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Sitting Bull kehrt ins Karl-May-Museum Radebeul zurück

Von der Gipsfigur war nur noch der Kopf erhalten. Nun steht die restaurierte Häuptlingsfigur im neu gestaltenen Raum über die Schlacht am Little Bighorn.

Die Figur des Indianerhäuptlings Sitting Bull ist Bestandteil des Custer-Raums im Karl-May-Museum. Museumsmitarbeiter (l.) haben den Ausstellungsraum neu konzipiert und gestaltet.
Die Figur des Indianerhäuptlings Sitting Bull ist Bestandteil des Custer-Raums im Karl-May-Museum. Museumsmitarbeiter (l.) haben den Ausstellungsraum neu konzipiert und gestaltet. © Norbert Millauer

Radebeul. Von der Häuptlingsfigur Sitting Bull war über viele Jahre nur der Kopf erhalten. Im Depot des Radebeuler Karl-May-Museums lagerte dieser. "Er stammt noch aus der Anfangszeit", berichtet Robin Leipold, Wissenschaftlicher Direktor. 82 Jahre nach der Museumeröffnung ist er nun in die Ausstellungsräume zurückgekehrt. Und nicht nur der Kopf.

Häuptling Sitting Bull (um 1831-1890) hat eine ganze Figur komplett mit Unterleib bekommen, nachdem sein Abbild in Körpergröße in den 1970er-Jahren aus der Villa Bärenfett wegen Verschleiß verschwunden war. Für seine Kleider diente eine Fotoaufnahme aus den 1880er-Jahren als Vorbild. "Die Kleidungsstücke wurden der Fotografie so authentisch wie möglich nachgebildet", sagt Leipold. Dem Museum verbundene und befreundete Hobbynäherinnen aus der Indianistik-Szene haben mit Nadel und Faden die Anziehsachen gefertigt.

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Von Fußboden über Wände alles saniert

Seinen neuen Standplatz bekam Sitting Bull im sogenannten Custer-Raum. Den hat das Museumsteam bereits Anfang April vorigen Jahres, noch während des ersten Lockdowns, begonnen, neu zu gestalten. Der Fußboden bekam einen neuen Belag, die Wände einen frischen Anstrich und Vitrinen wurden restauriert. "Zudem haben wir das Ausstellungskonzept überarbeitet", informiert Leipold.

Bislang drehte sich in dem Raum alles um die Schlacht am Little Bighorn. Im Zentrum stand das gleichnamige Schlachtengemälde von Wilhelm Emil „Elk“ Eber, der wegen seiner Verbindungen und Verstrickungen zum Nationalsozialismus und dessen Kunstsprache umstrittene Maler. "Das Bild bleibt als historisches Dokument und als Interpretation eines Indianerfans der Schlacht", erläutert Leipold. Neue Erläuterungstexte ordnen es in den biografischen Kontext von Eber und seiner Lebenszeit kritisch ein. Eber war wie Museumsdirektor Patty Frank ein ethnologischer Sammler indigener Gegenstände. Beide begeisterten sich für das Gefecht am Little Bighorn im Jahr 1876, bei dem US-General Custer mit seiner Armee den Indianern unterlag.

Ein Blick in den neu gestalteten Ausstellungsraum mit dem Gemälde von der Schlacht am Little Bighorn im Karl-May-Museum.
Ein Blick in den neu gestalteten Ausstellungsraum mit dem Gemälde von der Schlacht am Little Bighorn im Karl-May-Museum. © Norbert Millauer
Robin Leipold, Wissenschaftlicher Museumsdirektor, stellt Bücher in die neue Forschungsbibliothek.
Robin Leipold, Wissenschaftlicher Museumsdirektor, stellt Bücher in die neue Forschungsbibliothek. © Norbert Millauer
In den Vitrinen ist unter anderem eine neue Auswahl aus dem reichhaltigen Fundus an Exponaten aus dem Depot zu sehen.
In den Vitrinen ist unter anderem eine neue Auswahl aus dem reichhaltigen Fundus an Exponaten aus dem Depot zu sehen. © Norbert Millauer
Die Figur des Waldläufers ist seit den Anfangstagen des Indianermuseums Bestandteil der Ausstellung. Sie wurde nun restauriert und neu eingekleidet.
Die Figur des Waldläufers ist seit den Anfangstagen des Indianermuseums Bestandteil der Ausstellung. Sie wurde nun restauriert und neu eingekleidet. © Norbert Millauer

