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Piksen in der Tennishalle

Im Radebeuler Krokofit ist eine weitere Impfstelle in Betrieb gegangen. Hunderte Menschen sollen hier pro Woche ihren Corona-Schutz bekommen.

Von Silvio Kuhnert
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Blick in eine der fünf Impfkabinen: Wo ein Arzt der Elblandkliniken am Freitag einen Piks in den Oberarm setzt, wird sonst Ricochet gespielt.
Blick in eine der fünf Impfkabinen: Wo ein Arzt der Elblandkliniken am Freitag einen Piks in den Oberarm setzt, wird sonst Ricochet gespielt. © Norbert Millauer

Radebeul. Herausfordernde Zeiten bringen neue Aufgaben mit sich. Normalerweise sorgt Titus Reime als Geschäftsführer der Stadtbäder und Freizeitanlagen GmbH (sbf) mit seinem Team dafür, dass der Betrieb im Sport- und Freizeitzentrum Krokofit, in der Schwimmhalle und im Bilzbad reibungslos funktioniert. Schwimmen und Handel stemmen ist wegen der Infektionslage nicht. Und in der Halle, wo sonst Tennisspieler agieren, ist jetzt eine Impfstrecke aufgebaut.

Sbf-Chef Reime trägt eine weiße Weste. Darauf steht Leiter Impfstelle. "Was man als Sportdirektor so macht", sagt er auf einem Rundgang durch den Impfpunkt, der am Freitag seinen Betrieb aufnahm. Im Krokofit befindet sich eine von fünf Impfstellen des Landkreises Meißen.

Wartebereich im Warmen

Von der Richard-Wagner-Straße aus kommend gehen Impfwillige an der Schwimmhalle vorbei, die Zufahrtsstraße gerade aus. Auch den Parkplatz sowie den Haupteingang lassen sie links liegen. Sondern sie schauen nach vorn, wo am Ende des Asphalts ein großes Transparent den Impfpunkt ankündigt. Vor der Glasfront an der Nordseite der Tennishalle sind Läufer unter Pavillons ausgelegt. Sie weisen den Weg zum Eingang des Impfzentrums. Die Szenerie gleicht einem roten Teppich, über den sonst Promis zu Preisverleihungen gehen. Sie hat allerdings ganz praktische Gründe. Die Pavillons schützen vor Regen und Schnee, die Teppiche halten Matsch von den Schuhen fern, falls sich doch einmal eine längere Warteschlange bilden sollte.

Die Tennishalle des Krokofit bietet viel Platz für Warte- und Impfbereich.
Die Tennishalle des Krokofit bietet viel Platz für Warte- und Impfbereich. © Norbert Millauer

Szenen wie am 11. November dieses Jahres, als Menschen hintereinander gereiht die Rennerbergstraße hinauf standen und für einen Piks des mobilen Impfteams anstanden, möchte Titus Reime verhindern. Deshalb hat er die Impfstrecke ganz bewusst in der Tennishalle geschaffen. Diese ist groß und bietet reichlich Platz für Wartebereiche im Warmen und Trockenen. Wer sich für eine Grundimmunisierung oder zum Boostern anstellt, muss sich zuvor eh einen Termin über das Portal des DRK Sachsen buchen, wodurch lange Wartezeiten vermieden werden.

Ausweis und Krankenversicherungskarte

Der erste Wartebereich befindet sich vor dem sogenannten Check-Inn, dem Anmeldebereich. Dort müssen alle wichtigen Dokumente vorgelegt werden, wie die ausgefüllten Impfunterlagen mit Einwilligungserklärung und Anamnesebogen. Zum Ausfüllen stehen Tische mit Ausdrucken darauf in der Wartezone bereit. Des Weiteren sind Impfausweis, Personalausweis oder Reisepass und Krankenversicherungskarte mitzubringen. Karte und Papiere steckt man nach der Anmeldung wieder ein. Impfausweis und -unterlagen gibt man ab, dafür bekommt man einen Laufzettel mit einer Nummer.

