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Nach Corona-Kontrollen: Läden in Radebeul zu

Das Kreisordnungs- und Gesundheitsamt haben an der Hauptstraße in Radebeul-Ost zwei Geschäfte geschlossen. Der Umgang mit den Corona-Regeln wird bemängelt.

Von Silvio Kuhnert
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Handschriftlich auf einem Aushang informiert das Reformhaus Schreckenbach über die angeordnete Zwangsschließung. In einem Satz lässt sich ein Grund erkennen.
Handschriftlich auf einem Aushang informiert das Reformhaus Schreckenbach über die angeordnete Zwangsschließung. In einem Satz lässt sich ein Grund erkennen. © Norbert Millauer

Radebeul. Ein zu laxer Umgang mit den Corona-Regeln kann für Ladeninhaber gravierende Folgen haben. Das bekommen Gewerbetreibende in Radebeul derzeit zu spüren. Nach Kontrollen durch Gesundheitsamt, Kreisordnungsamt und Polizei mussten unter anderem zwei Geschäfte an der Hauptstraße schließen.

Die sich automatisch öffnende Tür des Reformhauses Schreckenbach bleibt momentan verschlossen. Ein großes Stück Papier ist an der Glasscheibe angebracht. Auf diesem informiert Inhaberin Christina Jende handschriftlich: "Die Behörden haben uns eine Schließungsverfügung über unser Reformhaus verhängt." Am vergangenen Mittwochnachmittag gab es eine Corona-Kontrolle, wie Jende auf Nachfrage berichtet.

Hoffnung auf baldige Öffnung

Zu den Gründen dieser Anordnung hält sie sich bedeckt. Möchte gegenwärtig nicht darüber sprechen, was die Corona-Kontrolleure zu beanstanden hatten. Von behördlicher Willkür spricht Jende. Einen Anwalt hat sie eingeschaltet. "Wir hoffen, dass wir in wenigen Tagen wieder für Sie da sein können", schreibt die Reformhauschefin auf dem Hinweisschild an der Tür. Am Montag war ihre Filiale an der Hauptstraße immer noch zu.

Auf dem Aushang an der Glastür schildert Jende, dass sie während der Corona-Pandemie immer für ihre Kunden da war: "Seit vielen Jahrzehnten stellen wir unser gesamtes Wissen, unsere Arbeit und die Beratung in unserem Reformhaus in den Dienst Ihrer Gesundheit. Wir versuchen, auch in diesen Zeiten, eine Normalität und eine Bewahrung der Kenntnisse des Körpers und der natürlichen Abläufe in den Gesundheitsprozessen zu vermitteln und Ihnen mit unserem Sortiment zu guter Gesundheitserhaltung- und Wiedererlangung zu helfen."

Nicht nur Geschäfte an der Hauptstraße betroffen

Beim Einkaufen gilt in allen Geschäften Maskenpflicht. Auf dem Aushang am Reformhaus ist jedoch zu lesen: "Wir haben auch niemanden diskriminiert, der ohne Mund-Nasenschutz bei uns einkauft." Und in Klammern steht dahinter: "Hinweise zur Hygieneverordnung sind trotzdem am Eingang."

In Radebeul ist nicht nur das Reformhaus von einer Zwangsschließung betroffen. Auch der Copyshop Schwalbe an der Hauptstraße musste nach einer Corona-Kontrolle vorübergehend zu machen. In der Nähe ist ein weiteres Geschäft betroffen. Am Freitagabend standen die Kontrolleure auch in einem Restaurant. Auch dieses ist seitdem geschlossen.

Kreisbehörden fordern Hygienekonzept

"Im Rahmen der Corona-Kontrollen werden Ladengeschäfte überprüft, zum Teil auch mehrfach, wenn es bei der ersten Kontrolle Beanstandungen gab", teilt das Landratsamt in Meißen auf Anfrage von Sächsische.de mit. Wenn sich die Ladeninhaber nach ersten Hinweisen weiterhin nicht an die Vorgaben der Corona-Schutzmaßnahmen gemäß der Sächsischen Corona-Notfall-Verordnung in der aktuellen Fassung und dem Infektionsschutzgesetz halten, seien die Behörden gezwungen, restriktive Maßnahmen zu ergreifen. "In diesem Fall wird die Schließung angeordnet, bis die vorhandenen Mängel vom Ladeninhaber oder Verantwortlichen beseitigt worden sind", heißt es aus dem Landratsamt weiter.

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Zu den genauen Gründen, warum die beiden Geschäfte an der Hauptstraße nach der Kontrolle schließen mussten, hält sich auch die Kreisbehörde bedeckt. Sie weist allerdings einen Weg aus der Misere. So müssen die Ladeninhaber ein Hygienekonzept vorlegen. Dieses wird durch das Gesundheitsamt geprüft, gegebenenfalls sind Nachbesserungen vorzunehmen. Im Anschluss werden die Corona-Schutzmaßnahmen vor Ort in Augenschein genommen und die Schließungsverfügung, wenn alles korrekt ist, zurückgenommen. "Das heißt, dass die Schließungsdauer maßgeblich von den jeweiligen Ladeninhabern selbst abhängt", informiert das Landratsamt. Im Umkehrschluss bedeutet dies auch: Gewerbetreibende, die ein Hygienekonzept vorlegen können und dieses auch befolgen, müssen kein Schließen ihres Geschäfts befürchten.

Schludriger Umgang mit Dokumentationspflicht

Solch ein Konzept konnte Copyshop-Inhaber Olaf Schwalbe nicht vorlegen, als Corona-Kontrolleure jüngst bei ihm auf der Matte standen. Es war nicht der erste Besuch. Vor reichlich zwei Wochen kamen sie schon einmal in seinen Laden. Bereits damals haben sie das fehlende Hygienekonzept bemängelt. Schwalbe druckte sich daraufhin zwar eine entsprechende Vorlage aus. "Ich habe das Papier aber nicht ausgefüllt. Das war meine Schuld", sagt der Geschäftsmann.

"Ich bin kein Coronaleugner", stellt Schwalbe klar. Jedoch war er auch in einem weiteren Punkt schludrig. Als Ungeimpfter muss er jeden Tag einen Corona-Test vor dem Öffnen seines Ladens machen. Und dieses dann auch dokumentieren. Da er keine Mitarbeiter hat und allein im Laden steht, genügt ein Selbsttest nicht. Es fehlt ein Augenzeuge. Er benötigt daher ein Ergebnis aus einem zertifizierten Testzentrum. Am Tag der jüngsten Kontrolle hatte er jedoch nur einen Schnelltest gemacht und den auch noch selbst, ohne Zeugen, und das Ergebnis danach nicht notiert, wie Schwalbe erzählt. Und als die Kontrolleure in sein Geschäft kamen, war dort noch ein Kunde, dessen Maske nur das Kinn bedeckte.

Schwalbe sieht seine Fehler ein. Mit dem Verantwortlichen im Kreisordnungs- und dem Gesundheitsamt steht er bereits im Kontakt, um ein Hygienekonzept aufzustellen, das die bisherigen Mängel beseitigt. Auch zwischen dem Reformhaus Schreckenbach und den Ämtern laufen Gespräche.