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Radebeuler Händler bieten Abholservice an

Ab kommenden Montag ist im Freistaat „Click and Collect“ erlaubt. Bei Hilfen hapert es dagegen noch.

Buchhändlerin Ute Sauermann bereitet ihren Bestell- und Abholservice vor. An ihrer Abholstation übergibt sie die vorher georderten Bücher an ihre Kunden.
Buchhändlerin Ute Sauermann bereitet ihren Bestell- und Abholservice vor. An ihrer Abholstation übergibt sie die vorher georderten Bücher an ihre Kunden. © Matthias Schumann

Radebeul. Mit Tischen hat Ute Sauermann bereits einen kleinen Bereich gleich hinter der Tür ihres Geschäfts an der Meißner Straße in Radebeul-West abgesteckt. Abholstation nennt die Buchhändlerin die abgegrenzte Zone. „Die Tische funktionieren wie eine Ladentheke“, sagt sie. Über diese reicht sie ab kommenden Montag zuvor bestellten Lesestoff an ihre Kunden aus. Ab 15. Februar dürfen Händler in Sachsen den Bestell- und Abholservice „Click & Collect“ anbieten. „Wir bereiten uns darauf vor“, sagt Ute Sauermann.

Sie ist nicht die einzige Gewerbetreibende, die auf diese Möglichkeit sehnsüchtig gewartet hat. „Ja, auf alle Fälle“, antwortet beispielsweise Susan Gommlich vom Wäsche- und Bademodengeschäft Susan W. an der Bahnhofstraße, auf die Frage, ob sie dieses Angebot aufgreift. Per Telefon können Kunden ihre Wünsche an Hemden, Slips oder BHs durchgeben, sie überweisen oder zahlen bar und holen die Ware ab. Susan Gommlich liefert auch weiterhin aus. Diesen Service hat sie die vergangenen acht Wochen praktiziert, seit sie wie alle anderen Händler, deren Sortiment nicht zu Lebensmitteln und Artikeln des täglichen Bedarfs gezählt wird, Mitte Dezember schließen mussten.

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Auch Susan Gommlich bietet diesen Service in ihrem Wäschegeschäft an der Bahnhofstraße an.
Auch Susan Gommlich bietet diesen Service in ihrem Wäschegeschäft an der Bahnhofstraße an. © Norbert Millauer

Kunden sparen Porto für Postlieferung

„Das ist gut so“, meint auch Karin Kretzschmar von der gleichnamigen Buchhandlung an der Ecke Meißner, Bahnhofstraße, dass nun der Abholservice im Freistaat ermöglicht wird. Auch sie hat bislang Bücher zu ihren Kunden geliefert oder per Post verschickt. „Wenn sie die bestellten Artikel selbst abholen, sparen sie das Porto“, meint Kretzschmar.

Modeartikel konnten sich bis jetzt auch Kunden von Uwe Marx ordern und sich nach Hause liefern lassen. Der Inhaber des Modegeschäfts in der Lößnitzperle nimmt Bestellungen per E-Mail und Telefon an, so wie im Grunde alle Händler mit Bestellservice. Unter Einhalten der Abstands- und Hygieneregeln sowie mit Maske will er die Bestellungen vor der Ladentür ab Montag an den Empfänger übergeben.

Während in allen anderen Bundesländern Einzelhändler schon längst einen Bestell- und Abholservice anbieten können, ist die Dienstleistung in Sachsen seit Beginn des harten Lockdowns untersagt. Der Freistaat hatte Mitte Dezember die höchsten Corona-Inzidenzwerte in Deutschland. Da die Ansteckungszahlen sinken und so die Gesundheitsämter Kontaktpersonen und Infektionsketten besser nachverfolgen können, will die sächsische Landesregierung nun die Corona-Schutzverordnung derart anpassen, dass Abholservice möglich wird.

Nur vorher bestellte Artikel werden ausgereicht

Ihre Geschäfte öffnen dürfen die vom Lockdown betroffenen Händler nicht. Das heißt, Kunden können nicht einfach mal schnell vorbeikommen, um bestimmte Artikel zu kaufen. „Click and collect“ bedeutet, dass man diese vorher per Telefon oder via Internet bestellt haben muss. Danach kann man sie am Geschäft abholen.

Dass der Freistaat im Gegensatz zu allen anderen Bundesländern diesen Service erst jetzt möglich macht, empfindet Susan Gommlich als nachteilig. Als „furchtbar“ bezeichnet sie gar die erneute Verlängerung des Lockdowns. „Es ist sehr traurig, nicht arbeiten zu dürfen“, sagt sie. Doch in Trübsal möchte sie nicht versinken. Im Gegenteil schaut sie erwartungsvoll in die Zukunft und bereitet sich schon auf den Tag vor, an dem sie ihr Geschäft wieder öffnen darf. „Neue Ware habe ich schon liefern lassen“, berichtet Gommlich. Alle paar Tage dekoriert sie ihr Schaufenster neu, um ihren Kunden und sich Hoffnung zu machen.

Uwe Marx hat wie viele Händler bislang Waren zu den Kunden nach Hause geliefert.
Uwe Marx hat wie viele Händler bislang Waren zu den Kunden nach Hause geliefert. © Matthias Schumann

Überbrückungshilfe lässt auf sich warten

Wie die Umfrage ergab, ist an staatlichen Hilfen mit das Einzige, was derzeit funktioniert, das Kurzarbeitergeld für die Mitarbeiter. Die Händler selbst haben dagegen noch nicht einen Cent aus der Überbrückungshilfe gesehen. Diese können Unternehmen für jene Monate beantragen, in denen sie durch die Corona-Einschränkungen einen Umsatzeinbruch von mindestens 30 Prozent im Vergleich zum Referenzmonat im Jahr 2019 zu verzeichnen haben. „Bis jetzt gibt es keine Möglichkeit, überhaupt einen Antrag zu stellen“, klagt Svetlana Vonjan vom Kinderbekleidungs- und -schuhgeschäft Kinderschatz by Sveta an der Bahnhofstraße.

Von den bislang ausbleibenden Hilfen berichten alle Händler. Dennoch laufen Miete und andere Betriebskosten weiter. Das gehe an die Substanz, weshalb manch einer fragt, warum man nicht wenigstens Kunden einzeln im Geschäft bedienen kann - mit Maske und Abstandsregeln.

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Auch die späte Ermöglichung des Abholservice wirft Fragen auf - beispielsweise bei Buchhändlerin Sauermann. Warum darf das Schnellrestaurant auf der gegenüberliegenden Straßenseite die ganze Zeit des harten Lockdowns hindurch Bestell- und Abholservice anbieten? „Da werden Lebensmittel ausgereicht und Bargeld wechselt den Besitzer“, berichtet Sauermann. Klagen möchte sie aber nicht. Es sei gut, dass „Click and Collect“ jetzt für alle Händler ermöglicht wird. „Die Kunden freuen sich“, ist Sauermann überzeugt.

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