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Radeburg: Gaswerk ist fast abgerissen

Vom städtischen Teil sind nur Schutthaufen übrig. Diese werden jetzt auf Schadstoffe untersucht. Noch nicht ganz klar ist, was aus dem restlichen Gebäude wird.

Vom städtischen Teil des alten Gaswerks sind inzwischen nur noch Schuttberge übrig. Doch auch die verschwinden bald. Der Gebäuderest hinter dem Bagger gehört der SachsenEnergie.
Vom städtischen Teil des alten Gaswerks sind inzwischen nur noch Schuttberge übrig. Doch auch die verschwinden bald. Der Gebäuderest hinter dem Bagger gehört der SachsenEnergie. © Arvid Müller

Radeburg. Zuletzt bot der 1906 fertiggestellte Klinkerbau an der Radeburger Bahnhofsstraße einen traurigen Anblick. Das Dach desolat, das kleine Türmchen eingestürzt und auch in den Mauern klafften bereits Lücken.

Nun sind der mittlere und der rechte Teil des Gebäudes fast verschwunden. Nur noch Schuttberge künden von ihrer Existenz. Von diesen, so informierte Radeburgs Bürgermeisterin Michaela Ritter in der jüngsten Stadtratssitzung, werden nun Proben genommen und auf Schadstoffe untersucht. Liegen die Ergebnisse vor, entscheidet sich, wie die entsprechenden Reste des ehemaligen Gaswerks entsorgt werden müssen.

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Stichprobenartige Untersuchungen des Objektes durch ein Umweltbüro hatten vor dem Abriss ergeben, dass sowohl im Boden als auch in der Bausubstanz Belastungen - unter anderem mit Cyaniden, Kupfer- und Nickelverbindungen, Phenolen, Sulfaten, Ammoniak und Mineralölkohlenwasserstoffen - vorhanden sind. Nicht umsonst war das bis 1964 betriebene Gaswerk nach der Wende in das Altlastenkataster des Freistaats aufgenommen worden.

Hohe Schadstoffbelastung

Im Radeburger Stadtrat war bereits 2006 über einen Abrissantrag debattiert worden, weil bis dahin alle Verkaufsabsichten der Stadt gescheitert waren. Trotz mehrerer Interessenten. Auch spätere Versuche, den Standort gemeinsam mit der damaligen Enso zu vermarkten, blieben erfolglos. Der Stadt gehören etwa zwei Drittel des Gebäudes und des Geländes, der Rest dem Energieversorger. Der Hauptgrund war wiederum das Altlastenrisiko.

Dennoch gab es von den Denkmalbehörden zunächst keine Abrissgenehmigung für das historische Gebäude, das eng mit der industriellen Entwicklung der Zille-Stadt verbunden ist. Immerhin sollte es das älteste und kleinste noch erhaltene Gaswerk Sachsens sein. Auch darum stand das 1906 innerhalb von fünf Monaten im Auftrag der Stadt errichtete Bauwerk auf der Denkmalliste.

Aufgrund der schwierigen Situation verfiel das Gebäude weiter. Bewegung kam erst in die Sache, nachdem mit den bereits erwähnten Untersuchungen im städtischen Teil des Gaswerks der hohe Grad der Schadstoffbelastung nachgewiesen wurde. Vor allem aber aufgrund der Tatsache, dass weitere umfangreiche Bodenuntersuchungen sowie ein möglicherweise erforderlicher Bodenaustausch bei einem Erhalt des Gebäudes nahezu unmöglich gewesen wären.

Daraufhin erhielt die Stadt nach erneuten Gesprächen mit den Denkmalpflegern und der Umweltbehörde Mitte vergangenen Jahres schließlich die Abrissgenehmigung für ihren Teil. Die entsprechenden Arbeiten wurden dann im Dezember für knapp 51.000 Euro vergeben. Radeburg bekommt 80 Prozent der Kosten aus dem Programm zur Brachflächensanierung gefördert.

Die historische Ansicht zeigt das frühere Gaswerk sieben Jahre nach seiner Inbetriebnahme 1906.
Die historische Ansicht zeigt das frühere Gaswerk sieben Jahre nach seiner Inbetriebnahme 1906. © Sammlung Jens Böhme
Zuletzt war das Gebäude stark verfallen.
Zuletzt war das Gebäude stark verfallen. © Norbert Millauer

Doch wie geht es mit dem Enso-Teil weiter, der nun wie das Unternehmen zur neu gegründeten SachsenEnergie gehört? Auf SZ-Nachfrage heißt es dazu: „SachsenEnergie geht hier eng abgestimmt mit der Stadt Radeburg vor. Gemeinsame Zielstellung ist es, die Gesamtimmobilie nach den behördlich vorgesehenen Maßnahmen gemeinsam in Sinne der Standortpolitik Radeburgs zu vermarkten.“ Nach erfolgter Altlastensanierung prüfe man in Abstimmung mit dem Denkmalamt ebenfalls die Abrissoption. Und abschließend: „Es gibt Interessenten für die Immobilie, mit denen aber zunächst noch Stillschweigen vereinbart wurde.“

Radeburgs Bürgermeisterin Michaela Ritter verweist auf die gemeinsamen Vermarktungsversuche in der Vergangenheit. Derzeit aber schon nach Interessenten zu suchen und über einen Verkauf zu sprechen, sei aus ihrer Sicht weder sinnvoll und auch unlauter.

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Das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Die schlechte Bausubstanz ist daher nicht der Hauptgrund für die Entscheidung der Stadt.

„Wir wissen ja noch gar nicht, was auf uns an Kosten für die Sanierung der Altlasten zukommt und in welchem Umfang diese notwendig sind.“ Die Enso habe 2017 zwar die auf ihrem Teil des Geländes befindlichen Teergruben saniert, doch das Gebäude ist vermutlich ähnlich kontaminiert wie die nun abgerissene städtische Seite. Und noch gibt es ja auch keine Abrissgenehmigung.

Es dürfte daher wohl noch einige Zeit vergehen, bis auf dem Areal des alten Gaswerks etwas Neues entstehen kann.

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