merken
PLUS Radebeul

Mehr Platz fürs Wasser im Radeburger Stausee

Derzeit werden Sedimente abtransportiert, die bereits seit 2014 an Land lagern. Im Frühjahr wird dann erneut in der Talsperre gebaggert.

Vor sieben Jahren wurden diese Sedimente aus dem Radeburger Stausee geholt und in Geotextilschläuchen zwischengelagert. Derzeit wird der getrocknete Schlamm abtransportiert, damit im Spülfeld der Talsperre Platz wird.
Vor sieben Jahren wurden diese Sedimente aus dem Radeburger Stausee geholt und in Geotextilschläuchen zwischengelagert. Derzeit wird der getrocknete Schlamm abtransportiert, damit im Spülfeld der Talsperre Platz wird. © Norbert Millauer

Radeburg. Bis Mitte August konnten hier noch Radfahrer am Weg zwischen Radeburg und Großdittmannsdorf rasten. Seit ein paar Wochen geht dort nun eine provisorische Baustraße von der S 177 in Richtung Stausee ab. Die Baustelle selbst ist von hier nicht zu sehen. Gerade kommt wieder ein voll beladener Lkw die leichte Steigung empor und biegt auf die Staatsstraße ein. Nur ein paar Minuten später kommt auf dieser ein leeres Fahrzeug heran und fährt leicht rumpeln in Richtung der Talsperre.

Dort, wo normalerweise die Große Röder durch die sogenannte Stauwurzel, also den Beginn der Talsperre fließt, wurde ein Damm aufgeschüttet, über den der Kipper nun rollt. Der Fluss sprudelt stattdessen durch fünf dicke Rohre, die in das Bauwerk eingelassen wurden. Auch das ist, wie die Straße, nur ein Provisorium, wie Jörg Hengst erklärt. Er arbeitet bei der Landestalsperrenverwaltung (LTV) und ist der Projektverantwortliche, der derzeit in Radeburg laufenden Sedimentberäumung. Der erste Teil der Arbeiten muss dabei in diesem Monat abgeschlossen werden. Denn durch das angrenzende europäische Vogelschutzgebiet stehe nur ein zeitlich eng begrenztes Zeitfenster zur Verfügung: „Von September bis Oktober und dann wieder im Frühjahr.“

Jubel
Zwei echt starke Jubiläen
Zwei echt starke Jubiläen

Die gedruckte Sächsische Zeitung wird 75 Jahre alt. Digital gibt es uns seit 25 Jahren. Beide Jubiläen wollen wir feiern - und Sie können dabei gewinnen.

Mit dem Ende des ersten Abschnitts der Arbeiten werde daher auch der Damm zunächst wieder teilweise zurückgebaut, um der Großen Röder mehr Platz zu geben, falls ihr Pegel durch Regen oder bei Tauwetter stark ansteigen sollte.

22.500 Tonnen Schlamm werden abtransportiert

Ziel der Gesamtmaßnahme, die in mehreren Abschnitten bis Oktober 2022 dauern soll und rund vier Millionen Euro aus Bundes- und Landesmitteln kostet, ist es, durch das Hochwasser 2013 in die Talsperre eingetragene Sedimente zu entfernen und so die Funktionsfähigkeit der Stauanlage aufrechtzuerhalten.

Rund 22.500 Tonnen Ablagerungen waren bereits 2014 aus dem Stausee geholt worden. „Damit wurde dieser etwa zu einem Drittel beräumt“, sagt Jörg Hengst. Die Sedimente lagern seit dem in Geotextilschläuchen im sogenannten Spülfeld der Talsperre. Insgesamt 23 Stück. Wer die Radeburger Talsperre einmal auf Google Maps aufruft und heranzoomt, kann diese sogar sehen. „In diesen perforierten Schläuchen wurden die Sedimente zunächst durch die Schwerkraft entwässert“, erklärt der Mann von der LTV.

