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Radebeul muss für mehr Löschwasser sorgen

Das Hydrantensystem ist im Stadtgebiet veraltet. Auch das Einhalten der Hilfsfrist muss verbessert werden, wie der Brandschutzbedarfsplan ergab.

In puncto technischer Ausstattung, Wagenflotte und Mannschaftstärke ist die Radebeuler Feuerwehr gut aufgestellt, wie die Kameraden und Kameradinnen bei einem Gruppenfoto vor der Wache Kötzschenbroda demonstrieren. Probleme gibt es dennoch.
In puncto technischer Ausstattung, Wagenflotte und Mannschaftstärke ist die Radebeuler Feuerwehr gut aufgestellt, wie die Kameraden und Kameradinnen bei einem Gruppenfoto vor der Wache Kötzschenbroda demonstrieren. Probleme gibt es dennoch. © Arvid Müller

Radebeul. Mitten in den alten Dorfkernen von Naundorf und Wahnsdorf liegt ein Teich. Drumherum sind die Gehöfte aufgereiht. Das hatte seinen Grund: Im Brandfall war Löschwasser gleich in der Nähe. Die Bauern mussten nicht erst Wasser aus einem Brunnen in die Höhe pumpen oder mit einer Kurbel Eimer für Eimer hochziehen, sie brauchten nur zu schöpfen.

Heutzutage sorgt ein System aus Hydraten im Stadtgebiet von Radebeul dafür, dass die Kameraden der freiwilligen Feuerwehr Wasser zum Löschen von Bränden haben. 1.514 Stück gibt es in der Lößnitzstadt. Sie sollen zu 100 Prozent den Löschwasserbedarf abdecken. Jedoch funktionieren sie nur mangelhaft. Diese Note musste Christoph Gurath, Ingenieur für Sicherheit und Gefahrenabwehr vom Dresdner Büro Emragis, dem Radebeuler Hydrantensystem geben. Im Auftrag der Stadt nahm er für den aktuellen Brandschutzbedarfsplan das Feuerwehrwesen der Lößnitzstadt genau unter die Lupe.

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Durchflussmenge ist zu gering

Als größte Baustelle entpuppte sich die Löschwasserversorgung. „Sie ist kritisch und nur im Kernbereich der Stadt sichergestellt. An den Stadträndern und in Radebeul-Ost kann nicht mehr von einer funktionierenden Löschwasserversorgung gesprochen werden“, lautet Guraths Fazit. Er hat für den Brandschutzbedarfsplan eine empirisch-mathematische Risikoanalyse vorgenommen.

Von den 1.499 Unterflurhydranten, bei der die Zapfstelle meist unter einem Deckel versteckt liegt, und den 15 Überflurhydranten, die als Zapfsäule oberirdisch stehen, sind 199 nicht nutzbar, weil sie kaputt sind. Bei 1.262 oder 83 Prozent fließt weniger als 24 Kubikmeter in der Stunde durch die Armatur. Nur 53 der Hydranten können bis zu 48 Kubikmeter je Stunde liefern. Diese Durchflussmenge ist für das Löschen eines mittleren Brandes eines Einfamilienhauses oder Wochenendhäuschens erforderlich. Bei einem Großbrand müssen bei einem Wohnhaus 96 und in einem Industrie- und Gewerbegebiet sogar 192 Kubikmeter je Stunde anliegen.

Damit die Kameraden derzeit ausreichend Wasser zur Brandbekämpfung haben, müssen sie nicht nur einen, sondern mehrere Hydranten anzapfen. Dafür verlegen sie sehr lange Schlauchbahnen, was wertvolle Zeit in Anspruch nimmt.

Sehr hoher Investitionsbedarf

Den Grund für den schlechten Zustand des Hydrantensystems hatte Radebeuls Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) auf der Stadtratssitzung im Februar geschildert. Die Hydranten sind an das Trinkwassernetz angeschlossen. Und deren Leitungen sind großteils 80 oder noch mehr Jahre alt. Denn wie beim Abwassernetz wurden die meisten Rohre vor Beginn des Zweiten Weltkriegs verlegt. Seither hat sich ein enormer Investitionsbedarf angestaut. Gurath beziffert ihn allein für den Aufbau eines Hydrantensystems, das den heutigen Ansprüchen und Vorgaben entspricht, auf rund 14 Millionen Euro.

