SZ + Radebeul
Merken

Radebeuler „Brummtopf“ sucht einen Nachfolger

Im Hinterhof des Musikhauses Horn wurde früher geschlemmt, getrunken und musiziert. Inhaber Harald Horn sucht jetzt einen neuen Betreiber.

 3 Min.
Teilen
Folgen
Stolz und gut gelaunt sitzt Harald Horn mit seiner Gitarre auf der hauseigenen Bühne seiner Gastro-Livemusik-Kneipe „Brummtopf“. Alles ist noch verkabelt und funktioniert auf Knopfdruck. Selbst die Bar im Hintergrund ist noch voll bestückt.
Stolz und gut gelaunt sitzt Harald Horn mit seiner Gitarre auf der hauseigenen Bühne seiner Gastro-Livemusik-Kneipe „Brummtopf“. Alles ist noch verkabelt und funktioniert auf Knopfdruck. Selbst die Bar im Hintergrund ist noch voll bestückt. © Norbert Millauer

Von Julian Wolf

Radebeul. Seit mittlerweile einigen Jahrzehnten ist der Name „Horn“ in Radebeul eine echte Institution. Die Rede ist hier vom gleichnamigen Musikhaus in der Eduard-Bilz-Straße 6. Gründer Harald Horn übergab das Geschäft bereits vor einigen Jahren seinem Sohn Daniel. Doch nicht nur für das Instrumentengeschäft ist der mittlerweile 73-Jährige in Radebeul bekannt. Zusammen mit seiner Frau Elke betrieb Harald Horn die Musik- und Gastro-Kneipe „Brummtopf“ im Hinterhof des Musikhauses. Zumindest bis der Coronavirus im Frühjahr 2020 kam. Jetzt sucht der Radebeuler einen Nachfolger für seine Livemusik-Gastwirtschaft.

Stolz betrachtet Harald Horn seinen Laden, kocht sich einen Kaffee und nimmt anschließend seine Gitarre in die Hand und spielt. „So war das früher hier“, sagt er freudestrahlend. Eigentlich ist alles wie früher. An der Eingangstür ist weiterhin das Schild „Institution zur Bekämpfung akuter Unterhopfung“ angenagelt und Country- und Western-Bilder und Antiquitäten stehen im Hof. Das einzige was fehlt, sind die Öffnungszeiten des Brummtopfes.

Live-Musik aus allen Ecken

Im Inneren angekommen fällt auf, hier gibt es keine unangenehmen Gerüche. Auch kein einziges Staubkorn ist mit bloßem Auge zu erkennen. Die Kaffeemaschine läuft, die Küche ist gereinigt und auch die Bar ist mit Gin- und Whiskeyspezialitäten voll bestückt. Die Toiletten sind sauber und selbst Desinfektionsmittel und Küchenrolle am Eingang stehen bereit. Alles sieht nach einer Wiedereröffnung aus. Doch dem ist nicht so.

„Vom 1999 bis 2016 habe ich gemeinsam mit meiner Frau — zu Hochzeiten noch mit drei weiteren Mitarbeitern — den Brummtopf regelmäßig geöffnet. In der Küche wurde gebrutzelt, an der Bar flossen die Getränke und Live-Musik ertönte aus allen Ecken“, berichtet Harald Horn. Bis Corona kam, stand der Brummtopf noch für private Veranstaltungen gegen einen kleinen Obolus zur Verfügung. Weihnachtsfeiern und ausgewählte Musikveranstaltungen fanden in den letzten Jahren zwischen 2016 und 2019 hier statt. Damit ist jetzt Schluss.

Zwinger Trio kam zur Eröffnung

Jedes Jahr organisierte Harald Horn mehr als 50 Veranstaltungen. Darunter waren Western-Line-Dance und Blues-Musik-Abende. Jede Woche war etwas los, in mancher sogar mehrmals. Alle Events wurden penibel in Fotos und Videos dokumentiert, jegliche Flyer, Plakate, Zeitungsausschnitte, Radio- und Fernsehbeiträge über den Brummtopf gesammelt und archiviert. An die Eröffnung erinnert sich der Radebeuler noch gut: „Es war der 28. August 1999. 300 Leute standen auf dem Hof und drinnen war es auch voll. 29 DM kostete damals der Eintritt pro Person. Das Dresdner Zwinger Trio konnte ich zur Neueröffnung gewinnen.“

Das Original-Plakat der Eröffnung ziert auch heute noch die Wand am Eingang wie so viele historische Schätze ebenfalls: Gitarren, Zithern, Trommeln, eine Hammond-Orgel, viele kostbare Plakate, Schilder und Eintrittskarten. Die Pflege dieser kostet Zeit und Energie. Selbst nochmal die Gastro zu leiten sei ausgeschlossen.

Bier- und Weingarten

„Ich wünsche mir einen Nachfolger, der unsere Gastronomie und den Saal so übernehmen will“, erklärt Harald Horn. „Alle Räume sind liebevoll und genrespezifisch eingerichtet. Im Tanzsaal nebenan beispielsweise finden immer noch Line-Dance-Kurse statt“. Auf 300 Quadratmetern erstreckt sich das urige Areal. Draußen wird weiterhin der Bier- und Weingarten mit Terrasse gepflegt. „Sehr gern würde ich sehen, wie hier wieder Leben einkehrt nach der Pandemie“, wünscht Harald Horn. „Auch einen Verein bringe ich hier sehr gern unter.“

Ein paar Anfragen hatte der 73-Jährige schon. Die Vereine sind woanders untergekommen. Und Lust drauf alles rauszureißen und eine Pizzeria dann im Hinterhof zu haben, hat Harald Horn nicht. Dennoch will er mit allen reden und ist für jede Idee offen. Eine Mischung aus Kulinarik und Kultur wäre ihm jedoch am liebsten.

www.brummtopf-radebeul.de

E-Mail an [email protected]