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Radebeuler gedachten jüdischer Mitbürger

Mit Innehalten und Rosen wurde vor dem Wettinhaus an Familie Freund erinnert. Sie war Opfer des nationalsozialistischen Antisemitismus.

An den fünf Stolpersteinen vorm Eingang des Wettinhauses an der Moritzburger Straße haben Radebeuler am Tag der Reichspogromnacht, die sich zum 82. Mal jährte, Blumen niedergelegt.
An den fünf Stolpersteinen vorm Eingang des Wettinhauses an der Moritzburger Straße haben Radebeuler am Tag der Reichspogromnacht, die sich zum 82. Mal jährte, Blumen niedergelegt. © Arvid Müller

Radebeul. Drei Generationen der Familie Freund lebten einst im Wettinhaus, Moritzburger Straße 1, in Radebeul glücklich - bis 1933 das nationalsozialistische Regime die Macht im Deutschen Reich übernahm. Zunächst wurden ihnen nach und nach die bürgerlichen Rechte genommen. 1942 erfolgte die Deportation, danach die Ermordung in den Konzentrationslagern Theresienstadt und Auschwitz.

Fünf Stolpersteine erinnern seit 15 Jahre vor dem Hauseingang an Charlotte und Max Freund, ihre beiden Kinder, Ilse und Marion, sowie die Großmutter Martha Ury. Rund 20 Radebeuler legten am Montag Blumen, zumeist weiße und gelbe Rosen, an den Steinen nieder. Sie gedachten 82 Jahre nach der Reichspogromnacht der im Holocaust ermordeten jüdischen Mitbürger. „Es ist der einzige überlieferte Wohnort von Juden in Radebeul“, berichtete Thomas Berndt, der die Gedenkveranstaltung wie in den Vorjahren organisiert hat.

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Anderen Juden aus der Lößnitzstadt gelang noch rechtzeitig die Flucht. Familie Freund war dies nicht vergönnt. 1942 wurden Großmutter Martha (Jahrgang 1875), ihre Tochter Charlotte (Jahrgang 1999) mit Ehemann Max (Jahrgang 1884) und der jüngsten Tochter Marion (Jahrgang 1930) nach Theresienstadt deportiert. Dort verloren die beiden älteren Frauen 1943 beziehungsweise 1944 ihr Leben. Vater Max und Tochter Marion wurden mit dem vorletzten Transport, der von dem Konzentrationslager auf tschechischem Boden in das Vernichtungslager Auschwitz im heutigen Polen ging, verschleppt. Dort fanden sie 1944 den Tod. In Auschwitz wurde bereits 1943 Ilse Freund, verheiratet Eisner, ermordet.

Dass die Namen bis heute nicht vergessen sind, ist mit ein Verdienst von Ingrid Lewek und Wolfgang Tarnowski. Sie haben beide zu jüdischem Leben in der Lößnitzstadt geforscht und ihre Ergebnisse und Erkenntnisse in dem Buch „Juden in Radebeul“ zusammengetragen und dokumentiert. 

Durch die Corona-Pandemie fiel die Gedenkveranstaltung in diesem Jahr etwas anders aus als ursprünglich geplant. So musste auf die Diskussionsveranstaltung über Antisemitismus heute verzichtet werden. Angesichts des versuchten Terroranschlags auf die Synagoge in Halle vor einem Jahr sowie weiterer Übergriffe auf Juden in Deutschland wollte Berndt mit anderen in der Stadtgalerie über die wieder in Wort und Tat um sich greifende Judenfeindlichkeit ins Gespräch kommen. Doch aufgrund des gegenwärtigen Teil-Lockdowns wurde die Veranstaltung abgesagt.

Im Gegensatz zu den Vorjahren fehlten wegen Corona auch Schüler der Anne-Frank-Schule und der Oberschule Kötzschenbroda beim Gedenken an der Moritzburger Straße. Sie erinnerten an die Opfer des Holocaust in ihren Schulgebäuden.

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