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Radeburg: Keine Prunksitzungen zum Saisonstart

Ob es noch kurzfristig eine Alternative im Freien gibt, lässt der RCC-Präsident offen. Ebenso, ob und wie der große Umzug Ende Februar 2022 veranstaltet werden kann.

Olaf Häßlich, der Präsident des Radeburger Carnevals Clubs, in seinem Element bei der 1. Prunksitzung am 11.11. 2019 auf dem Hirsch in Radeburg. Nach dem Komplettausfall der vergangenen Saison gibt es auch diesmal keine Prunksitzungen.
Olaf Häßlich, der Präsident des Radeburger Carnevals Clubs, in seinem Element bei der 1. Prunksitzung am 11.11. 2019 auf dem Hirsch in Radeburg. Nach dem Komplettausfall der vergangenen Saison gibt es auch diesmal keine Prunksitzungen. © SZ/Sven Görner (Archiv)

Radeburg. Nach der komplett ausgefallenen Saison 2020/21 sollte in der 65. des Radeburger Carnevals Clubs nun wieder richtig durchgestartet werden. Daran lässt auch das Motto keinen Zweifel, das der Verein Mitte Juli verkündete: „Rabu gibt Vollgas“.„Wenn es eine schwierige Situation gibt, bei der es darauf ankommt, Vollgas zu geben, dann doch wohl jetzt nach Corona“, hatte dazu RCC-Präsident Olaf Häßlich gegenüber der SZ gesagt.

Allerdings ist er Realist genug, um das „nach Corona“ mit aller Vorsicht zu betrachten. „Aber was bleibt uns denn anderes übrig, als nach vorn zu schauen. Wie wollen wir den sonst 2.000 Leute begeistern, wieder tolle Umzugswagen zu bauen“, hatte der Präsiden ergänzt. Der Vereinschef räumte im Juli allerdings auch ein, dass es immer noch eine sehr seltsame Situation sei. „Denn eigentlich kann sich keiner vorstellen, dass in der im November startenden Saison wieder alles ist wie vor Corona, doch genauso kann sich niemand vorstellen, dass erneut alles ausfällt.“

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An der Situation hat sich seit dem kaum etwas geändert. Und so mussten die Verantwortlichen jetzt erst einmal auf die Bremse treten. Zumindest, was die Saalveranstaltungen auf dem Hirsch im November betrifft. Betroffen davon sind neben den drei Prunksitzungen auch die Reloaded-Party. „Wir hätten jetzt in den Vorverkauf gehen müssen, was aber unter den aktuellen Bedingungen nicht möglich ist“, sagt der Vereinschef. Bereits im Sommer hatte er gesagt: „Wenn ich Veranstaltungsräume wie den Hirsch nur mit der Hälfte der eigentlich möglichen Kapazität auslasten darf, ist eine Veranstaltung dort wirtschaftlich nicht machbar.“ Hinzu komme, dass bei einer Veranstaltung unter 3-G-Bedingungen bei Nichteinhaltung der 1,50 Meter Abstand Maske getragen werden müsste. „Die aktuelle Corona-Schutzverordnung ermöglicht daher eine Prunksitzung, so wie wir sie lieben und leben, einfach nicht.“

Saalveranstaltungen derzeit nicht realistisch

Bei 2-G würden all diese Beschränkungen zwar wegfallen, eine Option sei das für die Veranstaltungen aber dennoch nicht. Denn natürlich gibt es wie in der übrigen Gesellschaft auch im Verein unterschiedliche Meinungen und damit neben Geimpften oder Genesenen auch Ungeimpfte. „Ich kann nicht auf 20 oder 30 Prozent der Leute verzichten“, ergänzt Olaf Häßlich.

