SZ + Radebeul
Merken

Radebeuls Schuldenberg schrumpft weiter

Ursprünglich wollte die Stadt ihren Schuldenabbau wegen Corona aussetzen. Doch durch eine Sonderzahlung wird sie eher schuldenfrei.

Von Silvio Kuhnert
 3 Min.
Teilen
Folgen
Nach der Schlussrechnung für das Jahr 2020 war überraschend mehr Geld im Stadtsäckel als erwartet. Symbolfoto:
Nach der Schlussrechnung für das Jahr 2020 war überraschend mehr Geld im Stadtsäckel als erwartet. Symbolfoto: ©  dpa/Patrick Seeger

Radebeul. Der Schuldenberg der Stadt Radebeul hat auch im vergangenen Jahr wieder ein Stück abgenommen. Derzeit steht die Lößnitzstadt mit knapp 17,9 Millionen Euro bei Banken in der Kreide. Darüber informierte jüngst Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) den Stadtrat. Der Schuldenstand ist jetzt genauso hoch wie einst im Sommer 1995.

Es gehört zur Tradition des Stadtoberhauptes, dass er zu Beginn des Jahres über die Verschuldung der Stadt berichtet. In den 1990er-Jahren hat sich ein riesiger Berg angehäuft, der Ende 2002 mit 55,3 Millionen Euro den Höchststand erreichte. Seither wird Jahr für Jahr getilgt. Neben den Krediten, die für Investitionen aufgenommen wurden, müssen auch Zinsen gezahlt werden. Hierfür hat die Stadt fast die gleiche Summe zusätzlich aufzubringen. "Seit 1991 waren bisher Zinszahlungen in einer Gesamthöhe von 47.351.207,16 Euro zu leisten", rechnete der Rathauschef aus. Dieses Steuergeld stand somit nicht für andere Zwecke zur Verfügung. Mit rund 47,4 Millionen Euro ließen sich einige Gebäude, wie Kitas oder Schulen, sanieren, und etliche Straßen auf Vordermann bringen.

Siebter Platz im Landkreis Meißen

Mit dem Schuldenabbau begann OB Wendsche nach seinem Dienstantritt vor über 20 Jahren. Die Pro-Kopf-Verschuldung betrug Ende 2002 satte 1.707 Euro. Jetzt ist diese auf 528 Euro je Einwohner geschrumpft und liegt deutlich unter der vorgegebenen Obergrenze. Laut Empfehlung des sächsischen Innenministeriums soll die Kreditbelastung von Kommunen nicht über 850 Euro je Bürger liegen.

© SZ Grafik

"Wir nähern uns dem Landkreisdurchschnitt an", sagt Wendsche. Der Kreis Meißen sowie deren Städte und Gemeinden haben zusammen eine Pro-Kopf-Verschuldung von 514 Euro. Jedoch gibt es zwischen den Kommunen einen gewaltigen Unterschied. So sind Coswig, Glaubitz und Priestewitz schuldenfrei. Dagegen weist Riesa aktuell den höchsten Schuldenberg mit 1.063 Euro je Einwohner auf. Die Stahlstadt nimmt damit den unrühmlichen ersten Platz im Schuldenranking der 28 Kommunen im Landkreis Meißen ein. Radebeul steht an siebter Stelle.

Sondertilgung von 2,3 Millionen Euro

Ursprünglich wollte die Lößnitzstadt das Tilgen ihrer Schulden in den Jahren 2021 und 2022 wegen der Coronakrise aussetzen. Doch der Jahresabschluss 2020 fiel besser aus als erwartet. Diesen konnte die Finanzverwaltung im Dezember vorigen Jahres den Räten bereits vorlegen. "Seit 2013 haben wir erstmalig den Jahresabschluss in der vom Gesetzgeber vorgegebenen Frist festgestellt. Wir sind die erste Kommune in Sachsen, die das geschafft hat", sagt das Stadtoberhaupt nicht ohne Stolz auf die Mitarbeiter seiner Kämmerei.

Im Jahr 2020 nahm die Stadt laut Ergebnisrechnung fast 70,9 Millionen Euro ein. Die Ausgaben betrugen rund 66,5 Millionen Euro. Somit blieb unterm Strich ein Plus von reichlich 4,4 Millionen Euro stehen. Von dem Überschuss überwiesen Verwaltung und Stadtrat rund 2,3 Millionen Euro an Banken. Damit konnte die Lößnitzstadt die gleiche Summe für das Abbauen des Schuldenbergs wie in den Vorjahren aufbringen. Nach jetzigem Stand ist Radebeul im Jahr 2032 schuldenfrei, wenn der Schuldenabbau bis dahin nach Plan läuft.

Während Sparer unter der seit Jahren andauernden Niedrigzinsphase leiden, half diese dagegen das Stadtsäckel zu schonen. In den vergangenen zehn Jahren konnte der Durchschnittszinssatz von 3,5 Prozent im Jahr auf aktuell 0,44 Prozent per anno reduziert werden. Ohne dieses Absenken hätten im vergangenen Jahr 670.000 Euro mehr an Zinsen gezahlt werden müssen. Doch so stand die Summe für andere Zwecke wie Investitionen zur Verfügung.