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Mohrenstraße soll verlängert werden

Die SPD in Radebeul ist über eine entsprechende Stadtratsvorlage empört. Mit dieser möchte die Verwaltung einen Fehler im Straßenverzeichnis korrigieren.

In die Debatte um die Mohrenstraße kehrt keine Ruhe ein. Nun wird sie in der Stadtkarte um vier Grundstücke verlängert, die bereits seit Jahrzehnten den Straßennamen in der Adresse stehen haben.
In die Debatte um die Mohrenstraße kehrt keine Ruhe ein. Nun wird sie in der Stadtkarte um vier Grundstücke verlängert, die bereits seit Jahrzehnten den Straßennamen in der Adresse stehen haben. © Norbert Millauer

Radebeul. Empörter Aufschrei bei den Sozialdemokraten in Radebeul über die Tagesordnung der nächsten Stadtratssitzung. Darin ist eine Vorlage enthalten, die das Umbenennen eines Teilstücks der Straße Auf den Ebenbergen in Mohrenstraße zum Ziel hat. „Die SPD Radebeul ist fassungslos, besonders vor dem Hintergrund, dass die letzten Wochen in der Weinstadt geprägt waren von einer hitzigen, oft unsachlichen Debatte zur geforderten Umbenennung der M.-Straße“, teilte der Ortsverein mit.

Eine Gruppe von Schülern, die ihre Initiative „Rassismus ist keine Alternative“ (RIKA) nennen, hatten an den Stadtrat einen Brief geschrieben. Darin fordern sie einen neuen Namen für die Mohrenstraße. Der Begriff „Mohr“ ist ihrer Meinung nach rassistisch und diskriminiert Menschen dunkler Hautfarbe. Daraufhin ist eine hitzige Diskussion unter anderem in den sozialen Netzwerken im Internet entbrannt. „Den Schülern wurden in der Öffentlichkeit böse, zum Teil rassistisch geprägte Vorwürfe gemacht, die von großer Unkenntnis der postkolonialen Geschichte in Deutschland zeugten“, schreibt der SPD-Ortsverein.

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Kritik am Stadtoberhaupt

In der Mitteilung greifen die Sozialdemokraten das Stadtoberhaupt an. Mit der Vorlage zeige Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) ein weiteres Mal, welchem Geschichtsbild er anhängt und wie blind er für Rassismus und Intoleranz sei. „Mit der Vorlage stößt er Betroffene wie auch die Menschen, die für einen rassismuskritischen Umgang in der Stadtgesellschaft stehen, vor den Kopf“, echauffiert sich der SPD-Ortsverein. Die Sozialdemokraten verlangen, in der jetzigen Diskussion nicht mit einer weiteren Straßenbenennung Fakten zu schaffen. Sie fordern, dass die Vorlage zurückgenommen und die Entscheidung ausgesetzt werden.

Vier Grundstücke betroffen

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Mit der Stadtratsvorlage möchte die Verwaltung eine Diskrepanz zwischen ihrem Straßenverzeichnis und der realen Situation vor Ort korrigieren. Und zwar hat sie im Rahmen der ständigen Aktualisierung der digitalen Stadtkarte eine fehlerhafte Straßenbezeichnung im Bereich Mohrenstraße und Auf den Ebenbergen festgestellt. In der Karte ist erstgenannter Straßenzug viel kürzer eingezeichnet. Die vier Grundstücke mit den Nummern 10, 14, 16 und 20 haben die Anschrift Mohrenstraße, müssten aber laut Verzeichnis der Straße Auf den Ebenbergen zugeordnet werden. Nachdem der Verwaltung der Fehler aufgefallen war, hätte sie eine Adressänderung für die vier Grundstücke vornehmen müssen. Die einfachste Lösung ist jedoch, die Mohrenstraße ein Stück zu verlängern. Damit wird die bereits seit rund 90 Jahren vorhandene Situation vor Ort der Einzeichnung in der Stadtkarte angepasst, und es entstehen keine Kosten.

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