merken
PLUS Radebeul

Moritzburg hat wieder einen Elch

Der junge Bulle ist in Lappland geboren. Eigentlich sollte er gemeinsam mit einer Elch-Dame ins Wildgehege kommen. Doch daraus wurde vorerst nichts.

Nach der Fahrt ins neue Zuhause im Wildgehege Moritzburg zupft sich Elch-Bulle Oskar erst einmal ein paar frische Blätter ab.
Nach der Fahrt ins neue Zuhause im Wildgehege Moritzburg zupft sich Elch-Bulle Oskar erst einmal ein paar frische Blätter ab. © Arvid Müller

Moritzburg. Vorsichtig öffnet Thomas Golz die Trennwand zum hinteren Abteil des Transportanhängers. Doch das große braune Tier, das dahinter sichtbar wird, hat es nicht eilig. Elch-Bulle Oskar bleibt erst einmal im weichen Stroh liegen. Es dauert einige Zeit. Dann plötzlich ein lautes Rumpeln. Der mächtige, zwischen 400 und 500 Kilogramm schwere Körper stemmt sich in die Höhe. Geschafft! Vorsichtig setzt der Elch-Mann einen Huf vor den anderen - reckt den Kopf ins Freie. Dann geht er ganz langsam die Rampe herunter. Läuft zwei, drei Schritte auf sichtbar wackeligen Beinen und bleibt stehen. 

Willkommen im neuen Zuhause! Noch ein paar Meter in Richtung der tief stehenden Abendsonne, dann legt sich das majestätische Tier erst einmal wieder hin. Die Narkose, die der Elch am Morgen bekommen hat, um in den Hänger gehievt zu werden, und die Fahrt aus der Uckermark nach Moritzburg wirken noch nach.

Klinik Bavaria Kreischa
Perspektiven Schaffen - Teamgeist (Er-) leben
Perspektiven Schaffen - Teamgeist (Er-) leben

Wir sind die KLINIK BAVARIA Kreischa - eine der führenden medizinischen Rehabilitationseinrichtungen in Ostdeutschland.

Doch als Züchter und Farmbetreiber Thomas Golz nach einer kleinen Ruhepause ein paar Mal in die Hände klatscht, erhebt sich der große Hirsch wieder. Oskar hat offensichtlich etwas entdeckt, was sein Interesse geweckt hat. Nach wenigen, noch immer etwas unbeholfen wirkenden Schritten ist er am Ziel  - und belohnt sich gleich selbst. Mit einigen frisch gezupften Blättern.

Ronald Ennersch, der Leiter des zum Staatsbetrieb Sachsenforst gehörenden Wildgeheges, hat indes noch reichlich frisches Wiesenheu in einen der Tröge der überdachten Futterstelle gelegt. Denn, wie Thomas Golz sagt, steht bei seinen Tieren im Winter auch immer ein Ballen davon in der Anlage. 

Zudem bekommen seine Elche Weidenzweige und -blätter und im Winter Kiefer. Von den Kraftfutter-Pellets hat er gleich noch einen Sack mitgebracht, damit es Oskar in seinem neuen Zuhause von Beginn an nicht am vertrauten Futter fehlt. Das ist wichtig. Denn obwohl die Elche durch ihre Größe sehr robust wirken, sind sie Futterselktierer, die sehr empfindlich darauf reagieren können, wenn ihnen Gewohntes fehlt. 

Thomas Golz öffnet die Trennwand im Transportanhänger. Den Elch bringt das nicht aus der Ruhe.
Thomas Golz öffnet die Trennwand im Transportanhänger. Den Elch bringt das nicht aus der Ruhe. © Arvid Müller

Forstmann Ronald Ennersch hätte an diesem sonnigen Herbstabend eigentlich allen Grund zur Freude.  Schließlich ist der Elch das Wappentier von Sachsens ältestem Tierpark und die fünf Hektar große Anlage für die mächtigen Tiere steht schon längere Zeit leer. Doch die Anspannung ist größer als die Freude. Nicht ohne Grund. Denn in den vergangenen Jahren stand die Haltung der großen Hirsche unter keinem guten Stern. 

