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Kulturbahnhof Radeburg öffnet wieder die Türen

Die im Frühjahr geplanten Konzerte fielen ebenso aus wie Veranstaltungen im Sommer. Doch jetzt soll der Betrieb behutsam hochgefahren werden.

Der Radeburger Kulturbahnhof lädt nach der Corona-Zwangspause am Sonntag zur ersten Veranstaltung ein. Vorher soll aber noch die Tür in Ordnung gebracht werden, die Betreiber Frank Mietzsch (re.) am Montag mit Uwe Fiedler in Augenschein nahm.
Der Radeburger Kulturbahnhof lädt nach der Corona-Zwangspause am Sonntag zur ersten Veranstaltung ein. Vorher soll aber noch die Tür in Ordnung gebracht werden, die Betreiber Frank Mietzsch (re.) am Montag mit Uwe Fiedler in Augenschein nahm. © Arvid Müller

Radeburg. Eines ist Frank Mietzsch ganz wichtig: „Alle Besucher sollen ein gutes Gefühl haben und sich sicher fühlen.“ Und so dreht sich im SZ-Gespräch mit dem Betreiber des Radeburger Kulturbahnhof dann zunächst auch erst einmal alles um die Form des Starts nach der coronabedingten Pause und nicht um den Inhalt.

In den vergangenen 14 Tagen habe er nicht nur damit begonnen, das Haus wieder chic zu machen, sondern auch ein Hygienekonzept erarbeitet, das diesen Anspruch gerecht wird. „An den Veranstaltungen werden maximal 75 Personen teilnehmen können. Das ermöglicht eine relativ lockere Bestuhlung.“ So sei zudem auch in den Räumen ausreichend Platz, dass sich die Besucher nicht zu nahe kommen müssen. „Wir bitten auch um Verständnis dafür, dass wir Zeitfenster für den Einlass vorgeben und diesen so über eine Stunde strecken, damit sich keine großen Gruppen bilden“, ergänzt Frank Mietzsch. 

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Und nun? Mit Covid-19 kam die Thematik der Triage, dem Sichten und Klassifizieren von Patienten, erneut auf. Ein Interview mit Medizinrechtsexperte Prof. Dr. Erik Hahn.

Am überlegen sei er noch, wie möglichst auch die Getränkeausgabe an der Bar so gestaltet werden kann, dass die Gäste Abstand halten können. „Ich habe da im Sommer in Skandinavien einiges gesehen.“

Dort hält sich der Ebersbacher oft auf, seit er im Herbst vor zwei Jahren eine Agentur übernommen hat, die Segeltouren auf der Ostsee anbietet. Den Bahnhof betreibt er weiter, aber nicht mehr allein und auch nicht mehr, wie die zehn Jahre zuvor, um damit seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Mit Uwe Heimbach und Uwe Fiedler, bekannt aus den Radeburger Bands verRockt und Harrjbo, hat er Partner gefunden, die eigene Veranstaltungen wie den Rockschuppen in dem historischen Gebäude organisieren. Und auch Veranstalter Sebastian Kruhl hat den Kulturbahnhof inzwischen als einen Ort für seine bärnsdorf-bäbt-Konzerte entdeckt.

Frank Mietzsch möchte das gern weiter vorantreiben, denn sein Wunsch ist es, den Kulturbahnhof als ein Bürgerhaus in der Zille-Stadt zu erhalten. „Diese Idee trägt auch der Eigentümer mit“, so Mietzsch. Dabei ist er durchaus offen dafür, weiter Partner mit ins Boot zu holen. Ob nun örtliche Vereine oder auch Auswärtige.

Die Idee einer Vereinsgründung für das Haus hat er indes aufgegeben. Mittlerweile denkt er eher in Richtung einer Unternehmergesellschaft. Frank Mietzsch selbst will sich dabei künftig vor allem um die Verwaltung kümmern, aber auch weiter einige Sachen selbst organisieren, die ihm am Herzen liegen.

Am Sonntag kommt Autor Peter Ufer nach Radeburg. Im Kulturbahnhof zelebriert er einen satirischen Heimatabend. Der Bahnhof meldet sich mit der Lesung nach der Corona-Pause zurück.
Am Sonntag kommt Autor Peter Ufer nach Radeburg. Im Kulturbahnhof zelebriert er einen satirischen Heimatabend. Der Bahnhof meldet sich mit der Lesung nach der Corona-Pause zurück. © ronaldbonss.com

Zum Neustart nach der Corona-Pause kommt am Sonntag, 16 Uhr, Autor Peter Ufer mit „Der Sachse im Schafspelz - Ein Programm zwischen Heimatgefühl, Lachanfall und Schimpfkanonade.“ Noch immer fragen sich die Deutschen: Wer ist dieser Sachse? Steckt er im Schafspelz oder ist er das schwarze Schaf der Nation? Und warum spricht er so komisch? Sprachraumpfleger Peter Ufer, tief- und hintersinniger Beobachter sächsischer Lebenslagen und Lebensplagen, nimmt seine Heimat unter die Lupe und die Herrschaften da oben auf den Arm. In zehn Thesen, die er den Regierenden an die Stirn nagelt, geht der Dresdner vor gegen Vorurteile, bürokratische Zuständigkeiten, missliche Zustände und brät seinen Mitsachsen und allen, die es werden wollen, Extrawürste bis die Pointe kracht.

Respektlos und liebevoll widmet sich der Mitbegründer und Dramaturg des Tom Pauls Theaters seinen merkwürdigen Mitmenschen, ihren gemütlichen Eierscheckenecken und ihren ungemütlichen Schimpfkanonaden. Das Publikum erlebt einen folgenschweren Lachanfall mitten in einem Land, das noch immer zu Deutschland gehört.

Der Satiriker initiierte gemeinsam mit seiner „Galerie Komische Meister“ und der Stadt Radeburg den „Heinrich-Zille-Karikaturenpreis“ und gestaltet im Heimatmuseum jährlich eine Karikaturenausstellung. Die aktuelle Personalschau des diesjährigen Preisträgers Beck ist gerade im Museum und in Teilen auf dem Radeburger Markt zu sehen. Im Kulturbahnhof zelebriert Ufer einen satirischen Heimatabend, „bei dem dir dä Kinnlade nundor klabbd“.

Kartenpreise: 15 Euro im Vorverkauf beim Werbeservice Derschner Radeburg, 20 Euro an der Tageskasse.

www.bahnhof-radeburg.de

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