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Neue Großvitrine präsentiert erstmals Radeburger Waffensammlung

Seit November ist im Heimatmuseum der letzte Teil des neuen Ausstellungskonzepts fertiggestellt. Er widmet sich der Schützengesellschaft der Stadt.

Von Sven Görner
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Ende November wurden die Militär-, Jagd- und Schützenwaffen aus der Sammlung des Radeburger Heimatmuseums in der neuen Großvitrine für die Präsentation angebracht. Diese ist nun fertig eingeräumt und verschlossen und wartet auf die ersten Besucher.
Ende November wurden die Militär-, Jagd- und Schützenwaffen aus der Sammlung des Radeburger Heimatmuseums in der neuen Großvitrine für die Präsentation angebracht. Diese ist nun fertig eingeräumt und verschlossen und wartet auf die ersten Besucher. © Norbert Millauer

Radeburg. Die Museumsleute in Sachsen stehen in Startposition. Mit der neuen Corona-Schutzverordnung, die ab 14. Januar gültig ist, können sie ihre Häuser nach der seit dem 22. November geltenden Corona-Zwangspause endlich wieder öffnen. In Moritzburg ist dann noch bis zum 27. Februar Zeit, die Aschenbrödel-Jubiläumsschau anzusehen, die bisher nur zwei Tage offen war.

Das Käthe-Kollwitz-Haus hatte im Dezember die Mitte September eröffnete Sonderausstellung mit Arbeiten des russischen Malers und Lehrers Alexander Archipowitsch Krjukow bis Ende Januar verlängert.

Im Heimatmuseum Radeburg kann dessen Leiter Robert Rösler den Besuchern nun endlich die komplett neue Dauerausstellung präsentieren, die Ende November fertiggestaltet wurde. Als krönender Abschluss wurde dort eine Großvitrine eingebaut und mit Waffen und einer Uniform der traditionsreichen Radeburger Schützengesellschaft gestaltet, deren Gründung bis in das Jahr 1226 zurückreichen soll.

Die Bezeichnung der neuen Präsentationsmöglichkeit ist übrigens keineswegs übertrieben. Schließlich nimmt die Vitrine im hinteren großen Ausstellungsraum fast eine komplette Wand ein. Der Einbau sei nicht ganz einfach gewesen, erklärt Museumsleiter Robert Rösler. Denn der riesige Glasschrank wurde exakt in den nicht ganz gleichmäßigen Gewölbebogen eingepasst. Das Ergebnis der handwerklichen Arbeiten überzeugt.

Museumsleiter Robert Rösler zeigte Anfang 2020 die bereits restaurierte Schützenuniform vor der damals noch leeren Wand, an die jetzt die Großvitrine gebaut wurde.
Museumsleiter Robert Rösler zeigte Anfang 2020 die bereits restaurierte Schützenuniform vor der damals noch leeren Wand, an die jetzt die Großvitrine gebaut wurde. © Norbert Millauer

Wie auch der museale Inhalt, der in Radeburg nun dank der neuen Vitrine erstmals präsentiert werden kann: 21 Schusswaffen, mit denen die Waffennutzung der Radeburger Schützengesellschaft über einen Zeitraum von mehr als 150 Jahren dokumentiert werden kann und die als typisch für die sächsische Schützentradition angesehen werden können. In der Mitte des Schaukastens ist zudem die historische Uniform eines Schützen zu sehen, die bereits 2019 restauriert worden war.

Auch an die ehemaligen Militärwaffen rechts in der Vitrine und die einstigen Jagd- und Schützenwaffen auf der linken Seite ist von mehreren Experten Hand angelegt worden. Die Stücke, von denen nicht genau bekannt ist, wann sie in den Besitz des Museums gelangt sind, hatten zuvor über Jahrzehnte in einem zum Teil kaum vorzeigbaren Zustand im Depot des Museums geschlummert.

Robert Rösler verweist darauf, dass die historischen Waffen bei der Restaurierung nicht in einen neuwertigen Zustand versetzt wurden. So fehlen beispielsweise an einigen die Hähne und auch in der Vergangenheit vorgenommene wenig fachgerechte Reparaturen wurden belassen. Etwa an einem langen und sehr schlanken Gewehr, das vermutlich aus dem Osmanischen Reich stammt und dessen gebrochener Schaft mit Schuhmachernägeln zusammengehalten wird. Was insofern interessant ist, da Radeburg einst auch als Schuhmacher-Stadt galt.

Dieses Schreiben von einer Besprechung mit dem sowjetischen Stadtkommandanten vom 24. 7. 1945 ist ein Beleg für die Waffensammlung des Radeburger Museums.
Dieses Schreiben von einer Besprechung mit dem sowjetischen Stadtkommandanten vom 24. 7. 1945 ist ein Beleg für die Waffensammlung des Radeburger Museums. © Heimatmuseum Radeburg

Bei der Restaurierung der Waffen sei das Ziel gewesen, den Rost zu stoppen und den Erhaltungszustand zu sichern. Gut zu sehen ist das an einem relativ kleinen und handlichen Karabiner. Schaft und Kolben weisen ein dichtes Muster an Wurmlöchern auf. Dennoch ist er ein sehr schönes Exponat und ein recht seltenes Stück, wie der Museumsleiter weiß. Ursprünglich war das Gewehr aus dem Jahr 1798 als preußische Husarenkarabiner angesehen worden. Doch Rücksprachen mit dem Militärhistorischen Museum Dresden und einem Wiener Museum ergaben schließlich, dass es sich um einen österreichischen Husarenkarabiner handelt.

Das Gegenstück zu diesem - zumindest was die Größe angeht - ist eine fast 13 Kilo schwere Scheibenbüchse. Mit diesem langen Vorderlader waren selbst gegossene Kugeln auf Schützenscheiben geschossen worden.

Hilfe vom sowjetischen Stadtkommandanten

Während von den sogenannten bedürfnisfreien Waffen, nun fast alle aus dem Museumsbestand zu sehen sind, sollen einige andere, die derzeit gut verwahrt werden, möglichst an das Militärhistorische Museum abgegeben werden. Dabei handelt es sich um Waffen, für die eine Waffenbesitzkarte erforderlich ist. „Das wäre für uns mit einem riesigen Aufwand verbunden und zeigen könnten wir diese dennoch nicht“, so Robert Rösler. Da das Museum in Dresden zur Bundeswehr gehört, hat es diese Probleme nicht. Zudem befinde sich im Besitz des Militärhistorischen Museums bereits eine ganz alte Fahne der Radeburger Schützen.

Beachtlich ist, dass die Radeburger Waffensammlung die Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges überstanden hat. Das dürfte wohl nicht zuletzt dem sowjetischen Kommandanten zu verdanken sein. Denn wie aus einem im Archiv der Stadt vorhandenen Schreiben hervorgeht, hatte dieser ausdrücklich erklärt, dass die Schusswaffen im Museum bleiben dürfen.

Planmäßig hat das Radeburger Heimatmuseum an zwei Tagen im Monat am Wochenende geöffnet. Immer am ersten und am dritten Sonnabend, jeweils von 14 bis 16 Uhr. In der Woche kann das Museum dienstags von 10 - 12 und 13 - 18 Uhr besucht werden sowie donnerstags von 10 - 12 und 13 bis 16 Uhr. Erster Öffnungstag nach der coronabedingten Schließung ist damit dieser Samstag, der 15. Januar.