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Harsche Kritik hagelt es für das Radebeuler Weinfest

Lange Schlangen am Eingang und vorm Imbiss mussten die Besucher erdulden. Sie gehen in sozialen Netzwerken mit dem diesjährigen Konzept hart ins Gericht.

Wein war wie jedes Jahr keine Mangelware auf dem Dorfanger, wie am Stand des Radebeuler Weingutes Ulf Große. Jedoch standen Besucher dicht gedrängt an den Eingängen zu den Veranstaltungsinseln sowie am Bratwurststand.
Wein war wie jedes Jahr keine Mangelware auf dem Dorfanger, wie am Stand des Radebeuler Weingutes Ulf Große. Jedoch standen Besucher dicht gedrängt an den Eingängen zu den Veranstaltungsinseln sowie am Bratwurststand. © Norbert Millauer

Radebeul. Der Weinherbst 2021 wird vielen Radebeulern und Gästen in Erinnerung bleiben. Und das liegt nicht an den schönen Momenten, wie bestes Altweibersommer-Wetter, der Musik und der Kleinkunst, die beim gleichzeitigen Internationalen Wandertheaterfestival geboten wurden, oder den guten Weinen. Etliche Besucher haben negative Erfahrungen mit dem diesjährigen Konzept gemacht, die nun am Image des Herbst- und Weinfestes kratzen.

„Weinfest Radebeul 2021 ist enttäuschend!!! Es ist bekannt, dass viele Menschen nach Radebeul kommen.... die Versorgung war mehr als dürftig...“, schreibt beispielsweise Sabine Richter bei Facebook. Gefühlt zweieinhalb Stunden hat Festbesucher David Doan an zwei Essensständen mit Anstehen verbracht, wie er berichtet. Für ihn war es „mit Abstand das schlechteste Weinfest.“

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Andere haben nicht erst gewartet, sondern haben den Dorfanger Altkötzschenbroda vorzeitig verlassen. „Wir sind gegangen, da man mit Kindern nicht so lange auf etwas zum Essen warten kann“, so Florian Borkert. Und Daniel Bednors schreibt: „Wir sind dann nach fünf Minuten wieder gegangen, da wir keine Lust auf Schlange stehen hatten.“

Veranstaltungskonzept lag erst Mitte September vor

Jean Pierre Kondowski ist auf dem ersten Blick etwas gnädiger. Generell hat ihm das Weinfest in Radebeul gefallen: „Schön wie immer“, kommentiert er kurz und führt danach aber länger aus: „Nur dass man das Gefühl hat, fast verhungern zu müssen und dort nicht reinzukommen, wo es was zu essen gibt.“

Erst Mitte September dieses Jahres informierte das städtische Kulturamt, wie genau der Weinherbst dieses Mal ablaufen soll. Der geänderte Name verriet schon, dass es wegen der Pandemie erneut kein „normales“ Herbst- und Weinfest wie in den Vor-Corona-Jahren werden wird.

Dicht gedrängt standen die Besucher an den Eingängen.
Dicht gedrängt standen die Besucher an den Eingängen. © Norbert Millauer

Vier Veranstaltungsinseln stellten die Verantwortlichen der Lößnitzstadt in Altkötzschenbroda auf die Beine. Zwei befanden sich auf dem Anger an den beiden Stellen, wo traditionell die beiden Weindörfer stehen – auf dem Platz vor der Friedenskirche und vor dem Kuffenhaus. Dann gab es für das Kulturprogramm noch das Hoftheater und für Familien die Streuobstwiese am Elberadweg mit der Kinderkirmes.

„Das Konzept war völlig für die Katz“

Alle vier Bereiche waren umzäunt, die Besucherzahl jeweils auf maximal 1.000 limitiert und die Eingänge wurden kontrolliert. So wollte die Lößnitzstadt die 3-G-Regelung umgehen. Der Einlass war nicht nur auf Geimpfte, Genesene und Getestete beschränkt.

Um die 16 Buden waren auf den beiden Arealen der traditionellen Weindörfer aufgebaut. Dort gab es vor allem Federweißer und Rebensaft. An ein paar wenigen Ständen wurde auch etwas zum Essen verkauft. Die Besucher strömten dorthin.

„Das Konzept war völlig für die Katz“, berichtet Fanni Schneider via Facebook. Die Massen drängten, sie standen in Schlangen am Einlass und an den wenigen Buden. Dies schildert auch Nutzerin De Uli: „Statt die Menschenmassen zu verringern, wurde regelrecht vor den Absperrungen dafür gesorgt, große Menschenansammlungen zu schaffen. Das schlechteste was es bisher gab und ich kenne das Herbst und Weinfest vom 1. an.“

Unmut unter den Wirten

Bei den früheren Festen reihten sich zwischen den Weindörfern entlang des Dorfangers Bude an Bude, viele mit Imbissangeboten wie Fischsemmeln, Rauch- und Bratwürsten, Champignonpfanne, Langos oder Knobibroten. Doch dieses Jahr war Fehlanzeige. Hätten die Gastronomen des Angers nicht ein paar Grills aufgestellt, hätten wohl noch mehr Gäste einen Hungerast geschoben. Die Schlangen vor ihren Ständen außerhalb der umzäunten Festbereiche rissen ebenfalls nicht ab. Von über sechs Stunden ununterbrochenem Dauereinsatz des Grillmeisters allein am Sonntagnachmittag ist zu hören.

Festbesucher David Doan kommt zu dem Schluss: „Eine Umsetzung der 3-G-Regel, um alles zu entspannen, die Wartezeiten zu verkürzen, und eventuell mehr Hütten zu genehmigen, wäre sehr sinnvoll gewesen.“

Unmut macht sich unter den Anger-Wirten breit. Sie wurden bei der Organisation des Weinfestes nicht mit an den Tisch geholt. Zudem bekamen sie das Konzept kurzfristig einfach vorgelegt, ohne das ihre Meinung eingeholt und vor allem nach ihrem Erfahrungsschatz gefragt wurde. „Von übergestülpt“ ist hinter vorgehaltener Hand die Rede.

Besseres Konzept im vorigen Jahr

Zur Entschuldigung der Organisatoren muss ins Feld geführt werden, dass die Kulturamtsleitung erst seit einem Jahr im Amt ist und es bei der Stelle für Märkte und Feste ebenfalls einen Generationenwechsel gab. Beide organisierten zum ersten Mal ein Weinfest.

Allerdings stellt sich die Frage, warum die Verantwortlichen nicht auf die Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr zurückgegriffen haben? Damals gab es Veranstaltungen nicht nur auf dem Anger, sondern auch in Weingütern und insbesondere auf der Hauptstraße sowie am Kultur-Bahnhof in Radebeul-Ost, um den Hygieneanforderungen und Abstandsregeln zu genügen.

„Das neue, dezentrale Veranstaltungsformat, bei dem das Fest in die gesamte Stadt hineingetragen wurde, konnte erfolgreich umgesetzt werden. Die Besucher haben dabei neue Veranstaltungsorte entdeckt und bekannte Straßen und Plätze in neuem Licht kennengelernt“, hieß es damals in der Bilanzpressemitteilung noch am Abend des Festsonntages.

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Ein Resümee blieb dieses Mal aus, wurde selbst am Montag nicht nachgereicht. Eine Antwort auf eine SZ-Anfrage bezüglich eines Fazits zum diesjährigen Konzept soll erst an diesem Dienstag möglich sein. Die Auswertung des Weinherbstes 2021 nimmt wohl einige Zeit in Anspruch.

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