Immer wieder starben Jungtiere, was auch anderswo passiert. Doch auch ältere Tiere kamen zu Tode. Durch Krankheiten, aber auch durch Verletzungen, deren Ursache zum Teil der 14-jährige Elchbulle Horst gewesen war. Im Juli 2019 wurde schließlich die 2017 in Moritzburg geborene Elch-Kuh Elli an Thomas Golz abgegeben,  um nicht auch sie noch zu verlieren. Kurz darauf musste Horst eingeschläfert werden und das Wildgehege stand plötzlich ohne sein Wappentier da.

Neue Hoffnung gab es schließlich im Frühjahr. Ein im Vorjahr geborener Jungbulle kam aus dem Tierpark Sababurg im Landkreis Kassel nach Moritzburg. Das Tier lebte sich gut ein, bis es nach knapp vier Wochen plötzlich ohne Vorwarnung Lähmungserscheinungen hatte. Da es der Tierarzt nicht wieder auf die Beine brachte, musste es eingeschläfert werden. Klarheit über die Ursachen für den Verlust des Elches hatte auch die Untersuchung des toten Tieres nicht gebracht.

Oskar ist noch etwas benebelt von der Narkose und der Fahrt. Daher verzichtet er zunächst auf einen großen Erkundungsgang.
Oskar ist noch etwas benebelt von der Narkose und der Fahrt. Daher verzichtet er zunächst auf einen großen Erkundungsgang. © Arvid Müller

"Wir haben daher lange gerätselt, was die Gründe gewesen sein könnten", sagt Ronald Ennersch. Und es sei viel darüber diskutiert worden, wie es in Moritzburg mit den Elchen weitergeht. "Machen wir überhaupt weiter? Halten wir mehrere Tiere und wenn ja, weibliche oder männliche oder doch beides?" Seit dem plötzlichen Tod des Jungbullen habe es einige Möglichkeiten gegeben, neue Tiere zu bekommen. "Das eine war ein erst in diesem Jahr geborenes Kalb. Da war uns das Risiko zu groß", so der Wildgehegeleiter. "Das andere ein alter Bulle."

Schließlich setzte man sich wieder mit Thomas Golz in Verbindung, der anbot, gleich zwei Elche nach Moritzburg zu bringen. Den dreijährigen Oskar und die etwas ältere Elli. Während diese damit wieder an ihren Geburtsort zurückkehrt, muss sich Oskar erneut an ein neues Zuhause gewöhnen. Denn eigentlich stammt er aus Lappland. In der Uckermark hat er gemeinsam mit Elli bereits erfolgreich für Nachwuchs gesorgt. "Die beiden passen sehr gut zusammen", sagt Thomas Golz. 

Weiterführende Artikel

Moritzburger Bücherwelt mit Tatort und Gütesiegel

Moritzburger Bücherwelt mit Tatort und Gütesiegel

Die Stephanus-Buchhandlung erhält den Deutschen Buchhandlungspreis. Das Geheimnis um Kategorie und Preisgeld wird am Sonntag gelüftet.

Moritzburg: Oskar wartet auf Elli

Moritzburg: Oskar wartet auf Elli

Seit gut einer Woche hat das Wildgehege wieder einen Elch. Dass derzeit Besucher fehlen, stört den jungen Bullen sicher nicht. Möglicherweise aber etwas anderes.

Darum sollten sie eigentlich auch gemeinsam in Moritzburg ankommen. "Als wir Elli  nach der Narkose in den Hänger bringen wollten, fing sie plötzlich an zu husten", erklärt der Züchter. "Da habe ich ihr schnell das Gegenmittel gespritzt, damit sie wieder auf die Beine kommt." Nun soll sie in den nächsten Tagen in eine der Fangboxen gelockt werden. "Dann können wir Elli ohne Narkose verladen." Bis die Elch-Dame in Moritzburg ankommt, hat Oskar so erst mal etwas Zeit, allein die Anlage  zu erkunden. Und auch mit der nötigen Ruhe. Denn das Wildgehege ist coronabedingt bis Ende November geschlossen.

Mehr lokale Nachrichten aus Meißen lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Radebeul lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Riesa lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Radebeul