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Rathausspitze steht vor Neuwahlen im nächsten Jahr

2022 wird nicht nur über das weitere Schicksal von Radebeuls OB Wendsche entschieden. Auch der Baubürgermeister muss sich der Wiederwahl stellen.

Das Markenzeichen von Baubürgermeister Jörg Müller ist die Fliege. Ohne diesen Halsschmuck wurde er auf Radebeuls Straßen wohl noch nie gesichtet.
Das Markenzeichen von Baubürgermeister Jörg Müller ist die Fliege. Ohne diesen Halsschmuck wurde er auf Radebeuls Straßen wohl noch nie gesichtet. © Norbert Millauer

Radebeul. An Ruhestand denkt Radebeuls Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos) noch nicht, auch wenn seine aktuelle Amtszeit am 31. März 2022 um 0 Uhr endet. Als Erster Bürgermeister beziehungsweise Erster Beigeordneter, so die offizielle Bezeichnung, möchte sich der 57-Jährige wieder bewerben. Die Lößnitzstadt hat seine Stelle zum Neubesetzen ausgeschrieben. Und wie der Stellenanzeige im aktuellen Amtsblatt sowie auf der städtischen Internetseite zu entnehmen ist, bewirbt sich der Stelleninhaber erneut.

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Wie beim Oberbürgermeister dauert eine Amtsperiode seines Stellvertreters ebenfalls sieben Jahre. Rathauschef Bert Wendsche (parteilos) und sein Vize Müller sind Wahlbeamte auf Zeit. Ist die siebenjährige Amtszeit vorbei, müssen sie sich zur Wiederwahl stellen, wenn sie wollen. Diese haben beide seit ihrem Dienstantritt im Jahr 2001 zweimal erfolgreich geschafft, stehen somit seit 20 Jahren gemeinsam an der Stadtspitze. Im nächsten Jahr steht die Entscheidung an, ob sie im Rathaus an der Pestalozzisstraße weiter die Geschicke der Lößnitzstadt lenken dürfen. Während sich OB Wendsche im Juni 2022 dem Votum der Radebeuler stellen muss, entscheidet über das weitere Schicksal seines Stellvertreters Müller allein der Stadtrat.

Bewerbungsfrist endet am 28. September 2021

Die nächste Amtszeit des Ersten Bürgermeisters beginnt bereits am 1. April 2022. Deshalb wurde das Neubesetzen der Position nun ausgeschrieben. Bis zum 28. September dieses Jahres können neben Müller weitere Bewerber ihren Hut in den Ring werfen.

Besonders gelungen empfindet Baubürgermeister Jörg Müller das Umfeld des Kultur-Bahnhofs. Das wurde in seiner Amtszeit neu gestaltet.
Besonders gelungen empfindet Baubürgermeister Jörg Müller das Umfeld des Kultur-Bahnhofs. Das wurde in seiner Amtszeit neu gestaltet. © Arvid Müller

„Gesucht wird eine verantwortungsbewusste, kompetente und entscheidungsfreudige Persönlichkeit mit entsprechender Sachkunde insbesondere auf dem Gebiet der Stadtplanung und des Städtebaus“, heißt es da. Der 1963 im Herzen Berlins geborene Müller hat Stadt- und Regionalplanung studiert, und kann somit, wie in der Ausschreibung verlangt, auf diesem Gebiet sowie der Architektur nicht nur einen Hochschulabschluss vorweisen. Sondern er hat auch einen Doktorabschluss gemacht. Zudem werden Leitungs- und Führungskompetenzen in der öffentlichen kommunalen Verwaltung verlangt.

Keine Veränderung beim Geschäftsbereich

Im Alltag wird Müller als Baubürgermeister bezeichnet. Denn er steht dem Geschäftsbereich mit den Ämtern für Stadtplanung, Stadtbauamt und Bauaufsicht vor. Mit seinen Mitarbeitern kümmert er sich um Straßen, Kitas, Schulen und Feuerwehrgebäude und hat in den Sanierungsgebieten in Radebeul-Ost und -West sichtbare Spuren hinterlassen. Zum Geschäftsbereich des Ersten Bürgermeisters gehören noch die Projekt- und Investorenleitstelle sowie die Immobilienbewirtschaftung. Am Zuschnitt des Aufgabenfeldes ändert sich mit der Neuausschreibung nichts.