Fokus nicht mehr nur auf berühmte Schlacht gerichtet

In dem neu konzipierten Ausstellungsraum wird die Vorgeschichte mit den Indianerkriegen erläutert. Zudem thematisiert das Museumsteam mit Exponaten und Texten, wie durch das Vorrücken der US-Amerikaner der Lebensraum der Indianerstämme im Mittleren Westen sich immer mehr verkleinerte, wie die Indianer in Reservate gedrängt wurden und sich letztendlich erfolglos dagegen wehrten. Denn auch die siegreiche Schlacht am Little Bighorn konnte sie vor der Reservation nicht bewahren. Wie sie in den ihnen zugewiesenen Gebieten lebten, erzählt das Museum in der Ausstellung ebenfalls, auch von der Geisterbewegung und ihrer blutigen Niederschlagung beim Massaker von Wounded Knee im Jahr 1890. Der Erzählbogen reicht an Ausstellungsobjekten und Erläuterungstexten schließlich bis zum heutigen Leben und Kultur der indigenen Völker Nordamerikas.

Leipold hofft, den neu gestalteten Raum den Besuchern des Museums bald zeigen zu können. Denn derzeit müssen wegen des zweiten Lockdowns aufgrund der Corona-Pandemie die Pforten des Hauses geschlossen bleiben. "Seit 2017 haben wir die Indianerausstellung in der Villa Bärenfett saniert und modernisiert", sagt Leipold. Mit dem Custer-Raum kommen die Arbeiten nun zum Abschluss. Sie gingen immer nur schrittweise voran, so wie gerade Geld da war. Rund 6.000 Euro hat die Neugestaltung allein dieses Raumes gekostet, finanziert vorwiegend über Spenden.

Als private Einrichtung muss das Karl-May-Museum seine Kosten zu 65 Prozent selbst erwirtschaften. Dafür benötigt es Besucher. Rund 50.000 kommen im Schnitt pro Jahr. 2020 war sehr gut gestartet. Aufgrund des hohen Besucherzuspruchs im Januar und Februar ließ das Museumsteam auf 57.000 Gäste bis Silvester hoffen. Doch dann kam die Corona-Pandemie mit erzwungenen Schließzeiten. So stehen in der Bilanz für 2020 am Ende rund 31.000 Museumsbesucher. Gegenwärtig befinden sich alle elf festen Mitarbeiter in Kurzarbeit.

Ausstellungsfiguren bekommen Frischekur

Wenn Einnahmen ausbleiben, ist das Museum für jede Unterstützung dankbar. Diese bekommt sie beispielsweise vom Förderverein, der Geld für die Restaurierung der 16 Ausstellungsfiguren sammelt. "2016 haben wir angefangen, die Kostümfiguren zu restaurieren", berichtet Leipold. Sie sind aus Gips und in die Jahre gekommen. Vier haben bereits eine Frischekur bekommen. Kaputte Stellen wurden repariert, ihre Kleidungsstücke von echten Indianern und Trappern durch Replike ersetzt, um die originalen Stoff- und vor allem Lederteile unter besseren konservatorischen Bedingungen aufzubewahren.

Die jüngste restaurierte Figur ist der Waldläufer. Allein zwei Jahre haben Indianistikfans an der Nachbildung des Originalkostüms geschneidert. "Eine besondere Herausforderung stellte die über 200 Jahre alte Lederjacke dar", sagt Leipold. Viele Male musste probiert werden, bis der richtige Schnitt gefunden wurde.

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Neben den letzten Arbeiten an den Ausstellungstexten ist gegenwärtig das Schleppen von Bücherkisten angesagt. Denn im Dachgeschoss der Villa Bärenfett ist eine Forschungsbibliothek über Karl May am Entstehen. Hierfür werden die Büchersammlungen von Karl-May-Stiftung und Karl-May-Gesellschaft zusammengeführt. Letztere Sammlung an Publikationen und Druckerzeugnissen von und über den berühmten Abenteuerschriftsteller lagert im Wasapark. Nun kommen mehrere Tausend Bücher unter einem Dach zusammen. Unter den Schätzen sei eine einmalige Sammlung an Karl-May-Büchern aus dem Radebeuler Verlag, schwärmt Leipold.

www.karl-may-museum.de

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