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Lichtblick für Brachen in Radebeul-Ost?

An Gartenstraße und Turnerweg warten Brachflächen auf eine Entwicklung. Die Stadt konnte bei ihren Plänen für einige der Grundstücke einen Teilerfolg verbuchen.

Die Stadt Radebeul konnte das ruinöse Gebäude Dresdner Straße 14 noch nicht erwerben. Allerdings hat sie beim Vorkaufsrecht die Widerspruchsbehörde auf ihrer Seite.
Die Stadt Radebeul konnte das ruinöse Gebäude Dresdner Straße 14 noch nicht erwerben. Allerdings hat sie beim Vorkaufsrecht die Widerspruchsbehörde auf ihrer Seite. © Norbert Millauer

Radebeul. Der Putz bröckelt stark. Am Dachgesims schaut der blanke Ziegelstein hervor. Die Fensterrahmen haben schon lange keinen frischen Anstrich gesehen, die Gardinen hinter den Scheiben keinen Waschgang. Farbe fehlt an den Holzlatten am Gartenzaun. Das Haus Dresdner Straße 14 an der Ecke zum Turnerweg ist ein Schandfleck in Radebeul-Ost. Während ringsherum die Gebäude saniert und belebt sind, verfällt die Ruine zusehends.

Hinter dem Gebäude scheint jemand den langen Streifen an Wildwuchs entlang des Turnerwegs gestutzt zu haben. In den Sommermonaten wucherte dort noch hohes Unkraut. Dass die Flächen brach liegen, davon zeugt ein Bauzaun. Dieser wurde schon lang nicht mehr bewegt. Denn rankende Pflanzen haben ihn in Besitz genommen.

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Stadt will über Vorkaufsrecht Schandfleck beseitigen.

Die Stadt konnte die Missstände bislang nicht im Alleingang beseitigen. Denn ihr sind normalerweise die Hände gebunden, wenn die Grundstückseigentümer ihren Grund und Boden samt den darauf stehenden Gebäuden vergammeln lassen. Ein hässlicher Anblick allein reicht nicht aus, damit die Stadt eingreifen kann. Wenn von einem Grundstück keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ausgeht, können die Behörden keinen Einfluss auf den Besitzer nehmen. Lange Zeit gab es auch keine Handhabe bei dem Eckhaus Dresdner Straße 14 und den Grundstücken dahinter.

Doch vor drei Jahren machte sich der Nachlassverwalter auf, die Grundstücke zu verkaufen. Er hatte auch schon einen Interessenten am Haken. Doch in den Verkaufsprozess schaltete sich die Lößnitzstadt ein. Sie zog einen Trumpf aus dem Ärmel - und zwar das Vorkaufsrecht. Dies war ihr möglich, weil die besagten Grundstücke im Sanierungsgebiet liegen.

Nur wenn die Stadt den Grünstreifen an der Ostseite des Turnerwegs erwirbt, kann sie die Grundstücke hinter dem Bauzaun entwickeln.
Nur wenn die Stadt den Grünstreifen an der Ostseite des Turnerwegs erwirbt, kann sie die Grundstücke hinter dem Bauzaun entwickeln. © Norbert Millauer

Über drei Jahre ist es her, dass der Stadtrat entschied, von dem Vorkaufsrecht Gebrauch zu machen. Seither ist es still darum geworden. Ist die Stadt schon in das Eigentum des Hauses und der Randgrundstücke am Turnerweg gekommen? "Nein", heißt es auf SZ-Anfrage aus dem Rathaus. Aber die Lößnitzstadt konnte einen Teilerfolg erzielen.

Als sich die Stadt in den Erwerbsprozess eingeschaltet hat, wollte dies dem potenziellen Privatkäufer nicht schmecken. Er legte Rechtsmittel dagegen ein. "Der Käufer ist gegen den Vorkaufsrechtsausübungsbescheid in Widerspruch gegangen", informiert Daniela Bollmann, Leiterin der Zentralen Leitstelle im Rathaus. Der Widerspruch sei von der Widerspruchsbehörde abschlägig beschieden worden. Das heißt, die Privatperson hat eine Niederlage erlebt und die Behörde hat die Stadt in ihrem Vorkaufsrecht bestärkt.