Als Feuerlöschteich dient der Dorfteich in Naundorf derzeit nicht. Auf Empfehlung eines Experten soll die Stadt jedoch Löschwasserzisternen und -behälter schaffen.
Als Feuerlöschteich dient der Dorfteich in Naundorf derzeit nicht. Auf Empfehlung eines Experten soll die Stadt jedoch Löschwasserzisternen und -behälter schaffen. © Norbert Millauer

Für die Löschwasserversorgung empfiehlt Gurath der Lößnitzstadt, nicht nur auf Hydranten zu setzen, sondern auch ein dezentrales System, bestehend aus Löschwasserteichen, Zisternen und Brunnen, aufzubauen. Auch wenn in den historischen Dorfkernen von Naundorf und Wahnsdorf sich jeweils ein Teich befindet, dienen diese heute mehr der Zierde. Als Löschwasserteiche sind sie im Brandschutzbedarfsplan nicht vorgesehen. Um die Löschwasserversorgung zu verbessern, rät Gurath der Stadt, an 78 Standorten Löschwasserbehälter mit 100 oder 200 Kubikmeter beziehungsweise 100.000 oder 200.000 Liter Fassungsvermögen zu installieren.

276 Einsätze im vorigen Jahr

In Sachen Technik, Fahrzeuge und Personal sind die freiwilligen Feuerwehren in Ost, West, Lindenau und Wahnsdorf gut aufgestellt. Alle vier Wehren zusammen zählen 140 Mitglieder (davon 20 Frauen), aktiv sind 98, darunter zehn Frauen. 85 Jugendliche gehören zur Jugendfeuerwehr.Im vorigen Jahr rückten sie zu 276 Einsätzen aus. Davon waren 127 Hilfeleistungen, wie etwa Türöffnungen, Hilfen bei Verkehrsunfällen, etwa Ölspuren beseitigen oder eingeklemmte Kraftfahrer befreien. Allein 53 Einsätze waren Fehlalarme. 44-mal hat es richtig gebrannt.

Bei Feuer kommt es auf jede Sekunde an. Denn die Zeit, die es ein Mensch in einem brennenden Raum aushält, um nicht an einer Kohlenmonoxidvergiftung zu sterben, ist begrenzt. Die schnelle Ankunft der Feuerwehrleute am Einsatzort entscheidet hierbei über Menschenleben. Rund vier Minuten verstreichen im Schnitt, bis nach einem Brandausbruch die Feuerwehr alarmiert ist. Nach 17 Minuten ist die sogenannte Reanimationsgrenze überschritten. Ein Mensch, der sich in einem brennenden Raum befindet, hat dann so viel Rauch eingeatmet, dass jegliche Rettung zu spät kommt.

Ausrückezeit optimieren

Um dieses Szenario zu verhindern, wird eine sogenannte Hilfsfrist von neun Minuten empfohlen. Das heißt, innerhalb dieses Zeitraums sollen nach einer Alarmierung die Kameraden am Einsatzort eintreffen.Wenn die Sirene ertönt oder der Pieper Alarm schlägt, sind die Feuerwehrmänner in Radebeul-Ost im Schnitt nach fünf Minuten zum Einsatz bereit, sprich zur Wache geeilt, in die Uniform geschlüpft und ins Feuerwehrauto gestiegen. In Kötzschenbroda benötigen sie im Durchschnitt sechs Minuten. Danach fahren sie mit dem Löschfahrzeug los.

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Die Hilfsfrist von neun Minuten bis zum Eintreffen am Einsatzort können sie derzeit nur zu 27 Prozent erfüllen. Der sogenannte Abdeckungsgrad lässt sich jedoch laut Gurath auf 54 Prozent erhöhen, wenn die Wehren ihre Ausrückezeiten optimieren. Auf 70 Prozent verbessert sich das Erfüllen der Hilfsfrist, wenn die neue Wache in Radebeul-Ost in Betrieb geht. Noch in diesem Jahr soll Baustart sein. Am neuen Standort an der Schildenstraße ist das Gerätehaus zentraler im Stadtgebiet gelegen als jetzt an der Wichernstraße. Zudem lässt sich die Hilfsfrist noch weiter verbessern, wenn die Radebeuler Feuerwehr ihre Zusammenarbeit mit den Kameraden in den Nachbarkommunen Coswig, Moritzburg und Dresden weiter ausbaut und intensiviert. Dies sei wichtig bei Bränden an der Stadtgrenze, so Gurath.

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