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Mittsommer mit Musik und Tanz

Radebeul begrüßte den Sommer erstmals mit einem Fest der Musik. Es soll nicht bei einer einmaligen Aktion bleiben.

Die Elbzigeuner traten als erste Musikgruppe bei der Premiere der Fête de la musique auf dem Dorfanger Altkötzschenbroda auf. Alle Konzerte waren kostenfrei.
Die Elbzigeuner traten als erste Musikgruppe bei der Premiere der Fête de la musique auf dem Dorfanger Altkötzschenbroda auf. Alle Konzerte waren kostenfrei. © Arvid Müller

Radebeul. Endlich wieder Live-Musik hören, Tanzen oder einfach nur mit dem Fuß im Takt wippen. Als die Tam Tam Company den französischen Chanson „Nathalie“ von Gilbert Bécaud auf ihre schräge und amüsante Art mit Tenorhorn, Bandoneon und Beatbox spielen, klatscht das Publikum vor dem Kultur-Bahnhof begeistert mit. Als die Band „Daddy Cool“ und andere Discoklassiker anstimmen, hält es Jung und Alt nicht mehr auf dem Sitzfleisch.

Erstmals begrüßte die Stadt Radebeul mit einer Fête de la musique den Sommer. Und vor dem Kultur-Bahnhof hat sich das Fest der Musik, so die Übersetzung ins Deutsche, im Laufe des Montagabends zu einer Fete entwickelt, als die Temperatur auf einen angenehmen Wert zurückgegangen ist und die Tam Tam Company, wie so oft auch schon zuvor beim Herbst- und Weinfest, mit ihren eigenwilligen Interpretationen bekannter Popsongs für Stimmung sorgte. Auf den Terrassenstufen sowie um Gartentische und -stühle saß das Publikum bei Bier, Wein oder einem alkoholfreien Getränk Abstand wahrend, und genoss die laue Sommernacht.

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Im Glashaus der Landesbühnen gab die Band Elbmélange mit Sängerin Jitka Köcher ein Konzert.
Im Glashaus der Landesbühnen gab die Band Elbmélange mit Sängerin Jitka Köcher ein Konzert. © Arvid Müller

Nach Monaten der Abstinenz ist das kulturelle Leben in der Lößnitzstadt wieder gestartet. Und nicht nur das Publikum freute sich auf die Musik. „Es ist schön, wieder zu spielen“, sagte Franz Taubert vom Akkordeonquartett. Das letzte Konzert, das der junge Mann mit seinen drei Mitschülern von der Kreismusikschule geben konnte, war Ende August vorigen Jahres bei der Verleihung des Couragepreises. Seitdem mussten sie oft allein zu Hause proben, weil wegen der hohen Inzidenzzahlen in den Wintermonaten der Musikunterricht pausieren musste und Treffen nicht erlaubt waren. An Auftritte war monatelang nicht zu denken.

Der Kultur-Bahnhof diente als Kulisse, davor spielte die Musik und das Publikum nahm auf den Terrassenstufen Platz.
Der Kultur-Bahnhof diente als Kulisse, davor spielte die Musik und das Publikum nahm auf den Terrassenstufen Platz. © Arvid Müller

Das Akkordeonquartett hatte gleich zwei Auftritte - einmal mitten auf dem Dorfanger, auf einer improvisierten Bühne aus Holzpodest und Gartenzelt, das in Richtung Biergarten der Alten Apotheke aufgestellt war, und zum anderen im Hof der Stadtgalerie. In Altkötzschenbroda spielte Musik zudem vor dem Pfarramt der Friedenskirche sowie am Außengastronomiebereich zwischen Ristorante La Bella Vita, Eisdiele und dem Griechischen Kneipchen. Waren um 17 Uhr, als die ersten Töne erklangen, noch viele Tische leer, füllten sich diese im Laufe des Abends. Andere brachten Decken mit und picknickten unter der Kastanienallee des Angers und lauschten der Musik, die nicht nur mit Chansons wie Charles Trenets „La mer“, interpretiert von den Elbzigeunern, für französisches Savoir-vivre, verstehen zu leben, sorgte.

Französische Chansons sang das Duo Rainer Promnitz (l.)und Antony Heulin.
Französische Chansons sang das Duo Rainer Promnitz (l.)und Antony Heulin. © Arvid Müller

Die Fête de la musique nahm am 21. Juni 1982 ihren Anfang in Paris und wird heutzutage weltweit am längsten Tag des Jahres zum Sommerbeginn gefeiert. Für Radebeul war es eine Premiere. „Es ist total schön, dass die Leute raus- und zusammenkommen und die Musik genießen“, meinte die 19-jährige Antonia, die mit drei jungen Frauen eine Runde über den Anger zog. Es sei schon ewig her, live Musik erlebt zu haben. „Wir wollen diesen Sommer so viel mitnehmen, wie möglich“, ergänzte eine gleichaltrige Freundin.

Mit der Fête de la musique setzt Kulturamtsleiterin Gabriele Lorenz erste Akzente im Veranstaltungskalender der Lößnitzstadt. Seit Spätsommer vergangenen Jahres ist sie im Amt und hatte zuvor das Musikfest im erzgebirgischen Annaberg-Buchholz vor rund zehn Jahren etabliert. Normalerweise benötige man acht Monate, um ein Fest neu auf die Beine zu stellen, merkte sie an. Wegen der Pandemiesituation hat es Lorenz und ihr Team in vier Wochen organisiert. Daher wirkte Manches etwas improvisiert. So erreichten die SZ Klagen, dass es zu wenig Werbung im Vorfeld gab.

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„Wir wollen keine Menschentrauben vor den kleinen Bühnen sehen. Wir gehen verantwortungsvoll mit der Situation um“, sagte Lorenz, die sich mit der 1. Fête de la musique zufrieden zeigte und merkte nicht ohne Stolz an, dass es in Radebeul fünf und in Dresden, wo die Sommerfete schon länger begangen wird, nur drei Bühnen gab. „Im nächsten Jahr veranstalten wir sie wieder“, kündigt Lorenz an. Dann wolle sie noch mehr zeigen, wie viel Potenzial an Musik in der Stadt vorhanden ist.

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