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Lößnitzdackel wartet auf Fahrgäste

Die Züge zwischen Radebeul und Radeburg sind zurzeit nur zu einem Fünftel ausgelastet. Ohne erneute Finanzspritze ist der Betrieb der Schmalspurbahn bedroht.

Unterm Kessel der Dampflok lodert das Feuer. Dampfend sind die Züge der Lößnitzgrundbahn jeden Tag auf der Trasse zwischen Radebeul und Radeburg unterwegs. Beim ersten Lockdown im vorigen Frühjahr standen die Räder 49 Tage still.
Unterm Kessel der Dampflok lodert das Feuer. Dampfend sind die Züge der Lößnitzgrundbahn jeden Tag auf der Trasse zwischen Radebeul und Radeburg unterwegs. Beim ersten Lockdown im vorigen Frühjahr standen die Räder 49 Tage still. © Arvid Müller

Radebeul. Schnaufend und dampfend rollt die Lößnitzgrundbahn täglich zwischen Radebeul und Radeburg. Auf der Trasse liegt das Jagdschloss Moritzburg. Doch nur wenige Fahrgäste können die märchenhafte Route derzeit genießen. Als der Lößnitzgrund und die Moritzburger Kleinkuppenlandschaft von Schnee bedeckt waren, galt Reiseverbot. Zudem war der Aktionsradius der Anwohner vor Ort auf 15 Kilometer rund um die eigene Wohnung wegen der Corona-Pandemie beschränkt.

Dies schlägt sich in den Zahlen der Passagiere nieder. „Im Januar bewegen wir uns bei einem Drittel der sonst üblichen Fahrgastzahlen“, teilt Kati Schmidt, Sprecherin der Sächsischen Dampfeisenbahngesellschaft (SDG). Die SDG betreibt neben dem Lößnitzdackel auch die Weißeritztalbahn und Fichtelbergbahn in Sachsen. Für Februar liegen noch keine Daten vor. Die Auslastung der Waggons liegt derzeit im Schnitt bei unter 20 Prozent.

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Rund 1700.000 Fahrgäste im vorigen Jahr

Vor der Coronakrise konnte die SDG allein bei der Lößnitzgrundbahn im Jahr 2019 rund 275.000 Reisende registrieren. Deren Anzahl ging 2020 rapide zurück. „Bei der Lößnitzgrundbahn sind im vergangenen Jahr rund 170.000 Fahrgäste mitgefahren. Das sind rund 38 Prozent weniger als im Rekordjahr 2019“, berichtet Schmidt.

Zum einen fehlten die Fahrgäste aus dem Zeitraum der Betriebseinstellung - beginnend im März, den gesamten April über bis Mitte Mai 2020. Während des ersten Lockdowns blieben die historischen Dampfrösser im Lokschuppen stehen. 49 Tage standen sie still. „In diese Zeit fielen auch die Osterfeiertage, eines der umsatzstärksten Wochenenden im Jahr“, so Schmidt.

Zum anderen fehlen gerade auf der Lößnitzgrundbahn die Gruppenreisen. Im Jahr 2019 lösten 17 Prozent der Fahrgäste ein Gruppenticket, jeweils um die 40 Prozent eine Familienkarte oder einen Einzelfahrschein. Das Ausbleiben der Gruppen- und Busreisen bekam die SDG deutlich zu spüren. „Hier sind die Einnahmen noch deutlicher zurückgegangen. Zudem mussten einige Termine für Themenfahrten abgesagt werden“, führt die SDG-Sprecherin weiter aus. Der Jahresumsatz 2020 beträgt nur rund 70 Prozent des Vorjahres. Vor der Coronakrise lag der Jahresumsatzerlös bei über neun Millionen Euro.

Unterstützung von Bund und Land

Damit Unternehmen im öffentlichen Nahverkehr ihre Verluste ausgleichen können, hat der Bund im vorigen Jahr in Deutschland 2,5 Milliarden Euro bereitgestellt, die gleiche Summe legten die Länder obendrauf. „Dadurch konnten die Verluste auch bei unseren drei Schmalspurbahnen ausgeglichen werden“, teilt Schmidt mit.

In der jetzigen Werkstatthalle sind die Platzverhältnisse sehr beengt.
In der jetzigen Werkstatthalle sind die Platzverhältnisse sehr beengt. © Arvid Müller

Diesen 100-prozentigen Ausgleich für die Bus- und Bahnbranche müsse es auch für das Jahr 2021 wieder geben. Denn nur wenn ein Ausgleich der Einnahmeverluste kommt, ist der Betrieb auch weiterhin gesichert. „Wir hoffen, dass wir mit unseren Angeboten im Sommer wie im vergangenen Jahr ein wenig aufholen können. Aber alles aufzuholen, wird wohl nicht möglich sein. Dafür benötigen wir wieder die Unterstützung des Bundes und des Freistaates Sachsen“, so Schmidt.

Lößnitzdackel ist ein Tourismusmagnet

Die Lößnitzgrundbahn ist ein bedeutender Faktor der Tourismus- und Freizeitwirtschaft. Sie sei zweitwichtigster touristischer Anziehungspunkt im Landkreis Meißen und Teil der Industriekultur in Sachsen sowie Teil der Lebenskultur im Elbland. „Wir hoffen, dass die Bahn auch bald wieder als Ausflugsziel für größere Busreisegruppen fungieren kann“, sagt Schmidt.

Als wichtiger Tourismusfaktor bekam der Lößnitzdackel zu spüren, dass die Zahl der Ankünfte in der Region Dresden-Elbland von Januar bis einschließlich November 2020 nur noch bei 1.420.411 lag - ein Minus von 42,9 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum im Vorjahr. Im Gebiet des Tourismusverbands Elbland-Dresden e.V. ohne Landeshauptstadt checkten 252.805 Gäste in Hotels und Pensionen ab zehn Betten ein (minus 39,6 Prozent). In Radebeil waren es 59.805 Ankünfte (minus 44,3 Prozent). Seit Anfang November 2020 sind die Hotels geschlossen.

Neue Werkstatt wächst in die Höhe

Bei den Investitionen ist der Neubau der Werkstatt in Radebeul-Ost das größte Vorhaben bei der Lößnitzgrundbahn in diesem Jahr. Seit vorigem Herbst sind die Arbeiten im Gange. Sie konzentrierten sich bislang aufs Erdreich, wo die Fundamente aus Beton gelegt wurden. „Von nun an geht es aufwärts“, berichtet SDG-Eisenbahnbetriebsleiter Mirko Froß. Denn in der nächsten Woche beginnen die Maurerarbeiten. Nach und nach ziehen Handwerker die Wände der Werkstatthalle hoch.

Diese entsteht rund 150 Meter in Richtung Ost von der jetzigen Halle entfernt. Das alte Werkstattgebäude ist in die Jahre gekommen. Der Neubau soll den vier Mitarbeitern vor Ort Arbeitsbedingungen bieten, die dem heutigen Standard entsprechen. Zudem will die SDG in Zukunft am Standort Radebeul nicht mehr nur Lokomotiven reparieren und warten, sondern auch Waggons.

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Rund zwei Millionen Euro sind als Baukosten veranschlagt. „Im Moment liegen wir im Kostenrahmen“, berichtet Froß. Er hat auch noch eine weitere gute Nachricht. Die Arbeiten gehen zügiger voran als ursprünglich gedacht. Bis Herbst dieses Jahres soll die Halle komplett stehen. „Wir haben im Oktober 2020 angefangen und wollen im Oktober 2021 fertig sein“, sagt Froß.

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