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Radebeuler Winzer starten mit der Weinlese

Feuchtes und warmes Wetter sorgte für viel Arbeit im Weinberg. Ob sich die Mühe lohnte, entscheiden die nächsten Wochen.

Auf Schloss Wackerbarth haben die beiden Winzerinnen Ira Marie Hausdorf (l.) und Josefine Büttner mit der Weinlese begonnen. Zuerst landen Trauben der frühen Rebsorte Solaris in ihren Eimern.
Auf Schloss Wackerbarth haben die beiden Winzerinnen Ira Marie Hausdorf (l.) und Josefine Büttner mit der Weinlese begonnen. Zuerst landen Trauben der frühen Rebsorte Solaris in ihren Eimern. © Arvid Müller

Radebeul. Die Sonne lacht und die Temperaturen sind tagsüber wieder auf angenehme Werte gestiegen. Kommen nun ein schöner Spätsommer und ein goldener Herbst? Die Winzer in Radebeul und im Elbtal hoffen das. „Das Wetter im September und Oktober entscheidet über Quantität und Qualität dieses Jahrgangs“, sagt Till Neumeister, Weinbauleiter von Schloss Wackerbarth. Am Donnerstag fiel auf dem Staatsweingut der Startschuss zur diesjährigen Lese.

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Traditionell erntet Neumeister Trauben der frühreifen Rebsorte Solaris für Federweißer und Cuvéeweine zuerst. Der Beginn der Weinlese erfolge zehn Tage später im Vergleich zum Vorjahr, so Neumeister. 66 verschiedene Weinsorten werden in Sachsen angebaut. Allein 17 stehen auf der 92 Hektar großen Rebfläche, die das Weingut Wackerbarth bewirtschaftet. Je nach Reifegrad und Witterung zieht sich die Lese bis Ende Oktober hin.

Nach Trockenheit nun zu viel Feuchte

Nach Dürre und Hitze in den Vorjahren stellte das Wetter die Winzer erneut vor Herausforderungen. Das Weinjahr 2021 begann zunächst mit einem schneereichen Winter, was gut war, weil sich so der Niederschlag gleichmäßig auf den Böden verteilte. Spätfröste Ende April zwangen in frostgefährdeten Weinbergen zu mehreren Nachteinsätzen, bei denen kontrollierte Weinbergsfeuer entfacht wurden, um die Reben vor den Minusgraden zu schützen. Es folgte ein kühler Mai, der den Austrieb verzögerte. Doch dann kam der Juni mit feuchtem und warmem Wetter.

„Das brachte einen enormen Wachstumsschub in der Natur. Wir konnten sprichwörtlich zuschauen, wie die Triebe unserer Reben im Eiltempo gewachsen sind“, berichtet Neumeister. Rund sieben Zentimeter waren es täglich. Die feucht-warme Witterung setzte sich im Juli und August fort. Das hatte einen enormen Aufwand bei der Pflege der Laubwand zur Folge. Zudem begünstigte dieses Klima das Wachstum von Pilzen wie Echter und Falscher Mehltau sowie Edelfäule.

Wackerbarths Weinbauleiter Till Neumeister wagt noch keine Prognose zu Erntemenge und Qualität.
Wackerbarths Weinbauleiter Till Neumeister wagt noch keine Prognose zu Erntemenge und Qualität. © Arvid Müller

Um die Wuchshöhe der Rebstöcke zu regulieren, müssen die Triebe auf einer bestimmten Höhe gekürzt werden. Winzer nennen dies „gipfeln“. In den trockenen Vorjahren griffen die Weinbauer von Wackerbarth auf einigen Parzellen nur einmal zur Schere. Dieses Jahr mussten sie auf einigen Weinbergen vier- bis fünfmal ran. Auf die gesamte Rebfläche von Schloss Wackerbarth betrachtet, hat sich der Pflegeaufwand im Gegensatz zum Vorjahr verdoppelt.

Bei Laubarbeit hat jede Hand gezählt

Um den Triebwuchs zu bändigen, wurde den Weinbauern viel Tatkraft abverlangt. „In diesem Sommer hat wirklich jede Hand gezählt. Wir konnten die Herausforderungen der Natur mit der Hilfe von Mitarbeitern aus allen anderen Unternehmensbereichen, wie der Administration, mit zusätzlichen Aushilfskräften, wie Schülern und Studenten, sowie Weinfreunden aus der Region meistern“, so Neumeister. Ihnen gilt sein Dank. Zur Weinlese sind auf den Weinbergen des Staatsweingutes insgesamt 45 Männer und Frauen im Einsatz, 20 fest angestellte Winzer und Azubis sowie 25 Helfer.