Mit diesem Zettel nimmt der zu Impfende im zweiten Wartebereich auf einen der dort befindlichen Stühle Platz. Dieser befindet sich vor dem Impfbereich, der durch Sichtschutz von der übrigen Tennishalle abgetrennt ist. Diesen Bereich betritt Mann oder Frau erst, wenn seine oder ihre Nummer aufgerufen wird.

Im Wartebereich zwei nehmen die Impfwilligen auf Stühlen Platz, bis sie vom Ärzteteam aufgerufen werden.
Im Wartebereich zwei nehmen die Impfwilligen auf Stühlen Platz, bis sie vom Ärzteteam aufgerufen werden. © Norbert Millauer

In den Räumen, wo sonst Ricochet gespielt wird - eine dem Squash ähnelnde Sportart-, sind fünf Impfkabinen aufgebaut, eine davon ist für längere Anamnesegespräche vorgesehen. Das Angebot mit dem Aufklärungsgespräch über den Impfstoff und seine Wirkung nehmen vor allem Menschen wahr, die zur Grundimmunisierung, der ersten und zweiten Impfung, kommen, informiert Reime. Diejenigen, die durch Booster ihren Coronaschutz auffrischen wollen, verzichten erfahrungsgemäß darauf.

150 Impfungen zum Start

Bis zu fünf Ärzte können gleichzeitig eine Impfung vornehmen. Am Freitag waren zunächst zwei, am Nachmittag drei im Einsatz. Sie sind in der Stadt niedergelassen, arbeiten am Elblandklinikum oder befinden sich im Ruhestand. Impfärzte zu finden, stellt kein Problem dar. Die Lößnitzstadt sei hier gut aufgestellt, denn hier wohnen einige Mediziner, informiert Reime.

Als Impfstoffe kommen Biontech und Moderna zum Einsatz. Erstgenannter ist allerdings rationiert. 100 Fläschchen konnte Reime über eine Apotheke für eine Woche besorgen. Moderna ist dagegen unbegrenzt verfügbar. "Mit 150 Impfungen am Tag starten wir", informiert Reime, auf 500 bis 800 will er die Anzahl mit der Zeit steigern. Bis Ende Februar 2022 ist der Impfpunkt zunächst vorgesehen, mit der Option der Verlängerung, wenn die Nachfrage weiter besteht und der Landkreis Mittel zur Finanzierung zur Verfügung hat.

Impfungen zwischen 12 bis 19 Uhr

Das Geld dafür stammt aus dem Topf vom Freistaat. Das Land hat zwei Millionen Euro für die Kreise und kreisfreien Städte zur Verfügung gestellt, damit diese als Ersatz für die geschlossenen Impfzentren für ein schnelleres Impftempo sorgen.

Nach der Impfung geht es in den Wartebereich drei, wo man mindestens eine Viertelstunde auf einem Stuhl Platz nimmt. Während der Wartezeit machen Mitarbeiter des sbf die Abmeldeunterlagen fertig, unter ihnen ist der QR-Code für den digitalen Impfnachweis. Sechs Beschäftigte des sbf sind zu den Öffnungszeiten des Impfpunkts im Einsatz, um von An- bis Abmeldung sowie über Sicherheit für einen geordneten Ablauf zu sorgen. Vom 20. bis 23. sowie vom 27. bis 30. Dezember dieses Jahres hat das Impfzentrum in Radebeul, Richard-Wagner-Straße 5, jeweils von 12 bis 19 Uhr geöffnet. Ab 3. Januar 2022 wird von Montag bis Sonnabend täglich zwischen 12 und 19 Uhr geimpft.

In dieser Woche haben außer in Radebeul noch die kommunalen Impfstellen in Coswig (Weinböhlaer Straße 31 a) und Großenhain (Schlossplatz 1) geöffnet. In Riesa (Bahnhofstraße 42) ist die Eröffnung für Dienstag kommender Woche avisiert. Darüber hinaus ist eine Impfstelle in Meißen geplant.