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Radebeul kauft Himmelsleiter zur Wettinshöhe

Seit Jahren wartet die Weinbergtreppe auf eine Sanierung. Der Besitzer wollte nicht. Die Stadt konnte nicht, weil die Stufen ihr nicht gehörten. Das ändert sich nun.

Die Lößnitzstadt Radebeul ist schon seit vielen Jahren daran interessiert, die Himmelsleiter in Zitzschewig zu kaufen, um die kaputten Stufen und Mauern der Weinbergtreppe wieder instand zu setzen.
Die Lößnitzstadt Radebeul ist schon seit vielen Jahren daran interessiert, die Himmelsleiter in Zitzschewig zu kaufen, um die kaputten Stufen und Mauern der Weinbergtreppe wieder instand zu setzen. © Norbert Millauer

Radebeul. Neben der Spitzhaustreppe und der Treppe zur Friedensburg soll es in Radebeul in Zukunft eine weitere Stufenanlage mit Aussichtspunkt in den Weinbergen geben und Touristen anlocken. Die Himmelsleiter hinauf zum Schloss Wettinhöhe besteht zwar schon längst. Jedoch sind ihre 242 Stufen in keinem guten Zustand, Mauern rechts und links sind teils eingefallen. Nun hat sich für die Stadt eine Chance zum Kauf und Instandsetzen ergeben.

Die Weinbergtreppe zwischen Knollenweg unten und Barkengasse oben ist zwar ein öffentlich gewidmeter Weg. Jedoch liegt sie auf privatem Grund und Boden. "Sie steht nicht im Eigentum der Stadt", wie Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) auf der Stadtratssitzung am Mittwochabend berichtete. Der bisherige Eigentümer wollte sie auch nicht hergeben. "Alle Kaufverhandlungen blieben ohne Erfolg", führte das Stadtoberhaupt weiter aus. Zwar bot der Treppenbesitzer an, dass die Lößnitzstadt die Steinstufen reparieren könnte. Das lehnte die Stadt aber ab. Denn sie investiere nicht auf Grundstücken, die ihr nicht gehören. "Deshalb unterblieb die Sanierung der Treppe", so Wendsche.

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Treppenanlage gehörte bislang zur Villa

Der bisherige Eigentümer der Himmelsleiter war Adolf Schütte. 1997 kaufte der ehemalige Landwirt aus Münster, der nach dem Fall der Mauer als Eierverkäufer, Immobilienmakler sowie Markthändler in Dresden und Leipzig vermögend geworden war, Schloss Wettinhöhe samt dem Weinberg zu Füßen der stattlichen Villa. Da es den Westfalen im Alter allerdings wieder zurück in seine westdeutsche Heimat verschlug, kam das markante und weit sichtbare Haus an der Elbhangkante zur Versteigerung. In diesem Jahr feierte Schütte seinen 80. Geburtstag.

Die Treppe führt hinauf zum Schloss Wettinhöhe. Bei einer Versteigerung im Spätsommer dieses Jahres hat die stattliche Villa den Eigentümer gewechselt.
Die Treppe führt hinauf zum Schloss Wettinhöhe. Bei einer Versteigerung im Spätsommer dieses Jahres hat die stattliche Villa den Eigentümer gewechselt. © Norbert Millauer

Auf der Herbst-Auktion der Sächsischen Grundstücksauktionen AG Ende August dieses Jahres fiel im Dresdner Hygienemuseum der Hammer bei einem Gebot von 3,5 Millionen Euro. Die Summe entsprach dem Mindestgebot für die Villa sowie dem Grundstück von rund 17.059 Quadratmeter Größe. Es gab nur einen Bieter. Und das war die Firma Vicus Real Estate Leipzig 32 GmbH, ein Unternehmen der Vicus Group AG, wie jetzt bekannt wurde.

Die Immobiliengruppe aus Leipzig ist nach eigenen Angaben auf die Bewirtschaftung und Revitalisierung von Bestandsimmobilien spezialisiert. Einen besonderen Fokus legt sie auf das Wiederbeleben von Gewerbeimmobilien und kauft hierfür Büros und Hotels.

Neuer Eigentümer hat kein Interesse an Himmelsleiter

In Radebeul gehört der Vicus Group AG bereits der große Bürogebäudekomplex an der Dresdner Straße. Das auch als Hammerhaus bekannte Ensemble wird derzeit umfassend saniert. Ein Großmieter ist der Freistaat Sachsen. So ist jüngst die Geschäftsstelle des Staatsbetriebs Sächsische Informatik Dienste (kurz: SID), der zentrale IT-Dienstleister für die sächsische Staatsverwaltung, eingezogen. Mitte nächsten Jahres soll der Einzug der Zentralstelle für Prävention des Landeskriminalamtes folgen, mit dabei ist Polizeimaskottchen Poldi.

Die Vicus Group AG hat als neuer Eigentümer von Schloss Wettinhöhe kein Interesse an der maroden Weinbergtreppe und bot sie der Stadt zum Kauf an, und zwar für den symbolischen Preis von 880 Euro. Das entspricht für die Fläche, die die Treppe einnimmt, einem Quadratmeterpreis von einem Euro. "Es handelt sich um eine historische und denkmalgeschützte Treppenanlage. Sie ist ein wertvoller Bestandteil unserer Weinkulturlandschaft", sagte OB Wendsche auf der Stadtratssitzung, bei der er für den Erwerb war. Mit dem Kauf gibt es künftig in allen drei Weinanbaugebieten ein Aufstieg durch die Rebflächen samt Aussichtspunkt. Die Spitzhaustreppe steht als Weinwanderweg schon lange zur Verfügung. Für den Treppenaufstieg samt Wanderweg an der Friedensburg soll im Frühjahr kommenden Jahres der Baubeschluss erfolgen.

Sanierung kostet deutlich mehr als 125.000 Euro

In Zitzschewig kann die Stadt die Planung zum Instandsetzen der Stufen im nächsten Jahr angehen. Der Stadtrat stimmte bei einer Enthaltung mit 30 Ja-Stimmen zu, dass die Lößnitzstadt die Himmelsleiter erwirbt. Angesichts des geringen Kaufpreises hätte OB Wendsche dafür nicht die Erlaubnis der Räte einholen müssen. Er tat es dennoch wegen der beachtlichen Folgekosten. Denn eine Instandsetzung der Stufenanlage verschlingt nach einer Schätzung aus dem Jahr 2009 rund 125.000 Euro. Angesichts der Preisentwicklung im Baubereich in den zurückliegenden elf Jahren muss die Stadt heutzutage eine ordentliche Schippe an Geld drauflegen.

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Bei der Herbst-Auktion kam die imposante Radebeuler Villa unter dem Hammer. Sie brachte aber nur das Mindestgebot ein.

Stadtrat Hans Kraske (Freie Wähler) schlug wegen des sehr schlechten baulichen Zustands der Stufen vor, schon im nächsten Jahr die erforderlichen Finanzmittel für die Sanierung in den Haushalt einzustellen. Seinen Eifer musste OB Wendsche bremsen. "Eine Realisierung im Jahr 2021 ist ausgeschlossen. Wir müssen erst planen und Fördermittel beantragen", so der Rathauschef.

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