rathaus.

Neubauten waren ursprünglich größer geplant

Das Neubauvorhaben Meißner Straße 324 richtet sich nach Paragraf 34 Baugesetzbuch. Dessen Anwendung liegt nicht im Ermessen der zuständigen Behörde. „Ist ein Bauvorhaben zulässig, ist die Genehmigung zwingend zu erteilen“, informiert die Stadtverwaltung.

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