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Online in den Stammbaum schauen

Das Radebeuler Stadtarchiv stellt Namensregister zu Geburten, Hochzeiten und Sterbefällen ins Internet, weil das Interesse an Familienforschung wächst.

Maren Gündel vom Stadtarchiv hält drei Namensverzeichnisse in der Hand. 60 dieser Bücher befinden sich im Bestand des Archivs, davon sind bereits rund 40 eingescannt und werden im November online gestellt.
Maren Gündel vom Stadtarchiv hält drei Namensverzeichnisse in der Hand. 60 dieser Bücher befinden sich im Bestand des Archivs, davon sind bereits rund 40 eingescannt und werden im November online gestellt. © Norbert Millauer

Radebeul. Wer mehr über seinen Radebeuler Familienstammbaum wissen möchte, musste bislang immer ins Stadtarchiv gehen. Im Haus 1 des Wasaparks lagern historische Dokumente wie Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden. Ob auch ein sogenanntes Personenstandsregister eines Ahnen darunter ist, darüber informieren spezielle Namensverzeichnisse. 

Ab 10. November dieses Jahres, dem Welttag der Wissenschaft, stellt das Radebeuler Stadtarchiv einen Teil dieser Bücher ins Internet. Das ist erst der Anfang, weitere Archivalien zur Familienforschung sollen folgen. Die SZ erklärt, was künftig wie online zu finden ist.

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Was ist mit Personenstandsunterlagen gemeint?

Zu diesen Unterlagen gehören Geburts-, Heirats- und Sterberegister. „Sie enthalten Elementardaten zu einer Person“, erklärt Maren Gündel. Seit 2011 ist die studierte Historikerin und Literaturwissenschaftlerin beim Stadtarchiv tätig und beantwortet unter anderem Anfragen von Familienforschern. 

Im Geburtsregister sind beispielsweise neben dem Namen des Babys, Geburtsdatum und -ort auch Angaben zu Namen, Religion, Familienstand und Beruf der Eltern zu finden. Das Sterberegister beinhaltet nicht nur derartige Informationen über den Verstorbenen, sondern auch über den- oder diejenige, die die Sterbeanzeige aufgegeben hat.

Seit wann und von wem werden Personenstandsregister geführt?

Die Geschichte des Personenstandswesens reicht bis in die Frühe Neuzeit zurück. „Seit dem 16. und 17. Jahrhundert gibt es verbindliche Vorschriften, Register zur Taufe, Trauungen und Verstorbenen zu führen“, informiert Gündel. Diese Aufgabe fiel dem Pfarrer oder Küster einer Gemeinde zu. Die Daten notierten sie in Kirchenbücher.

Unter dem Einfluss Napoleons „Code civil“ mit der Trennung von Kirche und Staat ging das Personenstandswesen an die Standesämter über - zunächst 1874 im Königreich Preußen, ab 1. Januar 1876 auch im gesamten Deutschen Reich und somit auch in Sachsen. Neben den Registern führen die Standesbeamten auch Namensverzeichnisse über Geburten, Hochzeiten und Sterbefälle, wo neben Vor- und Familienname sowie Datum des jeweiligen Ereignisses die Registernummer aufgelistet ist. Diese Nummer führt zur ausführlicheren Datensammlung in den Personenstandsregistern.

Seit wann werden Register durch das Standesamt in Radebeul geführt?

Die staatliche Personenstandsregistrierung begann in der Lößnitzstadt am 1. Januar 1876. Das Standesamt Radebeul ist seither durchgängig dafür zuständig. Kötzschenbroda hat die Register bis 1935 eigenständig geführt, in der Zeit vom 1. Januar 1935 bis 31. Dezember 1936 als Standesamt Radebeul II. Naundorf hatte sein eigenes Personenregisteramt vom 1. Mai 1906 bis 30. September 1923. Das Standesamt saß in dem Gebäude, in dem sich jetzt das Kinderhaus befindet. Für Wahnsdorf gibt es eigene Personenstandsregister für den Zeitraum vom 1. Juli 1931 bis 31. März 1934.