Eine Prognose zur diesjährigen Erntemenge und zur Qualität des Jahrgangs möchte Neumeister zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht wagen. In diesem Sommer gab es noch kein über einen längeren Zeitraum konstantes Hochdruckgebiet mit warmem und trockenem Wetter. Die Hoffnung ist, dass sich dieses nun einstellt, damit spätreife Sorten wie Riesling und Blaufränkisch noch mehrere Wochen Sonne tanken können. Deren Trauben werden auf Wackerbarth zum Schluss geerntet.

Regenwetter führt zu Rissen in der Beerenhaut

Im vorigen Jahr haben Sachsens Winzer 21.187 Hektoliter Wein auf 499 Hektar Ertragsrebfläche geerntet. Neben der langanhaltenden Hitze und Dürre hatten Spätfröste im Frühjahr sowie Hagel und Starkniederschläge im Sommer für Ernteverluste gesorgt. Bei Wackerbarth waren es rund minus 25 Prozent gegenüber 2019.

Bei Winzer Karl Friedrich Aust machte der Ertrag 2020 nur die halbe Menge im Vergleich zum Vorjahr aus. Daher hofft er in diesem Jahr auf eine Steigerung: „Wir rechnen in etwa mit 50 Tonnen Trauben. Das wird in diesem Jahr sehr stark von der weiteren Witterung abhängig sein, wir benötigen ab jetzt eigentlich keinen Niederschlag mehr.“

Voraussichtlich am 11. September beginnt Aust mit der Lese von Bacchus und Goldriesling, vorausgesetzt, dass keine Notlese wegen des vielen Regens der vergangenen Tage erforderlich wird. „Einige der Beeren, vor allem der, die bald zu lesen sind, haben durch den hohen Druck in der Beere, ähnlich wie es bei den Kirschen bekannt ist, Risse in der Beerenhaut bekommen“, berichtet Aust – ein Problem, mit dem auch andere Winzer zu kämpfen haben.

Höhere Erntemenge als 2020 erwartet

Auf weiteren Niederschlag kann auch das Radebeuler Stadtweingut Hoflößnitz verzichten. Dort wurde bereits am gestrigen Mittwoch mit der Ernte von Solaris-Trauben begonnen. „Die Mengen, die an den Stöcken hängen, sind gut. Jetzt kommt es aufs Wetter an, ob wir auch noch gute Qualitäten ernten werden, dafür muss der Regen aber unbedingt aufhören“, berichtet Jana Hoffmann, Assistentin der Geschäftsführung. Durch das Regenwetter der letzten Tage blieben Reifeentwicklung und Zuckerbildung stehen. „Und die Traubenfäule beginnt leider schon teilweise recht intensiv“, teilt Hoffmann mit.

Rund zwölf Hektar Rebfläche bewirtschaftet die Hoflößnitz. Wegen Spätfrösten und drei trockenen Jahren in Folge gab es 2020 mit 20 Hektoliter je Hektar eine sehr kleine Ernte. Dieses Jahr rechnet das Weingut mit einem Ertrag von 50 bis 60 Hektoliter je Hektar, „wenn ab jetzt das Wetter besser wird und der Regen aufhört“, so Hoffmann.

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„Mengenmäßig kann 2021 ein sehr guter und qualitativ ein guter bis mittlerer Jahrgang werden“, sagt Felix Hößelbarth, Vize-Vorsitzender des Sächsischen Weinbauverbandes. Dies hänge jetzt alles vom Witterungsverlauf der nächsten Wochen ab. Hößelbarth wagt schon einmal eine vorsichtige Schätzung. Er rechnet mit einem Ernteertrag von rund 23.500 Hektoliter beziehungsweise 47 Hektoliter pro Hektar in Sachsen. Die ersten Betriebe beginnen diese Woche mit der Solaris-Ernte. Nächste Woche geht es langsam mit Goldriesling und Müller-Thurgau los. „Die spätreifen Sorten, wie Riesling und Traminer, werden dann Mitte bis Ende Oktober so weit sein“, so Hößelbarth.

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