So sieht der Siegerentwurf für die Oberschule Kötzschenbroda aus. Für das Neubauprojekt laufen die Planungen.
So sieht der Siegerentwurf für die Oberschule Kötzschenbroda aus. Für das Neubauprojekt laufen die Planungen. © Visualisierung: ama Architekturbüro

Auf die Frage, auf welche Projekte er in den vergangenen zwei Jahrzehnten unter seiner Ägide besonders stolz ist, antwortet Müller: „Es kommt schlussendlich doch nicht darauf an, worauf ich stolz bin. Ich fühle mich in all meinem Tun und Handeln als Berater von Oberbürgermeister und Stadtrat sowie als Dienstleister der gesamten Bürgerschaft gegenüber.“ Dabei könne und dürfe er allerdings nicht die Gesetzeslage und herrschende Rechtsmeinung außer Acht lassen. „Besonders gelungen empfinde ich das von mir damals angeschobene und nunmehr fast abgeschlossene Sanierungsgebiet Zentrum Ost mit der Neugestaltung des Bahnhof- und Rathausareals“, sagt Müller.

Wahl am 19. Januar 2022 geplant

Als Aufgaben und Projekte, an denen er als Baubürgermeister auch künftig weiter arbeiten möchte, nennt der das Fortschreiben des Flächennutzungsplans für die nächsten 15 Jahre, den Bau der Schiffsmühlenbrücke, das Gelingen des Sanierungsgebiets West, den Neubau der Oberschule Kötzschenbroda und vieles mehr. „Mein Wunsch ist nach wie vor der behutsame Umgang mit der einzigartigen Stadt- und Kulturlandschaft in Balance zwischen attraktiver Wohnstadt und wirtschaftlich aktivem Standort als Leitbild der familienfreundlichen kompakten Stadt mit bezahlbaren Infrastrukturen“, so Müller.

Ob er in seinem Büro im Technischen Rathaus bleiben kann, entscheidet sich voraussichtlich am 19. Januar nächsten Jahres. An diesem Tag ist die Beigeordnetenwahl im Stadtrat geplant. Zuvor sichtet der Oberbürgermeister gemeinsam mit den zwölf Mitgliedern des Verwaltungs- und Finanzausschusses die schriftlichen Bewerbungsschreiben. Die aus ihrer Sicht geeignetsten Kandidaten werden zu einer internen Vorstellungsrunde eingeladen. Aus diesem Feld sucht der Ausschuss gewöhnlich zwei Bewerber aus, die sich dann dem Votum des gesamten Stadtrates stellen.

Nur einen Gegenstimme bei Wiederwahl

Als Müller zuletzt im Januar 2015 wiedergewählt wurde, gingen zuvor vier Bewerbungen im Rathaus ein. Eine davon lag zu spät, nach dem Ende der Bewerbungsfrist, im Briefkasten, und wurde deshalb im weiteren Auswahlverfahren nicht berücksichtigt. Drei Kandidatenschreiben nahmen Räte und OB genauer unter die Lupe und befanden eine Bewerbung als ungeeignet für die Stelle. So blieb ein Duo übrig, das einzeln zum Vorstellungsgespräch in den Ausschuss eingeladen wurde. Danach hat eine Bewerberin auch in Absprache mit ihrem damaligen Arbeitgeber ihre Kandidatur zurückgezogen, so dass bei der öffentlichen Wahl nur noch Müller als alleiniger Kandidat übrig blieb. Bei einer Gegenstimme wurde er im Januar 2015 durch den Stadtrat wiedergewählt.

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Im selben Jahr stand im Juni die Oberbürgermeister-Wahl an. Damals ließ zu Jahresbeginn OB Wendsche noch offen, ob er erneut kandidiert. Für die bevorstehende Wahl im nächsten Jahr hat er bereits in diesem Sommer seine Kandidatur bekannt gegeben. Zurzeit ist er der einzige Bewerber für die Stadtspitze.

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