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Moderner Plattenbau für den Unterricht

Im Februar 2021 will in Radebeul das Evangelische Schulzentrum den Anbau in Betrieb nehmen. Derzeit läuft alles nach Plan.

Neben dem denkmalgeschützten Altbau des Evangelischen Schulzentrums ist in den zurückliegenden Monaten der Anbau in die Höhe gewachsen. Der Baukörper samt Verbindungsbau steht und innen bauen Handwerker die Klassenzimmer aus.
Neben dem denkmalgeschützten Altbau des Evangelischen Schulzentrums ist in den zurückliegenden Monaten der Anbau in die Höhe gewachsen. Der Baukörper samt Verbindungsbau steht und innen bauen Handwerker die Klassenzimmer aus. © Norbert Millauer

Radebeul. Der Geruch von frischem Estrich weht einem um die Nase. Lautstark dröhnt das Geräusch einer Flex durch das ganze Gebäude. Kabelstränge hängen von der Decke und Elektriker sind dabei, weitere Leitungen zu verlegen. Der Innenausbau des Erweiterungsgebäudes am Evangelischen Schulzentrum in Radebeul ist im vollen Gange.

„Wir liegen im Zeitplan. Unser Ziel ist es, im Februar 2021 den Anbau in Betrieb zu nehmen“, sagt Falk Wenzel, der als Geschäftsführer des Evangelischen Schulvereins den Bau leitet. Auf rund 400 Metern Grundfläche entsteht an der Ostseite des einstigen Amtsgerichtsgebäudes Kötzschenbroda an der Wilhelm-Eichler-Straße ein kompakter Dreigeschosser. Über einen Verbindungsgang ist der Quader mit dem Altbau verbunden. Ebene Flure ohne Stufen sowie ein Fahrstuhl gewährleisten künftig einen barrierefreien Zugang aller Räume.

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Baustart war vor rund einem Jahr.

Vor rund einem Jahr haben die Bauarbeiten begonnen. Bevor Mitte September 2019 Bagger die Baugrube ausheben konnten, mussten zuvor der Schulgarten sowie alte Garagen weichen. Bei den Abrissarbeiten wurden alte Kellergewölbe entdeckt, deren Beseitigung die bauvorbereitenden Arbeiten etwas in die Länge zogen. Den Zeitverlust konnte der Bauherr wieder aufholen. Acht bis zehn Wochen Baustopp hatte Wenzel während der kalten Jahreszeit eingeplant. Wegen der milden Witterung war eine Winterpause jedoch nicht vonnöten. Auch die Corona-Pandemie mit den Ausgangsbeschränkungen im Frühjahr wirkte sich bislang nicht negativ auf den Baufortschritt aus.

Im November vorigen Jahres war die Bodenplatte gegossen. Weil das Schulhaus im Hochwasserrisikogebiet der Elbe liegt, forderten Auflagen den Bau des Untergeschosses in Form einer sogenannten Weißen Wanne, einer wasserundurchlässigen Stahlbetonkonstruktion. Die beiden Stockwerke darüber bestehen aus Betonfertigteilen. Beim Anbau handelt es sich sozusagen um einen modernen Plattenbau. Denn die Fertigelemente wurden in einem Betonwerk vorproduziert und auf der Baustelle „nur“ noch montiert.

Präzision ist bei Planung und Bau gefragt.

„Das bedarf einer sehr guten Vorplanung“, sagt Wenzel. Deshalb gilt sein Dank den Architekten, dem gesamten Planungsteam sowie den Baufirmen. Denn die Betonfertigteile enthalten bereits Kabelschächte sowie die Löcher für Steckdosen und Lichtschalter. Deshalb musste beim Zusammensetzen der Teile alles millimetergenau passen und sitzen, was es auch tat. So wuchs der Rohbau über die Wintermonate in die Höhe. Ende April dieses Jahres war das Flachdach dicht.

Großzügig sind die Flure wie im zweiten Oberschoss angelegt. Sie sollen neben den acht Klassenräumen ebenfalls als Lernbereiche dienen.
Großzügig sind die Flure wie im zweiten Oberschoss angelegt. Sie sollen neben den acht Klassenräumen ebenfalls als Lernbereiche dienen. © Norbert Millauer

Aktuell verlegen Elektriker Strom- und Datenkabel. Maler bringen in den ersten Zimmern Farbe an die Wand. Bodenleger sind auf den Fluren am Werk. Außen haben Bauleute einen Graben, der entlang fast der gesamten Südseite vom Altbau zum Neubau führt, zugeschüttet und machen mit einer Rüttelplatte die oberste Bodenschicht glatt. Darunter verläuft der Mediengraben mit Heizung-, Trinkwasser- und Abwasseranschluss sowie den Leitungen für Telefon und Internet.

Im Anbau entstehen acht neue Klassenräume.

Insgesamt acht Unterrichtsräume beherbergt der Anbau, darunter ein Fachkabinett für Physik und eins für Chemie. Hinzukommen großzügig gestaltet Flure. Der unterste soll als Aula und Speiseraum dienen, die beiden oberen nicht nur als Pausenbereich, sondern auch für den Unterricht. Das Evangelische Schulzentrum lehrt nach den Prinzipien der Reformpädagogin Maria Montessori. Zentraler Aspekt ist die Erziehung zum selbsttätigen Lernen. Dies soll nicht jeder Schüler für sich allein, sondern in einem christlichen Miteinander und in altersgemischten Gruppen praktizieren. Das freie Lernen findet nicht nur in den Klassenräumen, sondern auch in den großzügig gestalteten Fluren statt.

Außenstelle bleibt trotz Erweiterung vorerst weiter bestehen.

178 Schüler besuchen derzeit die erste bis siebte Klasse im Evangelischen Schulzentrum. Vor zwei Jahren kam zur Grund- die Oberschule hinzu. Für die Oberschüler ist der Neubau primär gedacht. Derzeit besuchen sie die Außenstelle, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft in Räumen des ehemaligen Arbeitsamtes befindet. Auf die angemieteten Zimmer ist das Schulzentrum auch nach der Fertigstellung weiterhin aus Platzgründen angewiesen. Denn im Obergeschoss des Altbaus ist momentan noch der Hort der Grundschule Kötzschenbroda untergebracht. Er soll in ein paar Jahren auf den neuen Schulcampus an der Harmoniestraße umziehen. Das städtische Projekt steckt allerdings erst noch mitten in der Planung.

Rund 3,2 Millionen Euro kostet die Erweiterung des Evangelischen Schulzentrums. Der Verein stemmt die Finanzierung ohne Fördermittel. Da hilft die coronabedingte Absenkung der Mehrwertsteuer um drei Prozentpunkte. So lassen sich nur beim Rohbau 60.000 Euro einsparen.

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