Ein Blick in das Namensverzeichnis zu Sterbefällen im Jahr 1876 in Radebeul, das online geht: Neben dem Namen und dem Todestag des Verstorbenen steht in der Auflistung jeweils eine Registernummer. Diese führt im Archiv zur Sterbeurkunde.
Ein Blick in das Namensverzeichnis zu Sterbefällen im Jahr 1876 in Radebeul, das online geht: Neben dem Namen und dem Todestag des Verstorbenen steht in der Auflistung jeweils eine Registernummer. Diese führt im Archiv zur Sterbeurkunde. © Norbert Millauer

Diese Angaben sind für die Ahnenforschung wichtig. Wer beispielsweise nach einem Vorfahren aus Wahnsdorf recherchiert und nach staatlichen Daten zu Geburt, Hochzeit oder Trauerfall für die Zeit vor 1931 sucht, wird nicht in Radebeul, sondern in Moritzburg fündig.

Wie kommen diese Unterlagen ins Stadtarchiv?

Registerbücher und Namensverzeichnisse lagerten bis zur Novellierung des Personenstandsgesetzes im Jahr 2017 in den Standesämtern. Seit der damaligen Gesetzesänderung werden diese Unterlagen nach Ablauf einer bestimmten Frist zum Archivgut. Die Zuständigkeit des Stadtarchivs für ein Geburtsregister beginnt nach 110 Jahren des eingetragenen Tags der Entbindung und bei Hochzeiten nach 80 Jahren nach dem Tag der Eheschließung. 

Bei Sterbefällen dauert die Frist 30 Jahre bis der Eintrag ins Sterberegister vom Standesamt ins Stadtarchiv wechselt. „Jeden Tag rutscht die Zuständigkeit um einen Tag weiter“, berichtet Gündel. Das bedeutet aber nicht, dass die Standesbeamtin nun täglich Registereintragungen vorbeibringt. Einmal im Jahr gibt sie einen Stapel an Registerunterlagen ab.

Wie viele Registerbücher besitzt das Stadtarchiv derzeit?

An Namensverzeichnisbüchern liegen 60 Stück mit jeweils mehreren Hundert Seiten voller Listeneinträge im Archiv. An Urkundenbüchern befinden sich 260 im Bestand. Das älteste Dokument aus dem Standesamt Radebeul beurkundet die Geburt von Friedrich August Lippert, geboren am 3. Januar 1876. Unter den Archivalien sind auch die Heiratsurkunde von Karl und Klara May aus dem Jahr 1903 sowie die Sterbeurkunde von Friedrich Eduard Bilz vom 30. Januar 1922.

Welchen Quellenwert haben diese Register und wer fragt nach diesen?

„Personenstandsregister sind die Einstiegsquelle für Familienforscher“, sagt Gündel. Mit den dort enthaltenen Kerndaten können sie Familienangehörige bis zu vier oder fünf Generationen zurückverfolgen. Aber auch Gerichte, Notare oder Anwaltskanzleien fragen an, um beispielsweise Erben zu ermitteln. Darüber hinaus interessieren sich Wissenschaftler für dieses Material.

Warum stellt das Archiv rund 40 Namenverzeichnisse nun online?

Das Interesse an Familienforschung wächst. Unter den im Jahr 2008 an das Stadtarchiv herangetragenen 63 Anfragen war nicht eine zu den Personenstandsunterlagen. Im Jahr darauf waren es 105 allein zu dem Themenfeld von insgesamt 145 Auskunftswünschen. Die meisten Gesamtanfragen im vergangenen Jahrzehnt hat das Stadtarchiv im Jahr 2018 mit 583 registriert. Davon hatten 257 Familiengeschichte zum Thema. Im vorigen Jahr lagen 171 und in diesem bislang 138 familiengeschichtliche Anfragen vor.

Die Recherche in den Namensverzeichnissen ist aufwendig. Durch das Onlinestellen hoffen die Archivmitarbeiter auf eine Entlastung, damit sie Zeit für andere Themen gewinnen. So ist das Einscannen und Onlinestellen von Registerurkunden geplant. 

Andererseits können Familienforscher selbst Geld sparen, wenn sie in den onlinegestellten Verzeichnissen nach ihrem Ahnen und dessen Registernummer recherchieren. Denn bislang wird für die Bearbeitung einer Anfrage durch eine Archivmitarbeiterin eine Gebühr von zwölf Euro je Viertelstunde fällig.

Wie sind die Online-Unterlagen ab Mitte November im Internet zu finden?

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Zu den Namensverzeichnissen gelangen Interessierte über die Internetseite der Stadt. In der Anfangszeit gibt es direkt auf der Startseite einen Link. Man kommt auch über die Kategorien „Leben & Wohnen“ sowie „Aktuelles aus dem Stadtarchiv“ zu den pdf-Dateien mit den Namensbüchern.

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