Er erwähnt auch, dass aktuell unter den Karnevalisten viel geredet werde, dass anderenorts Veranstaltungen stattfinden sollen. „Bisher hat mir aber noch keiner gesagt, wie das gehen soll. Ich kann es mir jedenfalls nicht vorstellen.“ Er räumt allerdings auch ein, dass er das Gefühl habe, dass derzeit zwar Hygienekonzepte aufgestellt werden, die aber kaum jemand kontrolliert. Eine Sicht, mit der er übrigens nicht alleine ist. „Meine Sache ist so etwas aber nicht.“

Ob es in der ersten Hälfte der 65. Saison des RCC dennoch Hoffnung auf eine Veranstaltung gibt, lässt der Vereinschef mit Verweis auf das Vorjahr offen. Da war bei Absage des Saisonauftakts kommuniziert worden, als Ersatz vielleicht eine Open-Air-Veranstaltung durchzuführen, die sich am Ende aufgrund der Coronaregelungen aber auch nicht realisieren ließ.

In Radeburg hofft man, dass es im Februar wieder solch farbenfrohe Bilder auf den Straßen zu sehen gibt.
In Radeburg hofft man, dass es im Februar wieder solch farbenfrohe Bilder auf den Straßen zu sehen gibt. © Norbert Millauer
Kurz vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie hatte dort 2020 noch der große Umzug stattgefunden.
Kurz vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie hatte dort 2020 noch der große Umzug stattgefunden. © Norbert Millauer
Viele Gruppen aus Radeburg und Umgebung sind schon seit Jahren dabei.
Viele Gruppen aus Radeburg und Umgebung sind schon seit Jahren dabei. © Norbert Millauer

„Wir werden versuchen, ob irgendetwas möglich ist“, so Olaf Häßlich, „aber es muss sinnvoll sein, auch aus finanzieller Sicht.“ Einen Auftakt am 11.11. um 11.11 Uhr auf dem Markt werde es daher mit Sicherheit auch nicht geben. „Technik und Bühne kosten auch Geld, das wir durch eine Veranstaltung mit Eintritt erwirtschaften müssten.

Denn dass der Verein trotz des kompletten Ausfalls der vergangenen Saison jetzt finanziell so da steht wie vor dieser, verdankt er vor allem den treuen Fans des Radeburger Volkskarnevals. So wurden unter Umzugsteilnehmern 1.650 Euro für den Verein gesammelt. Durch die Haftbefehlsaktion der närrischen Justiz und Überweisungen nach der digitalen Prunksitzung kamen weitere 4.400 Euro zusammen. Und schließlich erbrachte noch das erstmals in einer limitierten Auflage verkaufte Umzugsheft einen Reinerlös von 1.850 Euro. Unterm Strich also 7.900 Euro, mit denen die jährlichen Fixkosten des Vereins in Höhe von rund 7.000 Euro gedeckt werden konnten.

Auch daran zeigt sich, welchen Stellenwert der Karneval in der Zille-Stadt hat. Der RCC-Präsident hofft daher, dass diesmal der große Straßenumzug wieder stattfinden kann. Planmäßig am letzten Sonntag im Februar nächsten Jahres.

Hoffen auf den großen Umzug

Nach den Menschenmassen, die sich am vergangenen Wochenende beim Stadtfest in Dresden und den Weinfesten in Radebeul und Meißen drängten, scheint das möglich zu sein. Schließlich soll sogar der Striezelmarkt in Dresden stattfinden.

Dass es am Umzugswochenende die nun schon seit Jahren dazugehörigen beiden Partys in dem Mega-Zelt auf dem Markt gibt, scheint derzeit indes eher unwahrscheinlich. „Damit der Umzug stattfinden kann, brauchen wir weder das Zelt noch die Partys.“ Ganz ohne Veranstaltungen, so Olaf Häßlich weiter, ließen sich aber auch die Kosten für den Umzug nicht stemmen.

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„Wir müssen also sehen, ob wir in Radeburg gegebenenfalls gemeinsam noch eine andere Finanzierungsmöglichkeit finden, wenn andere Veranstaltungen außer dem Umzug nicht möglich sind.“ Etwas anderes bereitet dem Präsidenten allerdings größere Sorgen: „Ich habe Bammel, dass sich einige der Umzugsgruppen nicht mehr zusammenfinden, wenn gar zu lange nichts passiert.“ Denn schließlich mache gerade diese, mitunter schon in dritter Generation gepflegte Tradition, das Besondere des Radeburger Volkskarnevals aus.

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