Am Zulauf der Großen Röder in den Stausee wurde dieser provisorische Damm aufgeschüttet, über den die Sedimente abtransportiert werden.
Am Zulauf der Großen Röder in den Stausee wurde dieser provisorische Damm aufgeschüttet, über den die Sedimente abtransportiert werden. © Norbert Millauer
Durch die im nächsten Jahr geplante weitere Entschlammung wird die Rückhaltekapazität der Radeburger Talsperre weiter verbessert.
Durch die im nächsten Jahr geplante weitere Entschlammung wird die Rückhaltekapazität der Radeburger Talsperre weiter verbessert. © Norbert Millauer

Nach dem Hochwasser von 2013 und den vorangegangenen wurde Geld für viele Maßnahmen benötigt, um Menschen und Güter künftig besser vor den Fluten zu schützen. Zudem musste nach geeigneten Entsorgungswegen gesucht werden. Denn den Schlamm einfach auf die Felder zu bringen, so wie das früher meist gehandhabt wurde, sei heute nicht mehr möglich. Stattdessen werden Proben genommen und die Ablagerungen je nach Grad der Belastung auf den dafür geeigneten Deponien entsorgt. Und so blieben die aus dem Stausee geholten Ablagerungen länger in Radeburg liegen, als technologisch notwendig gewesen wäre. Doch nun soll ihre Entsorgung in diesem Monat abgeschlossen werden.

In einem zweiten Schritt ist geplant, zwischen März und Mai nächsten Jahres weitere 22.500 Tonnen Sedimente mit einem Saugbagger aus der Talsperre zu holen. „Das hat den Vorteil, dass diese dafür nicht abgelassen werden muss“, erklärt der Fachmann. Der Bagger schwimmt auf dem Wasser und holt den Schlamm mit einem Schneidkopf und einem Saugrüssel vom Boden. „Dabei wird den Sedimenten 85 bis 90 Prozent Wasser beigemischt. Über ein schwimmendes und auf dem Land verlegtes Leitungssystem wird das Gemisch dann in neue geotextile Entwässerungsschläuche eingespült. Diese lagern wieder im Spülfeld, das derzeit gerade beräumt wird.

Neuer Rastplatz am Radweg

Diesmal sollen allerdings nicht wieder sieben Jahre bis zur Entsorgung vergehen. Sobald die Sedimente soweit entwässert sind, dass sie stichfest und transportfähig sind, werden sie abtransportiert. Das soll im Oktober 2022 abgeschlossen sein. Nach dem Abschluss der Transporte wird die Baustraße vollständig zurückgebaut und der Urzustand einschließlich des Anschlussbereiches an die S 177 wiederhergestellt. Ein neuer Rastplatz soll allerdings bereits vorher genutzt werden können. Ein Stück entfernt vom bisherigen.

Ursprünglich, so Jörg Hengst, sollte es eigentlich keinen Begegnungsverkehr der Lkws geben. „Die Zufahrt sollte von hinten über die Brücke in Boden erfolgen. Aufgrund der beengten und unübersichtlichen Situation sei dann aber kurzfristig mit der Straßenverkehrsbehörde abgestimmt worden, dass die Lkw die Baustraße für die Ein- und Ausfahrt nutzen. Dafür wurde diese auch etwas breiter angelegt.

Weiterführende Artikel

Angler stocken Fischbestand auf

Angler stocken Fischbestand auf

Allein rund 7 000 Aale wurden vergangenes Jahr in Gewässer des Landkreises gesetzt, informiert der Anglerverband.

Saubermänner am Speicher

Saubermänner am Speicher

Der Stausee an der Autobahn wird von Sedimenten beräumt. Dafür muss der Wasserspiegel nicht abgesenkt werden.

Mit den Arbeiten im nächsten Frühjahr wird die Talsperre Radeburg I bereits zum fünften Mal seit ihrer vollständigen Inbetriebnahme im Jahr 1951 von Sedimenten befreit. Diese Arbeiten erfolgten 1969/70, 1982/83, 2008 und 2014. Vor sieben Jahren wurde dabei erstmals ein Saugbagger eingesetzt. Dieses Verfahren ist schonender für Pflanzen und Tiere als herkömmliches Abbaggern, weil der Wasserspiegel nicht abgesenkt werden muss.

Mehr zum Thema Radebeul