Noch keine Entscheidung zum Vorkaufsrecht gefallen

Ob die Lößnitzstadt nun die Grundstücke bald in ihren Besitz nehmen kann, steht aber noch nicht fest. Denn, wann sie diese erwerben kann, lässt sich derzeit noch nicht verlässlich beantworten. "Es hängt vom weiteren Verfahren ab", informiert Bollmann. Gegen die Entscheidung der Widerspruchsstelle kann der Privatinteressent vor Gericht ziehen. "Es bleibt nunmehr abzuwarten, ob von der Käuferseite der Klageweg beschritten wird", so Bollmann. Sollte er klagen, kann sich das Verfahren über einen langen Zeitraum hinziehen. Die Mühlen der Justiz mahlen bekanntlich langsam.

Beim Zücken des Vorkaufsrechts verwies die Stadt auf die Sanierungsziele, die ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden können, wenn der Privatkäufer das marode Haus sowie den Randstreifen am Turnerweg erhält. Nach Wunsch von Verwaltung und Stadtrat soll die Ruine abgerissen werden, um so Platz für einen ordentlichen und breiten Gehweg am Turnerweg zu schaffen. Der verwilderte Randstreifen wiederum ist vonnöten, um die dahinter liegenden Flächen entwickeln zu können. Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos) hat sie einmal Helikopter-Grundstücke genannt. Denn derzeit wären sie nur mit einem Fluggerät zu erreichen, da eine direkte Zufahrt zum Turnerweg fehlt. Der Randstreifen verwehrt einen direkten Anschluss.

Die Stadt möchte die vorderen, an der Straße gelegene Grundstücke kaufen und damit die dahinter gelegenen Areale zugänglich machen. Dort sollen zwei zweigeschossige Wohnhäuser gebaut werden, inklusive einer Zufahrt vom Turnerweg aus. Zudem lässt sich an der Ostseite des Straßenzugs zwischen Garten- und Dresdner Straße ein ordentlicher Fußweg schaffen. So lautet der Plan.

An der Gartenstraße waren Abrissbagger im Einsatz

Die Fläche neben dem AWD-Klubhaus (rechts) ist von sämtlicher alter Bausubstanz befreit. Nun harrt die Brache einer neuen (Wohn?-)Bebauung.
Die Fläche neben dem AWD-Klubhaus (rechts) ist von sämtlicher alter Bausubstanz befreit. Nun harrt die Brache einer neuen (Wohn?-)Bebauung. © Norbert Millauer

Ideen scheint es auch für die Brache in unmittelbarer Nähe neben dem AWD-Klubhaus zu geben. Das Gebäude an der Ecke Gartenstraße/Turnerweg ist saniert und in ein Wohnhaus umgewandelt worden. Zu Beginn des Umbaus Anfang 2018 haben Bauleute den 40 Meter hohen Schornstein abgetragen. Doch dann war Ruhe auf dem Gelände westlich des AWD-Klubhauses, bis dieses Jahr Abrissbagger und Baufahrzeuge dort für Staubwolken sorgten und alte Nebengebäude wie Garagen und Schuppen beseitigten. Doch nun ist dort erstmals Ruhe eingekehrt.

"Wir haben das Grundstück nur ein wenig gesäubert", berichtet Uwe Herrmann, Aufsichtsratsvorsitzender der Ventar Immobilien AG. Er hat das AWD-Klubhaus für rund 11,5 Millionen Euro zu einem Wohnhaus mit 33 Wohneinheiten umgebaut. Doch nicht Ventar gehört die Brachfläche daneben, sondern der Protim GmbH, von der Herrmann einer der Geschäftsführer ist. Sein Kompagnon war für die Sanierung und den Umbau der Fabrikgebäude des ehemaligen Arzneimittelwerks Dresden (kurz: AWD) in Wohngebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite zuständig. Gemeinsam wollen sie nun die noch freie Schotterfläche des ehemaligen Werksgeländes entwickeln.

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Doch darüber, was sie dort konkret vorhaben, lassen sie sich jetzt noch nicht in die Karten schauen. Auf die Frage, was dort geplant sei, antwortete Herrmann, dass sie sich dazu noch keine Gedanken gemacht hätten. Das Neuordnungskonzept für das Sanierungsgebiet sieht an dieser Stelle jedenfalls neue Wohnhäuser vor.

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