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Auftrag für Gaswerk-Abriss vergeben

Das denkmalgeschützte Gebäude in Radeburg ist seit Jahren immer mehr verfallen. Das größere Problem sind aber die Altlasten im Gemäuer und Boden.

Das einstige Gaswerk in der Radeburger Bahnhofstraße. Die Bausubstanz ist schlecht. Zudem ist das Gebäude kontaminiert. Nun soll der mittlere und rechte Teil - dieser gehört der Stadt - abgerissen werden.
Das einstige Gaswerk in der Radeburger Bahnhofstraße. Die Bausubstanz ist schlecht. Zudem ist das Gebäude kontaminiert. Nun soll der mittlere und rechte Teil - dieser gehört der Stadt - abgerissen werden. © Norbert Millauer

Radeburg. Der Klinkerbau in der Bahnhofstraße ist ein Wahrzeichen der Industriegeschichte der Zille-Stadt. Es soll das älteste und kleinste noch erhaltene Gaswerk Sachsens sein. Auch darum stand das 1906 innerhalb von fünf Monaten im Auftrag der Stadt errichtete Gebäude auf der Denkmalliste.

Nach der Fertigstellung des Werkes erhellten 100 Gaslaternen die Stadt. Im Jahr 1931 wurden bereits 700 Abnehmer in Radeburg mit Gas beliefert. Nachzulesen ist das im Heft „Entlang der Promnitz“, das im Jahr 2008 in der Schriftenreihe des Kultur- und Heimatvereins Radeburg erschien. Stillgelegt wurde das Werk schließlich 1964. Das Gas kam nun aus der Verbundnetzleitung Lauchhammer-Dresden.

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Nun sind die Tage des in den vergangenen Jahren immer mehr verfallenen Bauwerks gezählt. In den nächsten Wochen soll der Abriss des städtischen Teils beginnen. Dieser gehören etwa zwei Drittel des Gebäudes und des Grundstücks, der Enso der Rest.

Nachdem der Stadtrat bereits vor gut einem Jahr die Verwaltung beauftragt hatte, einen Abrissantrag zu stellen und die Denkmalbehörde diesem im Sommer 2020 zustimmte, wurden in der letzten Ratssitzung im vergangenen Jahr nun die entsprechenden Arbeiten vergeben.

Auf die Ausschreibung der Stadt waren zehn Angebote abgegeben worden. Den Zuschlag erhielt eine Firma aus Dresden. Die will den Auftrag für knapp 51.000 Euro ausführen. Hinzukommen noch die Planungskosten. Die Stadt hatte mit Gesamtkosten in Höhe von rund 70.000 Euro gerechnet. Dem entsprechend bemühte sich die Stadtverwaltung um Fördermittel aus einem Programm zur Brachflächensanierung. Mit Erfolg. Im November ging ein Zuwendungsbescheid über knapp 59.000 Euro im Rathaus ein. Gefördert werden 80 Prozent der Gesamtkosten.

Starke Schadstoffbelastung

Dass der denkmalgeschützte Bau nun verschwindet, liegt vor allem an den Altlasten, die im Gemäuer und Boden schlummern. Diese waren nicht nur der Grund, das Gaswerk nach der Wende ins Altlastenkataster des Freistaats aufzunehmen, sondern auch dafür, dass in der Vergangenheit Verkaufsabsichten der Stadt scheiterten.

Bei stichprobenartigen Untersuchungen des städtischen Teils des Objektes durch ein Umweltbüro wurden unter anderem Belastungen mit Cyaniden, Kupfer- und Nickelverbindungen, Phenolen, Sulfaten, Ammoniak und Mineralölkohlenwasserstoffen festgestellt.

Im Jahr 2017 wurden auf dem Gelände der Enso befindliche Teergruben saniert. Der Teer war seinerzeit neben Koks bei der Gasherstellung aus Steinkohle angefallen. Bei den Arbeiten wurden auch auf dem städtischen Teil des Gaswerksgeländes Teerkontaminationen und Teile von Teergruben festgestellt.

Diese Postkarten-Ansicht zeigt das Radeburger Gaswerk im Jahr 1913 - sieben Jahre nach seiner Inbetriebnahme.
Diese Postkarten-Ansicht zeigt das Radeburger Gaswerk im Jahr 1913 - sieben Jahre nach seiner Inbetriebnahme. © Sammlung Jens Böhme

In Beratungen mit Vertretern der Stadt, Radeburg, dem von der Stadt beauftragten Planungsbüro sowie dem Umweltbüro und den zuständigen Behörden des Landkreises kam man schließlich zu dem Schluss, dass ein Erhalt und eine Nutzung des Gebäudes aufgrund der bekannten und zu erwartenden Kontaminationen sowohl im Boden als auch in der Bausubstanz weitestgehend ausgeschlossen sind. Weitere umfangreiche Bodenuntersuchungen sowie ein möglicherweise erforderlicher Bodenaustausch seien bei einem Erhalt des Gebäudes nahezu unmöglich. Das gab dann schließlich wohl auch den Ausschlag, dass die Denkmalbehörden einem Abriss zustimmten.

Für diesen gibt es jedoch sowohl von den Denkmalschützern als auch vom Umweltamt des Kreises Auflagen. So muss vor dem Abrissstart das Landesamt für Archäologie informiert werden. Und der Abbruch des Gebäudes muss durch ein Ingenieurbüro begleitet und dokumentiert werden. Da nicht klar ist, wie stark die Mauern kontaminiert sind, müssen die Abbruchmassen separiert, beprobt und schließlich mit einem entsprechenden Nachweis fachgerecht entsorgt werden.

Ist das Gebäude weg, hat die Stadt die erste Etappe geschafft. Denn dann kann und muss untersucht werden, was der Boden für Überraschungen birgt. In einem zweiten Abschnitt muss dieser dann fachgerecht entsorgt werden. Wann das sein wird, ist derzeit noch offen.

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